Profis | 16. Januar 2020, 19:01 Uhr

"Wir haben die Chance zu zeigen, dass wir mehr können!"

"Wir haben die Chance zu zeigen, dass wir mehr können!"

Im Interview spricht Marko Grujic über Vorsätze für die zweite Saisonhälfte, seine veränderte Rolle unter Jürgen Klinsmann und den Auftakt gegen den FC Bayern am Sonntag (19.01.20, 15:30 Uhr).

Berlin – Statistiken sind oft interessant, manchmal sehr aufschlussreich und in einigen Fällen auch kurios. Marko Grujic kann ein Lied davon singen. Von 51 möglichen Bundesliga-Spielen in anderthalb Jahren bei Hertha BSC verpasste der Serbe 14, in diesen gelang der 'Alten Dame' nur ein einziger Sieg – ironischerweise ausgerechnet gegen den FC Bayern (2:0 im September 2018). Doch auch Herthas Nummer 15 durfte schon besondere Momente gegen den deutschen Rekordmeister bejubeln, so erzielte Grujic beim 2:2 im Hinspiel die zwischenzeitliche Führung für den Hauptstadtclub. "Gegen so ein großes Team wie den FC Bayern zu treffen, war definitiv einer der besten Augenblicke der Hinrunde für mich. Wir wollen es dem FCB auch am Sonntag nicht leicht machen", blickt der Serbe auf das Kräftemessen mit dem deutschen Branchenprimus. Zuvor sprach herthabsc.de mit Grujic über die Gründe für die verbesserten Vorstellungen unter Jürgen Klinsmann, das Aufeinandertreffen mit einem alten Bekannten aus Liverpool und mögliche Erfolgsschlüssel für die Partie am Sonntag (15:30 Uhr).

herthabsc.de: Marko, wenn sich Herthanerinnen und Herthaner an das Hinspiel gegen den FC Bayern München erinnern, wird ihnen unweigerlich auch dein zwischenzeitlicher Führungstreffer in den Sinn kommen. Mit großem Willen hast du den Ball damals im Anschluss an eine Kollision mit Benjamin Pavard noch im Tor untergebracht, ehe du dich behandeln lassen musstest. Wie sind deine Erinnerungen an diesen Moment und das Spiel?
Grujic: Gegen so ein großes Team wie den FC Bayern zu treffen, war definitiv einer der besten Augenblicke der Hinrunde für mich. Schade war, dass ich im zweiten Durchgang den Fehler beim Elfmeter gemacht habe, aber am Ende waren wir mit dem Punkt in München natürlich zufrieden. Es ist sehr schwierig, in diesem Stadion zu punkten. Das am Sonntag zu wiederholen, wird anspruchsvoll – aber wir werden alles in die Waagschale werfen, um etwas Zählbares hier zu behalten!

herthabsc.de: Trotz des Punktgewinns bei den Bayern verlief die erste Halbserie insgesamt jedoch nicht zufriedenstellend – erst gegen Ende der Hinrunde klappte es wieder besser. Woran machst du es fest, dass es für euch als Mannschaft unter Jürgen Klinsmann wieder in die richtige Richtung ging?
Grujic: Der neue Coach und sein Funktionsteam haben neue Energie in die Mannschaft gebracht und uns Rückenwind verliehen. Wir konnten zuvor nicht alles abrufen, was in uns steckt, und haben Hertha BSC auf dem Feld nicht ausreichend gut repräsentiert. Aber wir haben erkannt, was wir falsch gemacht haben, und dann intensiv daran gearbeitet, unsere Schwächen zu beheben.

herthabsc.de:
Kannst du beschreiben, ob und inwiefern sich dein Spiel unter dem neuen Trainerteam geändert hat?
Grujic: So, wie wir aktuell agieren, aus einer kompakten, tiefstehenden Defensive heraus, ist es umso wichtiger, dass wir den Ball halten, wenn wir ihn uns erspielt haben. Dazu soll ich beitragen, darüber hinaus habe ich auch mehr Aufgaben im Angriffsspiel und soll mich dort verstärkt einklinken. Mir gefällt diese neue Rolle, ich mag es, näher am gegnerischen Tor zu sein - so wie in Frankfurt (schmunzelt). Nun hoffe ich, dass ich so in der zweiten Saisonhälfte bessere Leistungen zeigen und dem Team noch mehr helfen kann!

