"… dann macht es am Ende allen Spaß!"
Club | 1. Juli 2016 um 02:22 Uhr

"… dann macht es am Ende allen Spaß!"

"… dann macht es am Ende allen Spaß!"

Nello di Martino, Teamleiter und Vereinsikone, spricht im Interview mit herthabsc.de über die blau-weiße Vorbereitung, das Trainingslager und das EM-Viertelfinale zwischen Deutschland und Italien.

Berlin – Nello di Martino ist wohl jedem Herthaner ein Begriff. Der Italiener ist ein absolutes Hertha-Original und bereits seit 1971 im Verein. Als Torhüter, Torwarttrainer und inzwischen als Teamleiter arbeitete der 64-Jährige bereits beim Hauptstadtclub und war dabei stets der Inbegriff von Zuverlässigkeit und sportlicher Kompetenz. Seit Mittwoch befinden sich die Blau-Weißen wieder in der Vorbereitung, ab Sonntag startet das einwöchige Trainingslager in Bad Saarow, das di Martino wieder organisiert hat. Und als wäre das nicht schon mehr als Grund genug, sich einmal mit 'Grande Nello' zu unterhalten, wird am Samstag (02.07.16) auch noch eine ganz besondere EM-Partie stattfinden: Die DFB-Elf gegen Italien, der aktuelle Weltmeister gegen den Sieger von 2006, den der Herthaner damals als Teambetreuer durch das Turnier in Deutschland lotste.

herthabsc.de traf di Martino, um über die Partie am Samstag und die anstehende Vorbereitung zu sprechen.

herthabsc.de: Nello, am Samstag (21.00 Uhr) ist es mal wieder soweit: Bei der EM in Frankreich trifft Deutschland auf Italien, die Partie ist ein absoluter Klassiker: Was erwartest du für eine Begegnung?
Nello di Martino: Das ist definitiv ein besonderes Spiel - die gesamte Konstellation ist einfach speziell. Hier die ‚Großmacht‘ Deutschland, auf der anderen Seite die kleinen Italiener, mit einem Land in der Krise - und doch gewinnen wir mit den einfachen Mitteln des Fußballs fast jedes Mal. Darin liegt aus meiner Sicht die Brisanz dieses Duells. Die einzelnen Spieler beider Mannschaften sind im direkten Vergleich fast gleich, entscheiden werden die kleinen Details, die Mentalität. Und da sehe ich die Italiener im Vorteil, weil sie es gewohnt sind, kämpfen zu müssen – in allen Situationen im Leben.

herthabsc.de: Hast du während des Turniers in irgendeiner Form Kontakt zur ‚Squadra Azzurra‘?
di Martino: Ja, sicher! Mit meinen Kollegen aus dem Funktionsteam wie Teammanager Gabriele Oriali, der 1982 selbst Weltmeister war, tausche ich mich regelmäßig aus. Und ich spreche natürlich auch oft mit den Spielern wie Gianluigi Buffon, Andrea Barzagli oder Daniele de Rossi, die 2006, als ich als Teambetreuer gearbeitet habe, auch schon dabei waren. Sie fragen mich oft, was es gerade neues in Deutschland gibt, und ich schicke ihnen dann Fotos aus den Zeitungen (lacht).

herthabsc.de: Parallel zum Turnier in Frankreich ist Hertha BSC am Mittwoch (29.06.16) wieder in die Vorbereitung eingestiegen – durch die Teilnahme an der Qualifikation zur Europa League etwas früher als sonst. Beeinflusst das deine Arbeit?
di Martino: Nein, nicht wirklich. Wir haben natürlich schon ab April einkalkuliert, dass die Situation so eintreten könnte. Deshalb haben wir bei der gesamten Planung - Trainingslager, Freundschaftsspiele, und so weiter - lieber noch abgewartet und uns alle Möglichkeiten offengehalten.

herthabsc.de: Statt zwei Trainingslagern habt ihr euch entschieden, die Arbeit auf ein Trainingslager in Bad Saarow zu fokussieren. Hat das deine Vorbereitungsplanung stark verändert?
di Martino: Das Trainingslager in Bad Saarow konnten wir zum Glück noch um drei Tage verlängern. Dort wollte auch ein Bundesliga-Aufsteiger hin, aber wir waren schneller (lacht). Das ist für die Planung insgesamt aber alles überhaupt kein Problem.

herthabsc.de: Bad Saarow wird zum dritten Mal in Folge in einer blau-weißen Vorbereitung angesteuert, auch in den Vorjahren war die Mannschaft dort bereits untergebracht. Was sind die größten Vorteile des Standorts?
di Martino: Die Nähe zu Berlin ist einer der großen Vorteile. Wenn noch schnell etwas benötigt wird, sind wir schnell wieder dort. Die Ruhe in Bad Saarow ist auch gut, um konzentriert arbeiten zu können. Dazu kommt die super Küche – das ist eine der Besten, die wir erlebt haben. Gleiches gilt für den großen und gut gepflegten Platz, der Platzwart ist absolut Hertha-verrückt und macht alles selbst. Schön ist auch, wie sehr sich alle dort Mühe geben, Hertha BSC einen gelungenen und angenehmen Aufenthalt zu bereiten. Außerdem lief es die letzten Jahre eigentlich immer gut, wenn wir in Bad Saarow waren – so abergläubisch, wie Fußballer sind, müssen wir also sowieso wieder dorthin!

herthabsc.de: 34 Spieler reisen mit nach Bad Saarow, eine große Gruppe. Wie teilt ihr da die Zimmer auf, gibt es ein bestimmtes System?
di Martino: Manche Spieler harmonieren einfach miteinander. Sie sind bei den Auswärtsspielen auch immer auf einem Zimmer und werden das jetzt also auch sein. Dann gibt es diejenigen, die Einzelzimmer benötigen, weil sie nicht schlafen können, wenn jemand schnarcht oder ähnliches. Ich weiß da bei den Jungs Bescheid und leite das natürlich entsprechend weiter.

herthabsc.de: Am Anreisetag des Trainingslagers testet die Mannschaft ab 15.00 Uhr gegen den FC Schwedt. Wie sieht der grobe Ablauf dieses Tages aus?
di Martino: Ich werde schon einmal vor der Mannschaft ins Trainingslager reisen, um vor Ort zu überprüfen, ob alles perfekt ist, wenn die Jungs kommen. Am Sonntag werden wir hier in Berlin zu Mittag essen und dann mit dem Bus nach Schwedt fahren. Nach dem Spiel geht es dann im Bus weiter nach Bad Saarow, wo wir gemeinsam zu Abend essen und das Viertelfinalspiel zwischen Frankreich und Island anschauen werden. Und dann geht am Montag die harte Arbeit los!

herthabsc.de: Wie sieht für Nello di Martino ein rundherum gelungenes Trainingslager aus?
di Martino: Man muss im Voraus schon viel gute Arbeit machen und akribisch planen. Gleichzeitig muss man aber immer in der Lage sein, ein Stück weit zu improvisieren, wie zum Beispiel letztes Jahr, als es so extrem heiß war. Rundherum gelungen ist ein Trainingslager immer dann, wenn die Mannschaft zufrieden ist, Hotel, Essen und Trainingsbedingungen gut sind und das Personal mit Freude bei der Arbeit ist. Dann macht es am Ende uns allen Spaß!

(kk/City-Press)

von Hertha BSC