Profis | 23. März 2020, 16:11 Uhr

"Es geht darum, Mitmenschen zu schützen"

"Es geht darum, Mitmenschen zu schützen"

In der Quarantäne spricht Niklas Stark bei herthabsc.de über seinen Tagesablauf, gesellschaftliche Verantwortung und die Hoffnung auf Normalität.

Berlin - Wenn der Frühling kommt, fallen die Entscheidungen – dann biegt die laufenden Spielzeit auf die Zielgerade ein und zieht die Fußballfans ganz besonders in ihren Bann. In diesem Jahr ist jedoch alles anders. Der Spielbetrieb in allen europäischen Topligen ist momentan unterbrochen. Statt um Tore, drei Punkte und Platzierungen geht es einzig und allein um den Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus – der die Menschen inzwischen weltweit vor eine große Herausforderung stellt. Ausgangseinschränkungen und begrenzte Kontaktverbote sind die Gegenwart. Niklas Stark und seine Mitspieler befinden sich nun fast eine Woche in der Quarantäne, nachdem ein Profi positiv auf die neuartige Lungenkrankheit getestet wurde. "Wir müssen das Beste aus der Situation machen. Besonders mit dem Wissen, dass es viele Menschen gibt, die durch die aktuellen Entwicklungen in einer deutlich schlimmeren Situation sind, als wir es sind", sagt Niklas Stark, mit dem herthabsc.de am Telefon gesprochen hat. Dort spricht der Innenverteidiger auch über den Tagesablauf in der Isolation, Kontakt zur Außenwelt und den Zusammenhalt in schwierigen Zeiten.

herthabsc.de: Nik, die wichtigste Frage vorweg: Wie geht’s dir?
Stark: Den Umständen entsprechend geht es mir ganz gut, danke. Wir haben aktuell ein bisschen unfreiwillige Freizeit, die wir dennoch so gut wie möglich nutzen, um fit zu bleiben. Wir müssen das Beste aus der Situation machen. Besonders mit dem Wissen, dass es viele Menschen gibt, die durch die aktuellen Entwicklungen in einer deutlich schlimmeren Situation sind, als wir es sind.

herthabsc.de:
Als Sportler in deinem Alter gehörst du laut medizinischer Annahme nicht zur Risikogruppe, wenngleich auch junge Menschen an Covid-19 erkranken können. Warum ist es wichtig, in diesen Wochen dennoch verantwortungsbewusst zu handeln und zu Hause zu bleiben?
Stark: Das erklärt sich von selbst. Vielleicht bin ich in meiner Altersgruppe nicht unbedingt besonders gefährdet, vielleicht wären die Symptome bei einer Erkrankung ganz leichte, vielleicht aber auch nicht. Auch solche Fälle gibt es. Aber es geht vor allem darum, Verantwortung zu übernehmen und die Mitmenschen, die durch Vorerkrankungen oder ihr Alter zur Risikogruppe gehören, zu schützen – indem wir zu Hause bleiben und die sozialen Kontakte einschränken - auch nach der Quarantäne. Ich habe selbst Großeltern, aber auch einen Freund, der eine Vorerkrankung hatte. Ich möchte nicht dafür verantwortlich sein, den Virus unbemerkt zu übertragen. Mein Bruder, meine Eltern und ich haben aber auch viele Gespräche mit den Großeltern geführt und mit ganz deutlichen Worten gesagt, dass sie aktuell zu Hause bleiben sollen. Jeder unnötige Weg muss vermieden werden.

herthabsc.de:
Seit nun fast einer Woche seid ihr als Mannschaft inklusive Trainer- und Betreuerteam in Quarantäne. Wie erlebst du diesen Zustand und welche täglichen Veränderungen stellst du fest?
Stark: Ich habe das Gefühl, dass man sich ein bisschen an diese Situation gewöhnt oder sich zumindest besser auf sie einlässt. Auch wenn sie natürlich nicht schön ist, denn ein wenig eingesperrt fühle ich mich schon. Aber ich wiederhole es gerne: Wir dürfen nicht vergessen, dass es Menschen gibt, die weitaus schlimmer betroffen sind. Wenn wir mit unserem Verhalten oder unseren persönlichen Einschränkungen anderen helfen können, machen wir das natürlich!

herthabsc.de: Wie sieht dein typischer Tagesablauf denn momentan aus? 

