
Jestatten: Joel Liebke & Osamudiamen Oviawe
Was eine gute Fußballmannschaft ausmacht, darüber lässt sich ausführlich und facettenreich diskutieren. Ein Erfolgsfaktor, auf den sich jedoch wohl die meisten Menschen einigen können: Verschiedene Spielertypen, die gemeinsam ein funktionierendes Gesamtbild ergeben und ihre individuellen Stärken in passenden Situationen einbringen können. Joel Liebke und Osamudiamen ‚Mudi‘ Oviawe aus Herthas U15 stellen hierfür gute Beispiele dar. Der zentrale Mittelfeldspieler und der Angreifer sind im blau-weißen Team Leistungsträger und debütierten vor kurzem Seite an Seite mit Luis Greil und Malte Brumm auch in der deutschen U15-Nationalelf. „Die Hymne singen zu können, noch dazu vor so vielen Fans, war aufregend und ein besonderes Gefühl“, erinnert sich Liebke im Gespräch mit Redakteur Konstantin Keller.
Ein Bessermacher & ein hungriger Pfeil
Der erstmalige Einsatz mit dem Adler auf der Brust war ein weiterer Meilenstein auf dem Berliner Weg der 15-Jährigen. „Beide sind sehr unterschiedlich, aber in ihrer Art und Weise auch sehr besonders“, beschreibt ihr Trainer Luca Widmayer die Jungs. „Joel ist ein ruhiger Charakter, aber seine Art, Fußball zu spielen, sieht man nicht so oft: Er kann seine Mannschaft und jeden Spieler auf dem Platz besser machen. Ein leiser Stratege, der fußballerisch aber vorneweg geht und sowohl Mannschaft als auch Kabine auf ein anderes Level hebt! Mudi ist sehr, sehr gierig und investiert viel. Seine größte Stärke ist, dass er durch seine Geschwindigkeit im Eins-gegen-eins in jedem Spiel den Unterschied machen kann!“

Auf unterschiedlichen Wegen zu Hertha
Fragt man die Jungs selbst, nennt Joel „mein Passspiel und meine Übersicht auf dem Platz“, als seine größten Stärken. An seiner Kondition und seiner Schnelligkeit möchte das Talent noch weiter arbeiten. Letztere bezeichnet Mudi wie auch sein Coach als seinen größten Pluspunkt, während er bei seiner Technik noch Potenzial zur Verbesserung sieht. Eine weitere Stärke des Angreifers, der folgerichtig auch einer der Topscorer seines Teams ist: Der Abschluss. Menschlich beschreibt Liebke seinen Teamkollegen als „lauteren Typ unter Freunden, der aber unter Fremden eher ruhig ist.“ Oviawe beweist daraufhin auch außerhalb des Platzes Reaktionsschnelligkeit. „Unter Freunden ist Joel auch ein lauter Mensch“, sagt er über den Mitspieler, und beide lachen. „Sonst: Ein guter Kapitän, der auf dem Platz viel redet und unser Spiel so steuert.“ Unterschiedliche Typen eben – mit unterschiedlichen Wegen zu unserer Alten Dame.

Mudi kam in der U13 nach einer Poelchau-Schulsichtung vom FC Viktoria 1889 Berlin zu unseren Blau-Weißen. „Das Erste, was ich gedacht habe, war, dass ich es jetzt geschafft habe“, erinnert er sich und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Ich merke hier seitdem aber jeden Tag, dass ich noch viel arbeiten muss.“ Sein heutiger Cheftrainer begegnete ihm damals als Assistenzcoach zum ersten Mal. „Die Dynamik, das Athletische – das hat er alles schon mitgebracht“, erinnert sich Widmayer. „Fußballerisch musste er aber noch einen Schritt machen und hat eine brutale Entwicklung genommen. Sein erstes Länderspiel ist die Auszeichnung dafür!“ Joels Berliner Weg begann hingegen noch früher. „Ich bin durch Hardys Vision in der U9 zu Hertha gekommen. Als ich angenommen worden bin, war das ein sehr krasses Gefühl! Es ist einfach etwas Besonderes, für diesen Verein zu spielen. Das bedeutet sehr viel für mich“, unterstreicht der Mittelfeldakteur, der Kennet Eichhorn als sein Vorbild nennt.

Große Träume und zu gehende Schritte
Seit ihrer Ankunft verfolgen beide ein klares Ziel: Den Sprung zum Profi, am liebsten natürlich bei Hertha BSC. „Das ist der große Traum“, bestätigt Joel, der nach dem letztjährigen Sieg im Berliner Pokal und einem gemeinsamen Triumph beim Pape-Cup weitere Trophäen für unseren Club gewinnen möchte. „In dieser Saison wollen wir die Liga und den NOFV-Pokal gewinnen! Nächstes Jahr ist dann die deutsche Meisterschaft mit der U17 das nächste große Ziel“, sagt er. Und wovon träumen beide langfristig? „Ich will für Hertha in der Bundesliga spielen und Weltmeister mit Deutschland werden“, sagt Mudi grinsend. Joel nennt ebenfalls Einsätze für das Nationalteam – und ein Debüt in der UEFA Champions League.
Bis solche Träume in Reichweite kommen, warten jedoch noch einige Schritte. „Es ist noch ein sehr weiter Weg, beide haben noch vier Jahre Jugend vor sich“, sagt Luca Widmayer, dem im Gespräch der Stolz auf seine Schützlinge anzumerken ist – und auf das gesamte Team. „Jeder einzelne Mitspieler und all diejenigen, die im Hintergrund arbeiten und diesen Weg mit ihnen gegangen sind, sind ein Teil ihrer Geschichte und haben ihren Teil dazu beigetragen.“ Was braucht es, um die Geschichte erfolgreich fortzusetzen? „Entwicklung hört nie auf, der Schlüssel ist und bleibt, auch in schwierigeren Phasen weiter Gas zu geben. Mudi und Joel können sich selbst sehr gut einschätzen. Sich treu zu bleiben und ehrlich zu sich selbst zu sein, ist die größte Herausforderung. Bei beiden habe ich das Gefühl, dass es ihnen gelingt! Ich wünsche beiden, dass sie gesund bleiben. Alles andere wird kommen, wenn sie weiter alles geben, hungrig bleiben und kontinuierlich an sich arbeiten.“ Gelingt das, bringen die beiden Herthaner ihre außergewöhnlichen Anlagen eines Tages möglicherweise auch in unserer Profimannschaft ein.