Die Laola-Welle unserer Herthaner vor dem Gästeblock.
Profis | 17. Oktober 2021, 10:49 Uhr

Der Plan geht auf!

„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert“ lautet ein berühmter Spruch von John 'Hannibal‘ Smith aus der US-Kultserie 'Das A-Team‘. Pál Dárdai dürfte nach dem 2:1-Sieg unserer Herthaner in Frankfurt ähnliche Gedanken gehabt haben, auch wenn maximal die Vorliebe für Zigarren die Serienfigur und unseren Chefcoach verbinden. Aber Spaß beiseite: Gegen den Europapokalteilnehmer verdienten sich Dárdai und die Seinen den dritten Saisonsieg dank einer cleveren und taktisch starken Darbietung. „Das war Disziplin, aber auch Arbeit gegen den Ball mit gutem Umschalt- und Konterspiel. Also viele Dinge, die wir seit Wochen üben, aber bisher nicht in den Spielen gezeigt haben. Der Sieg war verdient“, freute sich unser Übungsleiter absolut zurecht nach dem Abpfiff.

Dárdais Schützlinge hatten auf dem Rasen der Frankfurter Arena vor allem im ersten Durchgang überzeugend genau das auf den Platz bekommen, was das Trainerteam von ihnen gefordert hatte. „Wir haben eine perfekte erste Halbzeit gespielt. Wir haben uns nicht nach hinten fallen lassen, sondern hatten gute Umschaltmomente und Kontersituationen“, analysierte der 45-Jährige. Auf diese Weise fiel nach einer perfekt getimten Flanke von Vladimír Darida, der sein 200. Bundesliga-Spiel bestritt, das frühe 1:0 von Marco Richter (7.). „Die Vorgaben haben wir von Anfang an sehr gut umgesetzt. Mein Tor war ein Stück weit auch ein Dosenöffner, ich war tatsächlich auch am Ball dran“, sagte unser Torschütze, der erstmals für unsere ‘Alte Dame‘ traf, schmunzelnd. Die fleißigen Krzysztof Piątek (18., 42.) und Maximilian Mittelstädt (32.) hätten gut und gerne erhöhen können. „Wir hätten zur Pause 3:0 führen können“, blickte Dárdai auf das klare Chancenplus am Main. Defensiv musste Alexander Schwolow nur einmal beim Schuss von Kristijan Jakić eingreifen (28.).

Druckphase überstanden, gekontert und getroffen   

Wenig überraschend kam die Eintracht, die vor der Länderspielpause Bayern München die erste Saisonniederlage zugefügt hatte, nach dem Seitenwechsel mit Wut im Bauch zurück. „Wir haben mit dieser Druckphase gerechnet. Frankfurt ist volles Risiko gegangen, aber wir haben keine großen Chancen zugelassen“, ordnete Dárdai die Phase nach Wiederanpfiff ein. Stattdessen bewahrten unsere Blau-Weißen die Souveränität. „Wir sind ruhig geblieben und haben uns immer wieder mit unserem Kurzpassspiel befreit“, so unser Trainer weiter. Und nicht nur das: Nach flacher Hereingabe von Mittelstädt drückte der gerade eingewechselte Jurgen Ekkelenkamp die Kugel nach einem Konter zum 2:0 über die Linie (63.) Schon gegen Fürth gelang unserer Nummer 10 ein blitzschneller Treffer nach Einwechslung, bei den Hessen benötigte er zwei Minuten und neun Sekunden.

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Respekt an die Jungs, dass sie die drei Punkte nach Hause geholt haben. Jetzt muss ich nicht mehr erzählen, wie gut sie trainieren, jetzt haben sie auch gut gespielt.
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-Pál Dárdai

Der klare Vorsprung hinterließ Wirkung, die SGE biss sich an der starken Defensive um Dedryck Boyata und Niklas Stark weiter die Zähne aus. Doch nach einem Foul von Alexander Schwolow an Gonçalo Paciência verkürzte der Gefoulte per Strafstoß zum 1:2 (78.). „Mit einem unnötigen Elfmeter haben wir unseren Gegner und die Fans im Stadion wieder ins Spiel gebracht“, ärgerte sich unser Coach, sah aber auch, dass sein Team in den letzten Minuten dagegenhielt und sich nicht um den verdienten Lohn bringen ließ. „In der Schlussphase war es ein Kampfspiel. Respekt an die Jungs, dass sie die drei Punkte nach Hause geholt haben. Jetzt muss ich nicht mehr erzählen, wie gut sie trainieren, jetzt haben sie auch gut gespielt.“ Um ein Haar hätte Marvin Plattenhardt mit einem Freistoß sogar für die vorzeitige Entscheidung gesorgt (86.).  

Doch auch so feierte unser Hauptstadtclub nach Schlusspfiff mit den mitgereisten Fans den ‘Dreier‘, nach dem Fredi Bobic ein kleines Lob verteilte. „Ich freue mich für die Jungs und für das Trainerteam, dass wir die bislang beste Saisonleistung gezeigt haben. Wir waren sehr konzentriert und haben im System verteidigt. Dabei waren wir nicht destruktiv, sondern aktiv im Spiel“, sagte unser Geschäftsführer, der den Blick aber schon wieder nach vorne richtete: „Wir haben gewonnen, das ist natürlich gut, aber wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Wir arbeiten an den Sachen, die nicht funktionieren. Und wenn sie dann funktionieren, wollen wir sie stabilisieren. Samstag empfangen wir Mönchengladbach, da müssen wir nachlegen und die Punkte, die wir auswärts geholt haben, zu Hause vergolden.“

Kein Magier, aber ein Trainer mit klaren Zielen

Bis zum Duell mit der Fohlenelf am kommenden Samstag (23.10.21, 18:30 Uhr) bleiben einige Trainingstage, um auf dieser Leistung aufzubauen – und genau das haben unsere Herthaner vor. Pál Dárdai formulierte es treffend. „Ich bin kein Magier, ich bin ein einfacher Trainer und da brauchst du Zeit zum Arbeiten. Wir sind froh, aber wir dürfen jetzt nicht zufrieden sein, sondern müssen weiterarbeiten.“ Und das mit einem Plan, der hoffentlich noch sehr oft aufgehen wird.

 

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von Florian Waldkötter