
Wir reisen nach Львів!
Wir reisen nach Львів!

Berlin – 17 Stunden und 32 Minuten nach aktueller Verkehrslage beträgt die Tour mit dem Auto, fragt man Google Maps. Nicht allzu wenig, diese 1.356 Kilometer Anreise für ein Spiel in der UEFA Europa League - vor allem wenn es sich dabei eigentlich um ein Heimspiel handelt. Die Herthaner müssen nämlich "nur" eine Entfernung von 798 Kilometern zurücklegen für die Auswärtspartie bei Sorja Luhansk am Donnerstag (19.10.17). "Bei" ist aber in diesem Fall nicht im ostukrainischen Luhansk, sondern im westukrainischen Lwiw, oder wie man auf Deutsch sagt: Lemberg. In Luhansk spielt der Club aufgrund des Konfliktes in der Ostukraine schon seit der Saison 2014/15 nicht mehr, trägt seine Liga-Spiele normalerweise in der südukrainischen Stadt Saporischschja aus. Auf internationalem Parkett weicht Luhansk nach Lwiw aus.
Kulturelles Zentrum des Landes
In die Stadt also, die mit etwa 728.500 die siebtgrößte in der Ukraine ist. Reisende bezeichnen sie mittlerweile als das weniger touristische und daher "bessere Prag". Dass das Kulturzentrum des Landes immer beliebter bei den Touristen wird, sieht man auch daran, dass man mittlerweile auch per Direktflug von Berlin nach Lwiw kommt: Eine Stunde und 40 Minuten dauert die Reise in der Luft circa, meint Google Maps. Diese Fahrt in den Westen der Ukraine hat auch schon die deutsche Nationalmannschaft auf sich genommen. In der knapp 35.00 Zuschauer fassenden Arena Lwiw, die für die Europameisterschaft 2012 gebaut wurde, bestritt die DFB-Elf die Gruppenspiele der EM gegen Portugal (1:0) und Dänemark (2:1).
Die sehenswerte Altstadt inklusive des historischen Zentrums zählt seit 1998 als Weltkulturerbe der UNESCO. Von Kriegszerstörungen verschont geblieben, vereinen sich in der Architektur Elemente aus der Renaissance, des Barocks, Klassizismus, Historismus und Jugendstils – armenische, polnische, galizische und deutsche Bauelemente ergänzen einander und prägen das Stadtbild. Über die vielen Märkte der Stadt lohnt sich ein Stadtbummel. Auch kann man sich gut in den traditionellen Kaffeehäusern und Röstereien, Schokoladenmanufakturen und Jazzbars niederlassen – viele von ihnen haben auch eine Dachterrasse.
Kulinarisch sollte man neben zu einer der vielen Kaffeesorten auch die berühmten Strudel oder Pfannkuchen mit verschiedenen Füllungen wie Äpfeln oder Kirschen, die sogenannten 'Mlynzi', probieren. Herzhaft ist der typisch ukrainische Rote Beete-Eintopf 'Borschtsch' zu empfehlen, alternativ kann man sich in einem der vielen georgischen Restaurants vor dem Stadionbesuch stärken. Auch hierfür gibt Google Maps eine gute Hilfestellung. Routenvorschläge gibt es auch für Fußgänger – selbst das Stadion kann man mit der richtigen Tour von etwa neun Kilometern zu Fuß erreichen, in etwa einer Stunde und 47 Minuten.
(lb/dpa)