herthabsc.de: In Orlando und in Berlin habt ihr fokussiert auf die Rückrunde hingearbeitet. Welchen Eindruck hast du vor dem nahenden Auftakt vom Zustand der Mannschaft?
Grujic: Wir haben nach den intensiven Einheiten im Trainingslager mit Bayern einen schwierigen Start vor der Brust, aber jeder Einzelne von uns hält es für möglich, gegen den FCB zu punkten. Wir werden unser Bestes geben, wollen jetzt dranbleiben und werden alles dafür tun, ein gutes Ergebnis einzufahren. Die Rückrunde bietet uns allen die Chance zu zeigen, dass wir in der Hinserie noch nicht alles abgerufen haben und wir mehr können!

herthabsc.de: Hast du dir bestimmte Ziele für die zweite Saisonhälfte gesetzt? Sowohl für dich selbst, als auch für das gesamte Team?
Grujic: Mein wichtigster Vorsatz gilt für mich als Einzelspieler und für uns als Team: besser zu werden! Wir können uns alle als Einzelspieler verbessern und so auch als Mannschaft stärker werden, damit wir konstantere Leistungen zeigen können. Das muss unser Ziel für die Rückserie sein.

herthabsc.de: Nun also wieder gegen die Bayern. Gleich zu Beginn wartet am Sonntag (19.01.20, 15:30 Uhr) die große Herausforderung gegen den Rekordmeister. Dabei könntest du mit Philippe Coutinho auf einen alten Bekannten aus Liverpool treffen. Hattet ihr im Vorfeld Kontakt?
Grujic: Gesprochen haben wir wegen der Partie noch nicht. Ich freue mich aber schon darauf, ihn dann auf dem Platz zu sehen und gegen ihn zu spielen, im Hinspiel war er ja noch kein Bayern-Spieler. Durch unsere Positionen gibt es gute Chancen, dass wir uns mal auf dem Rasen begegnen, das werden dann spannende Duelle (grinst). Er ist weltklasse, für mich einfach einer der besten Mittelfeldspieler der Welt.

herthabsc.de: Die Münchner liegen vier Punkte hinter der Tabellenspitze und kommen somit unter Zugzwang in die Hauptstadt. Macht das den FCB besonders gefährlich?
Grujic: Die Bayern stehen immer unter Druck, da sie permanent versuchen, die größtmöglichen Dinge zu erreichen und dadurch stets auf Sieg spielen müssen. Sie sind für mich auch nach wie vor der Favorit auf den Meistertitel und werden nun vom ersten Spieltag der Rückrunde an in die Spitze drängen. Aber: Wir wollen es ihnen zum Auftakt am Sonntag nicht leicht machen!

herthabsc.de: In der Vorsaison gelang euch beim 2:0-Heimsieg eine große Überraschung gegen den Rekordmeister, der es in den letzten Jahren nie leicht gegen Hertha BSC hatte. Was wird aus deiner Sicht essentiell sein, um den Münchnern auch diesmal Paroli zu bieten?
Grujic: Wir müssen die defensive Kompaktheit auf den Platz bringen, die uns schon in den finalen Spielen des abgelaufenen Jahres ausgezeichnet hat. Bayern wird mehr Ballbesitz haben und versuchen, die tödlichen Pässe in die Schnittstellen zu spielen – das müssen wir um jeden Preis verhindern. Gleichzeitig müssen wir möglichst viele Bälle erobern, das Maximum an möglichem Ballbesitz erspielen und dann bei unseren Kontern eiskalt zuschlagen. Um einem so starken Gegner zu trotzen, brauchen wir auch den Rückhalt unserer Fans. Ich hoffe, dass sie uns am Sonntag wieder lautstark unterstützen werden!

(kk/City-Press)

Gesagt...

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Jürgen Klinsmann und sein Team haben uns Rückenwind verliehen. Wir haben erkannt, was wir vorher falsch gemacht hatten und an unseren Schwächen gearbeitet.
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-Marko Grujic

von Hertha BSC