"Wir müssen demütig bleiben"
Profis | 12. Oktober 2016, 19:51 Uhr

"Wir müssen demütig bleiben"

"Wir müssen demütig bleiben"

herthabsc.de sprach mit Stocker über sein Tor für die Schweiz, Wartezeiten und das kommende Spiel bei Borussia Dortmund am Freitag (14.10.16).

Berlin – Wie Fliegen fühlte es sich an, dieses Tor, das Valentin Stocker am Freitag erzielte. Es war nicht irgendein Tor, es war ein ganz wichtiges – für seine Schweizer Nationalmannschaft, der er mit seinem Treffer in letzter Minute den 3:2-Sieg gegen Ungarn sicherte. Aber vor allem für ihn selbst war es ein Stück weit Erlösung. Nach der Partie sprach er von Dankbarkeit und Demut. Das erste Mal seit über einem Jahr stand er wieder im Aufgebot seines Nationalteams. Er bekam seine Chance, nutze sie und zeigte damit, wie wichtig er sein kann. herthabsc.de sprach mit Stocker über Chancennutzung, Wartezeiten und das kommende Spiel bei Borussia Dortmund am Freitag (14.10.16).

herthabsc.de: Valentin, Glückwunsch zu den beiden Siegen mit der Schweizer Nationalmannschaft und deinem Tor gegen Ungarn. Wie hast du deine Rückkehr in die Nationalmannschaft erlebt?
Valentin Stocker: Danke! Es war sehr emotional für mich. Ich hatte nicht mit meiner Nominierung gerechnet, ich war sehr überrascht – positiv natürlich. Es war super, dass ich dann auch direkt ein Tor erzielt habe, mit dem ich dem Team helfen konnte. Jetzt haben wir die ersten drei Quali-Spiele gewonnen, das ist natürlich ein perfekter Start.

herthabsc.de: Dein Tor gegen Ungarn war dein erster Ballkontakt nach der Einwechslung und gleichzeitig der Siegtreffer. Das kann man mal so machen, oder?
Stocker: Es war natürlich sehr viel Zufall dabei. Ich wurde beim Zwischenstand von 2:2 eingewechselt und habe gedacht, dass ich vielleicht noch eine Chance bekomme. Wenn man so spät eingewechselt wird, hat man ja oft gar keine Torchance mehr, manchmal sogar keinen Ballkontakt. In diesem Fall war das anders und echt schön, dass da noch etwas ging (lacht).

herthabsc.de: Hat dein ungarischer Hertha-Trainer deswegen schon ein Straftraining angeordnet?
Stocker: (lacht) Nein, das hat er nicht. Ich bin mir sicher, dass er sich auch gefreut hat. Er ist ja nicht mehr Trainer der ungarischen Nationalmannschaft. Man hat im Spiel gesehen, dass Ungarn eine richtig gute Mannschaft ist. Sie hätten auch ein Unentschieden verdient gehabt, so ehrlich kann man sein.

herthabsc.de: Auch bei Hertha bist du in den vergangenen Wochen wieder zu mehr Einsätzen gekommen. Du hast nach deiner Einwechslung gegen Gelsenkirchen sogar ein Tor erzielt. Vorher haben auch Julian Schieber und Alexander Esswein schon als Joker getroffen. Woran liegt das, dass so viel Qualität von der Bank kommt?
Stocker:
Bei uns ist es so, dass auch die Spieler im Training Gas geben, die bei den Spielen nicht unbedingt zum Zug kommen. Man ist dann halt ein Stück weit unzufrieden und will im Training noch mehr geben und alles besser machen. Auch die Spieler, die von Beginn an spielen, sind dadurch gefordert. Wenn wir dann ins Spiel kommen, sind wir sehr motiviert. Wir wollen unsere Chance nutzen.

herthabsc.de: Das hat bisher ganz gut geklappt. Fällt es dir schwer, auf diese Chancen und Einsätze zu warten?
Stocker: Manchmal ist es schon schwer, darauf warten zu müssen. Dann spielt man ein paar Wochen gar nicht, dann ändert sich die Situation: Es gibt eine rote Karte, eine Vorsichtsmaßnahme oder eine Verletzung und plötzlich bekommt man seine Chance. Natürlich ist es dann schön, sie zu nutzen. Das tun wir und das macht uns im Moment sehr stark.

herthabsc.de: Diese Stärke hat auch Auswirkungen auf die aktuelle Tabellensituation. Ihr seid mit 13 Punkten Zweiter in der Bundesliga. Genießt du diese Momentaufnahnme oder spielt das keine Rolle für dich?
Stocker: Es ist schön für den Moment, aber es soll nicht so sein, dass es plötzlich die Erwartung wird. Wir wissen auch, dass es ganz anders laufen kann, so wie vor zwei Jahren, als wir fast abgestiegen sind. Da müssen wir demütig bleiben.

herthabsc.de: Als nächstes steht für euch die Partie in Dortmund am Freitag an. Erst am Donnerstag kommen die letzten von der Länderspielreise zurück und ihr seid erst spät komplett. Stört euch das in der Vorbereitung auf das Duell?
Stocker:
Auch die Dortmunder hat viele Nationalspieler, sogar manche, die weit weg waren in der Woche – also ist es für sie das Gleiche. Für uns ist es ein Auswärtsspiel, wir müssen noch die Reise nach Dortmund auf uns nehmen, aber deswegen sehe ich keinen Nachteil für uns.

herthabsc.de: Die Partie ist das Spitzenspiel: Zweiter gegen Dritter. Was rechnest du dir für Chancen aus?
Stocker: Dortmund wird unglaublich aufs Gaspedal drücken und will unbedingt gewinnen. Nach der Niederlage gegen Leverkusen will der BVB bestimmt etwas wiedergutmachen. Wir hatten bisher immer einen guten Spielplan und ich hoffe, dass wir den auch am Freitag gut umsetzen können. Wir werden mit aller Macht dagegenhalten und auf unsere Chancen lauern.

(war,lb/City-Press)

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Plötzlich ändert sich die Situation und man bekommt seine Chance. Es ist schön, diese zu nutzen.
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von Hertha BSC