
In Gedenken an Ludwig Müller
Am 24. Juni 2026 jährt sich der Todestag von Ludwig ‚Luggi‘ Müller zum fünften Mal. Aus diesem Grund blicken wir auf seine beeindruckende Karriere im blau-weißen Trikot zurück.
Der Wechsel nach Berlin
Nachdem Hertha BSC mit einer völlig neuformierten und jungen Mannschaft mit vier Niederlagen und 14 Gegentoren in die Bundesliga-Saison 1972/73 gestartet ist, fordert Trainer Helmut ‚Fiffi‘ Kronsbein eine Verstärkung für seine Abwehrreihe. Die Wahl fällt auf den 31-Jährigen Ludwig ‚Luggi‘ Müller, der jedoch nach einem Schien- und Wadenbeinbruch eine fast zehnmonatige Zwangspause einlegen und zwischenzeitlich um seine Karriere bangen musste. Nach einem bestandenen Belastungstest wechselt der aus dem unterfränkischen Haßfurt stammende sechsfache A-Nationalspieler von Borussia Mönchengladbach an die Spree. Hier soll der dreifache deutsche Meister (1968 mit dem 1. FC Nürnberg sowie 1970 & 1971 mit Borussia Mönchengladbach) mit seiner Erfahrung für die dringend benötigte Stabilisierung der Berliner Defensive sorgen.
Stabilität und Verlässlichkeit
Eine Woche nach dem ersten Saisonsieg am fünften Spieltag gegen den Tabellenletzten Rot-Weiß Oberhausen feiert Müller am 7. Oktober 1972 bei seiner Rückkehr auf das Spielfeld mit einem 1:1 bei Werder Bremen einen gelungenen Einstand. Noch vor der Winterpause übernimmt der neue Abwehrchef die Kapitänsbinde von Lorenz Horr und rechtfertigt dieses Vertrauen, in dem er alle Partien über die volle Spielzeit bestreitet und wesentlichen Anteil am Klassenerhalt als Tabellendreizehnter hat. Auch in der Spielzeit 1973/74 stellt der Routinier seine Führungsqualitäten mit 34 Einsätzen auf dem Weg zu einem verbesserten achten Tabellenrang unter Beweis.

Karriereende in Sicht
Nach der Saison 1974/75 wird Müller seine aktive Karriere beenden. Hertha präsentiert mit Dettmar Cramer einen neuen Trainer für den im März 1974 freiwillig zu Hannover 96 abgewanderten Kronsbein. Doch bereits nach der ersten Trainingseinheit im Stadion an der ‚Plumpe‘ signalisiert der designierte Übungsleiter, dass er sich aus persönlichen Gründen gegen ein Engagement bei Hertha entschieden hat, die Mannschaft aber noch ins Trainingslager nach Herzogenaurach begleiten wird, bis der Verein einen neuen Trainer verpflichtet hat.
Mitte Juli 1974 gibt das Vereinspräsidium um Heinz Warneke mit Georg Kessler dann einen relativ unbekannten Namen als Nachfolger bekannt, was bei Müller zunächst Unverständnis hervorruft. Erst die weitere Saisonvorbereitung, darunter eine Reise nach Japan mit drei Testspielen in Kobe, Tokio und Omiya, bringt die Wende und den für die bevorstehende Bundesliga-Saison notwendigen Einklang.
Viele Höhepunkte
Der Mannschaftskapitän führt seine Elf am 13. Spieltag zunächst zum Auswärtssieg im ersten Berliner Bundesliga-Derby bei Aufsteiger Tennis Borussia im ausverkauften Olympiastadion. Zwei Wochen später ist Hertha BSC nach einem weiteren Auswärtssieg beim MSV Duisburg im Wedau-Stadion nach 279 Spieltagen der Bundesliga-Zugehörigkeit seit 1963 erstmals Tabellenführer. In der Rückrunde kommt es am 18. Spieltag zum Duell mit dem FC Bayern München, der mittlerweile von Dettmar Cramer trainiert wird. In den Tagen vor diesem brisanten Duell wird Müller von einem schweren grippalen Infekt mit hohem Fieber heimgesucht.
Trotzdem führt er seine Mannschaft im restlos ausverkauften Berliner Olympiastadion gegen den amtierenden Europapokalsieger der Landesmeister und deren Kapitän Franz Beckenbauer zunächst auf das Spielfeld. Zum Pausentee muss er sich in diesem legendären Nebelspiel jedoch auswechseln lassen, kann aber anschließend dem ersten Bundesliga-Heimsieg unserer Elf von der Spree gegen den FC Bayern München wenigstens auf der Tribüne beiwohnen. Es folgt ein weiterer Höhepunkt mit dem zweiten Bundesliga-Derbysieg gegen Tennis Borussia am 30. Spieltag.
Vizemeister zum Abschied
Am 14. Juni 1975 wird Müller vor Anpfiff der Partie gegen den VfL Bochum am 34. Spieltag auf dem Spielfeld vom Berliner Publikum überaus angemessen verabschiedet. In der 45. Spielminute erzielt der scheidende Mannschaftskapitän seinen letzten Treffer für Hertha BSC auf dem Weg zu einem ungefährdeten 4:2-Sieg. Der Erfolg ist überraschenderweise gleichbedeutend mit dem inoffiziellen Titel des Vizemeisters, weil Eintracht Frankfurt am letzten Spieltag keinen Punktgewinn verbuchen kann.
Eine Klasse für sich
Müller bestreitet insgesamt 117 Pflichtspiele für unsere Vereinsfarben. Er absolviert seit seinem Debüt alle 97 Bundesliga-Spiele und erzielt neben zehn Toren eine unglaubliche Einsatzquote von 98,6 Prozent (8.607 von möglichen 8.730 Spielminuten). Im DFB-Pokal-Wettbewerb steht er in neun Partien über die volle Spielzeit auf dem Rasen und steuert einen Treffer bei. Elf Einsätze über die volle Spieldauer in den Intertoto-Runden mit drei Torerfolgen vervollständigen seine nahezu unglaubliche Pflichtspielbilanz für Hertha.
Darüber fungiert er menschlich und sportlich als Vorbild und ist stets der Inbegriff für Einsatzwillen und Leistungsbereitschaft. Auch Jahrzehnte später ist Ludwig ‚Luggi‘ Müller bei den Fans unvergessen, denn im Jahre 2003 wird er anlässlich des 111. Vereinsgeburtstages verdientermaßen in die ‚Jahrhundert-Elf‘ von Hertha BSC gewählt.
Wir werden ihm weiterhin stets ein ehrendes Andenken bewahren.