
Dieser Moment, als ich Herthaner wurde
War es der erste Schal, den eure Eltern euch auf dem Weg zum Spiel gekauft haben? War es der erste durchs Olympiastadion hallende Hertha-Fangesang, der euch nachhaltig beeindruckt hat? Oder doch die Kunststücke einzelner Blau-Weißer auf dem grünen Rasen – von Ete Beer über Marcelinho bis hin zu Marko Pantelić? Jede Herthanerin und jeder Herthaner hat einen eigenen Weg in unsere blau-weiße Familie. Gemeinsam mit der Sparda-Bank Berlin sucht unser Hauptstadtclub genau diese Geschichten – diesen Moment, als ihr Herthaner geworden seid.
Alle Wege führen in die Hauptstadt
Für Yves Neitzel war der Moment, als er Herthaner wurde, ein ganz besonderer – einer, der sein Leben auf den Kopf stellte. Aber fangen wir von vorne an: Mit elf Jahren zog der gebürtige Dessauer nach Berlin, wo sein Onkel ihn mit unserem Hauptstadtclub bekannt machte. Schon zu dieser Zeit begann Yves, sein blau-weißes Herz zu entdecken. Es folgte mehr als nur ein schöner Moment auf seinem Weg mit unserer Alten Dame: Der erste Stadionbesuch, das Tor von Marcelinho gegen Freiburg. „Ihr wisst schon, das vom Mittelkreis“, wie der Herthaner schmunzelnd hinzufügt. Die vielen weiteren Male, als sein Onkel ihn ins Stadion mitnahm. All das machte Yves zum Hertha-Fan, aber noch nicht zum Herthaner. Herthaner zu sein bedeutet für ihn mehr als nur Fußball, es bedeutet Miteinander und Gemeinschaftsgefühl.

Gemeinsame Leidenschaft
Nachdem Yves später von zu Hause ausgezogen war, schlug ihm seine Mutter vor, alle zwei Wochen zusammen die Heimspiele unserer Jungs im Olympiastadion zu besuchen – eine feste Verabredung zur gemeinsamen Leidenschaft. Auf dem Weg ins Stadion hörten die beiden dabei immer, wie sich die Kurve lautstark einsang. Vom Oberring aus verfolgten sie anschließend die Partien. „Jedes Spiel schaute meine Muddi mindestens genauso oft zur Ostkurve wie zum Spielfeld“, erinnert sich der Wahl-Potsdamer. Aber auch diese Momente, in denen Mutter und Sohn über beide Ohren strahlten, wenn wieder eine beeindruckende Choreo zu sehen gewesen war oder unsere Mannschaft den Gegner vom Platz gefegt hatte, waren es nicht, die ihn zum Herthaner machten. Es war auch noch nicht der Moment, in dem die beiden im Jahr 2015 im Stadionumlauf angesprochen wurden, einen Mitgliedsantrag unterschrieben und ganz offiziell Teil des Vereins wurden.
Dauerkarte für ein neues Leben
In der Folge zog das Duo dann selbst in den Oberring der Ostkurve um. Schon damals wollten die beiden so viel Hertha wie nur möglich erleben. „Mittendrin im Getümmel und immer dabei, wenn es darum geht, die Alte Dame zu unterstützen“, erzählt der 34-Jährige, dessen Leben sich bei einer besonderen Begegnung im Olympiastadion am 22. April 2017 gänzlich verändern sollte.
Wie gewohnt hatten sich Mutter und Sohn auf den Weg zum Stadion gemacht. Das Aufeinandertreffen mit dem VfL Wolfsburg plätscherte vor sich hin – die nicht ganz gefüllte Ostkurve war ungewohnt ruhig. Im Block rutschten die Zuschauenden zusammen und so kam es, dass Yves neben sich eine junge Frau bemerkte. Die beiden hatten fast eine ganze Saison nur wenige Plätze voneinander entfernt gestanden und sich nie wahrgenommen – bis zu diesem Moment. Yves und Jasmin unterhielten sich und wie es der Zufall wollte, schoss Vedad Ibišević das erste und einzige Tor der Partie, bei dem sich die beiden zum ersten Mal in den Armen lagen. Noch vor Abpfiff vereinbarten sie ein Wiedersehen außerhalb des weiten Runds.

Was folgte, war eine blau-weiße Liebesgeschichte im Zeitraffer: Nach einigen weiteren Treffen besiegelten die beiden beim Benefizspiel gegen den Oranienburger FC am 7. Juli 2017 ihre Beziehung. Für Yves folgte schnell der Beitritt in den Fanclub ‚Hertha-Freunde Berlin-Süd‘, dem Jasmin und ihre Familie schon zuvor angehörten. Gemeinsam ging es von nun an regelmäßig auf Auswärtsfahrten und auch in der heimischen Kurve legten die Familien ihre Plätze zusammen. Doch damit nicht genug: In den darauffolgenden Jahren verlobten sich die beiden Hertha-Fans – und heirateten.

Blau-weißer Nachwuchs im Hause Neitzel
Vor fünf Jahren gab es im Hause Neitzel zudem blau-weißen Nachwuchs. Ihre Tochter ist von Geburt an Mitglied unseres Hauptstadtclubs und hat schon drei eigene Trikots im Schrank hängen. In der kommenden Saison wollen Vater und Tochter gemeinsam mit dem Rest der Familie zum ersten Mal eine Partie im Olympiastadion besuchen. Dafür werden sie zusammen aus der Ostkurve in den Familienblock umziehen – so schließt sich der Kreis, wenn die kleine Potsdamerin ihr erstes Spiel unserer Alten Dame auf genau den Sitzplätzen sehen wird, wo auch Yves vor über 20 Jahren zum ersten Mal ein Hertha-Spiel verfolgte. Für den Herthaner schwingen dabei verschiedene Gefühle mit: „Es ist großartig, ihr diese Leidenschaft mitzugeben, aber es ist eben nicht so einfach, wie beispielsweise Bayern-Fan zu sein. Hertha bedeutet Mitfeiern, Mitleiden und wahre Emotionen.“
Den Höhepunkt seiner blau-weißen Reise erlebte Yves also an jenem Samstag im April, als Hertha für einige Augenblicke zur Nebensache wurde: „Je mehr ich darüber nachdenke, desto deutlicher wird mir bewusst: Ich wurde zum Herthaner, als ich meine große Liebe im Stadion kennenlernte.“ Und wer weiß, vielleicht wird auch seine Tochter in vielen Jahren ihre große Liebe im Oberring der Ostkurve kennenlernen, wenn sie gemeinsam mit ihren Eltern die Lieder unserer Alten Dame singt.
Wollt ihr auch euren Moment teilen, in dem ihr Herthanerin oder Herthaner geworden seid? Dann meldet euch gerne unter online-redaktion@herthabsc.de!