
Dieser Moment, als ich Herthaner wurde
War es der erste Schal, den eure Eltern euch auf dem Weg zum Spiel gekauft haben? War es der erste durchs Olympiastadion hallende Hertha-Fangesang, der euch nachhaltig beeindruckt hat? Oder doch die Kunststücke einzelner Blau-Weißer auf dem grünen Rasen – von Ete Beer über Marcelinho bis hin zu Marko Pantelić? Jede Herthanerin und jeder Herthaner hat einen eigenen Weg in unsere blau-weiße Familie. Gemeinsam mit der Sparda-Bank Berlin sucht unser Hauptstadtclub genau diese Geschichten – diesen Moment, als ihr Herthaner geworden seid.
Zwischen China und Regensburg
Niyi Huang wurde am 1. Februar 2025 während eines Auswärtsspiels in Regensburg zum Herthaner. Anpfiff um 13:00 Uhr deutscher Ortszeit, sieben Grad Celsius und eine 0:2 (0:1)-Niederlage – so weit, so wenig beeindruckend. Doch für Niyi war die Partie eine besondere. Warum wir euch seine Geschichte, die auch anderen Medien aufgefallen ist, erzählen? Der Mathematikstudent schaute das Spiel nicht etwa in Regensburg, Berlin oder einer anderen deutschen Stadt – er war nicht einmal in Europa. Niyi lebt im rund 8.700 Kilometer entfernten Fuzhou, im Süden Chinas. Wir haben den Herthaner ausführlich zu seiner blau-weißen Liebe befragt.

Ein Herthaner mit Geduld
Niyis Interesse für Fußball wurde durch seinen jüngeren Bruder geweckt. „Deutsche Fußballkultur war für mich sofort ansprechend“, erinnert er sich. Ein Video zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga machte ihn auf Hertha aufmerksam und er begann, sich in die Geschichte unseres Vereins einzulesen. Schnell entschied er sich, eine Partie unserer Alten Dame zu schauen. Auf das besagte Regensburg-Spiel folgten fünf weitere sieglose Duelle, doch für Niyi war klar: „Hertha BSC heißt unser Verein, Hertha BSC wird es immer sein!“ Den Gesang hat er sogar in deutscher Aussprache gelernt. Seinen ersten Sieg erlebte er beim 5:1 (3:0) in Braunschweig am 26. Spieltag. „Emotional war es pure Freude. Hertha zuzuschauen begann mich wirklich glücklich zu machen – es hat sich nach Schicksal angefühlt“, erinnert sich der angehende Mathematiker.
Blau-Weiß auf Schritt und Tritt
Von den rund 9.570.000 Einwohnerinnen und Einwohnern der Metropole Wenzhou, aus der Niyi stammt, teilen nur wenige seine blau-weiße Leidenschaft. Eine Hertha-Gruppe auf QQ, vergleichbar mit WhatsApp, hat neun Mitglieder – nur vier davon sind aktiv. Für Niyi ist das jedoch kein Grund, Hertha nicht täglich und überall zu repräsentieren. Auf seinem Uni-Campus im rund 250 Kilometer von Wenzhou entfernten Fuzhou tragen viele Studierende Trikots großer Clubs. Seine Kommilitonen unterstützen Vereine wie Manchester United und Real Madrid – auch Fans von Borussia Dortmund und Bayern München sind regelmäßig anzutreffen. Mit unserer Alten Dame ist das anders: „Wenn ich mein blau-weißes Trikot trage, sind die Leute häufig überrascht“, erzählt der Herthaner.

Besondere Kontakte in Berlin und der Heimat
Nicht nur auf dem Campus bringt ihn seine Hertha-Leidenschaft mit allerlei Menschen in Kontakt. Einige Profis unseres Hauptstadtclubs wurden durch seinen Auftritt in den sozialen Medien auf Niyi aufmerksam. Auf Instagram postet er regelmäßig Inhalte und dokumentiert sein Leben als Exilherthaner. Sowohl mit der Familie Dárdai als auch mit unserem Kapitän Fabian Reese tauschte er sich bereits aus, von Marius Gerbeck erhielt er eine Videobotschaft. Aber nicht nur große blau-weiße Namen begeistern ihn: Mit dem Chinesen Xu Zhan, der von 2006 bis 2008 für unsere U23 spielte, pflegt er regelmäßigen Kontakt. „China hat sich seit 24 Jahren nicht für eine WM qualifiziert. Zu wissen, dass ein chinesischer Spieler für Hertha gespielt hat, berührt mich sehr“, schildert Niyi.
Die größte blau-weiße Trikotsammlung Chinas
Fünf Trikots hat der Student bereits in seiner Hertha-Sammlung, die wohl größte im ganzen Land. An offizielle Fanartikel zu kommen, ist 8.731 Kilometer von Berlin entfernt jedoch nicht immer einfach. Seine Hertha-Freunde aus Deutschland helfen ihm dabei. Besonders stolz ist Niyi auf ein Trikot, das Palkó Dárdai einst während eines Spiels trug.

8.731 Kilometer entfernte Nachtschichten
Um die Spiele unserer Alten Dame zu schauen, nimmt der Chinese mitunter einiges in Kauf. Sechs bis sieben Stunden Unterschied liegen, je nach Sommer- oder Winterzeit, zwischen beiden Ländern. So kommt es, dass Niyi auch mitten in der Nacht aufsteht, um unsere Jungs vor dem Bildschirm zu unterstützen. Meistens allein und manchmal mit Freundinnen und Freunden. So auch beim Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Freiburg im Februar, als er von einem Paar aus Deutschland besucht wurde und sie gemeinsam mitten in der Nacht eine Hotellobby zum Public Viewing umfunktionierten. Während der Semesterferien, die er in seiner Heimat Wenzhou verbringt, schaut der Blau-Weiße die Spiele gemeinsam mit seinem kleinen Bruder.
Zukunftspläne? Auf in die Hauptstadt!
Für Hertha wünscht sich Niyi Huang erfolgreiche Zeiten, das Wichtigste ist für ihn aber etwas anderes: „Hertha BSC steht für Widerstandfähigkeit und das einzigartige Erbe der deutschen Hauptstadt. Die Unverfälschtheit ist das, was mich begeistert. Das ist die Basis unseres Clubs.“ Der Herthaner wird seine blau-weiße Reise weiter in den sozialen Medien teilen und unsere Jungs aus der Ferne unterstützen. Was für ihn jedoch feststeht: „Ich werde studieren, hart arbeiten und irgendwann nach Berlin ziehen, um bei jedem Spiel dabei zu sein. Die Freiheit, Authentizität und Energie der Stadt finde ich toll – sie ist so wie ihr Sport-Club: Nicht perfekt, aber mit besonderer Anziehungskraft!“
Wollt ihr auch euren Moment teilen, in dem ihr Herthanerin oder Herthaner geworden seid? Dann meldet euch gerne unter online-redaktion@herthabsc.de!