Stark: Wir alle haben einen Fitnessplan, an den wir uns halten müssen. Am Vormittag haben wir zum Beispiel zusammen über Videoschaltung eine Tabata-Einheit gehabt. Vergangene Woche haben wir auch die Fahrräder bekommen, auf denen wir Intervall- oder Ausdauereinheiten abspulen. Klar würden wir lieber draußen laufen gehen oder auf dem Schenckendorffplatz trainieren, aber das geht nun mal eben nicht.

herthabsc.de: Und wenn du nicht mit Training beschäftigt bist, wie vertreibst du dir die Zeit dann?

Stark: Ich bin zum Glück mit meiner Freundin in Quarantäne – nicht allein. Ich koche auf jeden Fall mehr, wenn man das, was ich in der Küche veranstalte, kochen nennen kann (lacht). Sonst wird es ähnlich ablaufen, wie bei vielen anderen auch. Ich entdecke neue Serien, schaue mir Filme an oder facetime mit Freunden oder der Familie. Sonntag habe ich mit Maxi und Klünti (Mittelstädt und Klünter; Anm. d. Red.) gefacetimed, davor aber auch mit alten Freunden aus der Heimat. Solche Videogespräche helfen schon ein bisschen.

herthabsc.de: Der Verein hat die 'Herthaner-helfen'-Plattform ins Leben gerufen, auf der sich potenzielle Helferinnen und Helfer, aber auch Menschen, die Unterstützung benötigen, vernetzen können. Als Nationalspieler spendest du mit deinen DFB-Kollegen 2,5 Millionen Euro, weitere Initiativen wie die #WeKickCorona von Leon Goretzka oder Joshua Kimmich laufen.
Stark: Mir ist klar, dass ich als Fußballer in einer privilegierten Situation bin. Deswegen war es für mich klar, dass ich in dieser schwierigen Zeit meinen Beitrag leisten möchte und helfe. Wenn momentan etwas wichtig ist, dann der Zusammenhalt und Solidarität. Was das medizinische Personal, aber auch die Menschen in den Supermärkten oder bei der Polizei und Feuerwehr momentan leisten, gehört hervorgehoben. 

herthabsc.de: Sichere Prognosen oder Vorhersagen kann momentan niemand machen – das gilt auch mit Blick auf den Fußball. Wie, in welcher Form und ob es mit der Saison weitergeht, steht aktuell in den Sternen. Welche Gedanken machst du dir dazu?
Stark: Natürlich denke ich da intensiv und lange drüber nach. Fußball ist nicht nur Fußball für mich, sondern auch mein Beruf. Im Endeffekt können wir aber nichts machen, die Verantwortlichen treffen die Entscheidung in Rücksprache mit den Experten und auf der Basis von Untersuchungen und Daten, die wir nicht haben. Ganz klar ist, dass die Gesundheit vorgeht und wir einfach abwarten müssen, was die aktuellen Regeln der Politik bewirken. Solange können wir nur alles daran setzen, um fit zu bleiben.

herthabsc.de: Die Europameisterschaft im Sommer, die dein großes Ziel war, hat die UEFA ins kommende Jahr verschoben. Eine unausweichliche Entscheidung, oder?
Stark: Ja, das war eine notwendige und richtige Entscheidung. Die EM hätte niemals in der Form stattfinden können, wie wir es von den vergangenen großen Turnieren gewohnt sind. Ohne Fans und die große Begeisterung in den Städten bzw. Ländern hätte so viel Besonderes gefehlt, dass es ein ganz komisches Turnier geworden wäre. Allerdings ist die EM nicht abgesagt, sondern lediglich ein Jahr verschoben – damit ist mein Ziel einfach nur nach hinten gerückt.

(fw/privat)

Gesagt...

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Als Fußballer bin ich in einer privilegierten Situation. Deswegen war es für mich klar, dass ich in dieser schwierigen Zeit meinen Beitrag leisten möchte.
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-Niklas Stark

von Hertha BSC