
„Wollen nachhaltige Strukturen aufbauen“
Die Sommerpause ist für die blau-weißen Profis offiziell beendet: Erstmals ackerten unsere Jungs am Montag wieder auf dem Schenckendorffplatz. Im Anschluss an die Einheit standen Cheftrainer Stefan Leitl und Geschäftsführer Dr. Peter Görlich den anwesenden Medienschaffenden zu ausführlichen Fragerunden zur Verfügung. Dabei sprachen die Protagonisten am Trainingsplatz im Olympiapark unter anderem über…
… den aktuellen Kader & Transferplanungen:
Dr. Görlich: Wir müssen uns alle vor Augen führen, wo wir hergekommen sind. Vor drei Jahren hatte dieser Club existenzielle Themen. Deshalb machen wir nun Schritt für Schritt eine saubere Restrukturierung, investieren aber trotzdem an der einen oder anderen Stelle schon vorfristig. Wir haben die medizinische Abteilung bewusst inhaltlich und personell anders aufgestellt und bereits ein dreitägiges Trainingslager gemacht. Das war geplant und bewusst. Dabei ging es um Diagnostik, die gute Ergebnisse geliefert hat. Die haben wir besprochen und außerdem die ersten Trainingsinhalte gesetzt. Ein Trainingslager dient darüber hinaus auch dazu, dass eine Gruppe zusammenkommt. Unser Fokus liegt auf den Jungs, die wir hier zur Verfügung haben. Und dann werden wir Zug um Zug weitere Entscheidungen treffen. Dabei agieren wir vernünftig im Sinne des Vereins und wollen nachhaltige Strukturen aufbauen. Deswegen stellen wir uns auch den intensiven, strategischen Diskussionen mit allen Beteiligten und nehmen Wechsel in der Kaderzusammensetzung vor. Wenn wir Dinge tun, müssen sie sehr, sehr gut überlegt und in allen Facetten eines Transfers abgeprüft sein. Dann werden wir auch die richtigen Profile punktuell in unsere Spielidee integrieren, aber sie müssen finanzierbar sein. Daraus aber gleich ein Saisonziel zu formulieren, ist mir zu früh. Wir haben noch bis zum 31. August Zeit. Uns ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht bange, weil wir wissen, wie wir es machen wollen.
Leitl: Ich bin froh über den Kader und darüber, mit diesen Jungs arbeiten zu dürfen. Bei denen, die aktuell zur Verfügung stehen, liegt jetzt der Fokus. Alles andere werden wir im Verlauf der Vorbereitung sehen. Offene Positionen sind klar: Auf der Linksverteidigerposition herrscht ein Vakuum. Deyovaisio Zeefuik ist leider noch verletzt und wird erst im Laufe der Vorbereitung dazustoßen. Wir brauchen in der Offensive nach den Abgängen von Fabian Reese und Michaël Cuisance ebenfalls Verstärkungen. Dabei arbeiten wir in aller Ruhe die Prozesse ab und schauen dann, wen wir verpflichten können. Die Gespräche darüber sind sehr offen und sehr klar – im Übrigen schon seit Beginn der Arbeit von Peter Görlich. Nun liegt es an uns, passende Spieler zu suchen und zu finden – die uns qualitativ und quantitativ verbessern. Bis Ende August, bis zum Ende der Transferphase, ist es noch eine lange Zeit. Welcher Spieler passt tatsächlich, wer möchte unseren Weg mitgehen? Da wartet noch ein wenig Arbeit auf uns, aber wir sind sehr optimistisch, in den kommenden Wochen passende Spieler vorstellen zu können.

… Abgänge & daraus resultierende Entwicklungen:
Leitl: Natürlich möchte ich, dass so viele Spieler wie möglich bleiben, natürlich war gerade Fabi Reeses Abschied schwer. Ein absoluter Leader und Führungsspieler ist leider nicht mehr da, der Schritt war für beide Seiten nicht leicht. Aber es ist eine hohe Transfersumme daraus entstanden, die für den Verein sehr wichtig ist. Wir sollten uns darauf besinnen, was er für Hertha gegeben hat, akzeptieren und respektieren seinen Weg. Der eine oder andere kann nun aus den Schatten hervortreten. Darauf hoffen wir auch: Dass Verantwortungen in der Mannschaft vermehrt aufgeteilt werden.
Dr. Görlich: Zuerst muss man mal sagen, dass Fabi hier drei sehr gute Jahre hatte. Für ihn war der Abschied bestimmt kein Selbstläufer. Ich glaube, dass er mit sich gerungen hat, was er tut. Wir haben geschaut, was für uns das Beste ist, und hatten konstruktive Gespräche mit allen Beteiligten. Dann kam irgendwann der Zeitpunkt, an dem wir gesagt haben, dass wir eine Unterschrift daruntersetzen. Ich bin da sehr nüchtern, kann die Fanseele aber verstehen. Allerdings finde ich es nicht korrekt, wenn man innerhalb kurzer Zeit all das in Schutt und Asche tritt, was gewesen ist. Er hat dem Verein viel gegeben und sich immer identifiziert. Dann darf ein Mensch auch eine Entscheidung für einen anderen Club treffen. Wir sind zufrieden damit, wie es abgelaufen ist. Wir sind sehr zufrieden damit, was wir für unseren Kapitän erlöst haben. Es entsteht durch die Abgänge auch neuer Raum für andere Spieler. Wir wollen den Berliner Weg ernst nehmen und die Jungs fördern, da trifft man dann vielleicht auch mutigere Entscheidungen. Die Jungs, die hier jetzt dabei sind, denen trauen wir zu, sich ihre Sporen in der 2. Bundesliga zu verdienen und nachhaltig Abdrücke zu hinterlassen. Deswegen haben wir auch bewusst gesagt, dass es für sie vier feste Kaderplätze gibt. Das ist eine Situation, an der man wachsen kann. Die Jungs müssen sich aber auch beweisen. Das ist ein harter Weg, dabei versuchen wir, mit ganz vielen individuellen Ansätzen zu unterstützen. Und wir erleben, dass da etwas zusammenwächst.
… die Arbeit zu Beginn des geöffneten Transferfensters:
Leitl: Wir sind schon einige Tage zusammen, haben vergangene Woche schon mit der Leistungsdiagnostik begonnen. Wir führen offene Gespräche mit den Jungs und alle committen sich zu einhundert Prozent, auch wenn ihre persönliche Situation noch nicht entschieden wurde. Aktuell müssen wir nicht über Ziele sprechen, sondern gut durch diese Vorbereitung kommen, die Jungs bestmöglich betreuen und die Mannschaft peu à peu verstärken. Wir sind handlungsfähig, ich bin positiv gestimmt, dass wir gute Spieler dazubekommen werden, die die Mannschaft verstärken können. Aktuell müssen wir auch darauf achten, Intensitäten richtig zu verteilen. Mit Jerome Diallo, Mayson Grothe oder Jelani Ndi haben wir Spieler dabei, die aus der Akademie kommen oder lange verletzt waren. Da werden wir gute Lösungen bei Be- und Entlastung finden. Die Gruppe ist noch klein, aber echt willig und hat Bock zu spielen, miteinander Zeit zu verbringen.
Dr. Görlich: Wir haben einen wirklich guten Trainingskader zusammen, sind uns dessen bewusst, was wir tun wollen. Wir haben angekündigt, dass wir den Berliner Weg nicht nur auf der Tonspur verkünden, sondern auch auf dem Platz zeigen. Für Spieler, die sich in der Akademie bewährt haben, ergeben sich nun Möglichkeiten, den nächsten Schritt zu gehen. Es werden noch gewisse Veränderungen reinkommen. Wir werden aber nicht hektisch, obwohl wir verstehen, dass es von außen anders bewertet wird. Wir haben jetzt auch schon eine Woche miteinander verbracht und die Zeit auch genutzt, um viele Dinge in der Kabine, im Umfeld und im Staff zu optimieren. Ich glaube, dass sich die Jungs momentan sehr wohl fühlen und sehen, dass wir unsere Hausaufgaben erledigen.
… einen neuen Co-Trainer:
Dr. Görlich: Da wird definitiv noch jemand dazukommen. Wir haben einen sehr guten Überblick und sind auch schon mit einigen Personen in den engeren Austausch gegangen. Wir suchen jemanden, der in allen Phasen des Spiels einen guten Input geben kann, und haben uns bewusst dazu entschieden, eine geplante Karriereentwicklung mit Patrick Ebert anzugehen. Weil wir glauben, dass Ebi ein Trainertalent ist. Aber wir glauben auch, dass er weitere Reize auf seinem Weg benötigen kann. Das ist mit ihm so abgesprochen und eine bewusste Entscheidung.