Die Grafik zum Allet paletti mit Fabian Lustenberger.
Historie | 16. Juli 2026 um 13:02 Uhr

Allet paletti, Fabian Lustenberger?

In über 130 Jahren haben verschiedenste Persönlichkeiten und Charaktere ihre Spuren bei Hertha BSC hinterlassen. Die Protagonisten haben die unterschiedlichen blau-weißen Epochen geprägt – durch ihren Einsatz auf dem Rasen entstanden Geschichten, die bei unseren Anhängerinnen und Anhängern bis in die Gegenwart schöne Gefühle auslösen. Diesen Erlebnissen, Anekdoten und Erinnerungen jener Herthaner möchten wir in unserer Rubrik ‚Allet paletti?‘ den verdienten Raum geben.

Für deren neueste Ausgabe haben wir uns mit Fabian Lustenberger verabredet. Der Schweizer trug von 2007 bis 2019 unsere Fahne auf der Brust, war mehrere Jahre Kapitän und erlebte mit unserer Alten Dame nahezu alles, was der Fußball bereithält: Auf- und Abstiege, Zweitligameisterschaften und Überlebenskampf in Liga eins sowie spannende Nächte im Europapokal. Im Gespräch mit Redakteur Konstantin Keller blickt Lusti auf seine ereignisreichen Jahre an der Spree zurück. Außerdem berichtet unsere ehemalige Nummer 28 von seinen folgenden Saisons beim Berner Sport Club Young Boys, wo er bis in die Gegenwart als Jugendtrainer arbeitet, einem besonderen Wiedersehen im Sommer 2023 sowie seinem Job als Experte fürs Schweizer Fernsehen.

Lusti, danke, dass du dir die Zeit für uns nimmst! Wo erwischen wir dich gerade?
Lustenberger: Ich bin zu Hause in Bern! Am Vortag habe ich noch ein abschließendes Turnier mit der U15 von Young Boys begleitet, die ich ab dem Sommer übernehme. Jetzt sind aber erst einmal Sommerferien angesagt. Hier ist es verdammt warm, ich nehme an, in Berlin ist es ähnlich…

… allerdings! Wir wollen mit dir auf deine Zeit im blau-weißen Trikot zurückschauen. Du warst 19 Jahre jung und bist aus dem schönen, beschaulichen Luzern nach Berlin gekommen. Wie war dein erster Eindruck von der Stadt und von unserem Verein?
Lustenberger: Für einen kleinen Jungen aus Luzern, aus der Deutsch-Schweiz, ist die Bundesliga das Nonplusultra. Die verfolgt man, ‚ran‘ um 18:00 Uhr war zum Beispiel Pflicht! Und dann war ich plötzlich selbst mittendrin. Ich habe alles aufgesogen. Alleine was für Spieler dabei waren: Arne Friedrich, Josip Šimunić, Marko Pantelić, Pál Dárdai… man hat erst über die Jahre wirklich mitgekriegt, wie erfolgreich sie alle sind und waren. Es war eine coole Zeit als junger Spieler! Aus dem Elternhaus heraus in die Weltstadt Berlin war auch eine kleine Umstellung, aber das habe ich ganz gut hinbekommen (lächelt).

In deinen Anfangsmonaten warst du auch ein treuer Fahrgast der BVG…
Lustenberger: … stimmt! Nach einem Jahr habe ich meinen Führerschein gemacht, bis dahin war ich immer vom Kaiserdamm bis zum Olympiastadion mit der U2 unterwegs. 

Fabian Lustenberger am Bahnsteig der U2.

Kannst du dich an dein erstes Pflichtspiel überhaupt für Hertha BSC erinnern?
Lustenberger: Ja, das war gegen Stuttgart zu Hause! Wir haben 3:1 gewonnen, ich bin am vorherigen Wochenende verpflichtet worden, habe dann während der Woche erstmals mittrainiert und kam kurz vor Schluss rein.

3:1 gegen den amtierenden deutschen Meister im Olympiastadion. Eine Woche später folgte dein U23-Debüt – auf einem Sportplatz in Spandau vor 400 Menschen. Ein krasser Kontrast, der deutlich macht, dass dir nichts geschenkt wurde. Kannst du dich an dieses Spiel noch erinnern?
Lustenberger: Puh, das ist schon schwieriger… (lacht) Es war insgesamt klar, dass ich ein wenig Zeit brauchen würde. Die Einsätze in der U23 waren deshalb eine gute Erfahrung und Teil meines Weges bei Hertha. Die Spielzeit dort hat mir immer geholfen – auch beispielsweise später nach Verletzungen!

Es folgten 306 weitere Einsätze für die Profis mit der Fahne auf der Brust. Auf- und Abstiege, Europapokal und zweite Liga. Welche Spiele für Hertha sind dir dabei besonders in Erinnerung geblieben?
Lustenberger: Das 6:1 gegen Frankfurt nach dem Aufstieg unter Jos Luhukay, wo ich auch zum ersten Mal als Kapitän aufgelaufen bin! Wir wussten als Aufsteiger nicht genau, wo wir stehen, konnten die Euphorie aber mitnehmen und haben die Eintracht aus dem Stadion geschossen. Die Fans haben Spitzenreiter gesungen und es war der Startschuss zu einer tollen Hinrunde. Auch der Sieg in Dortmund zum Jahresabschluss war etwas Besonderes. Die letzte Saison war auch noch einmal speziell. Ich habe viele Spiele gemacht, rund um die letzte Partie gegen Leverkusen habe ich auch schöne Erinnerungen, obwohl wir leider klar verloren haben. Aber die Feier mit Freunden und Familie war ein Highlight. Ich schaue auf zwölf schöne Jahre zurück und freue mich auch immer, alte Bekannte aus der Zeit zu treffen. Vor kurzem war ich beim 40. Geburtstag von Sami Allagui und habe dort zum Beispiel Marcel Ndjeng und Vedad Ibišević getroffen. Wenn man dann zusammen zurückblicken kann, ist das schon cool.

Sami Allagui und Fabian Lustenberger bejubeln das 6:1 gegen Eintracht Frankfurt.

Während deiner Zeit im blau-weißen Trikot hast du auch einige Erfahrungen rund um die A-Nationalmannschaft gesammelt. Verletzungsbedingt musstest du deine Teilnahme an der WM 2014 absagen, hast aber 2011 mit deinen Mitspielern das U21-EM-Finale erreicht. Seite an Seite mit Namen wie Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Yann Sommer gegen die Spanier um Mata, Thiago Alcántara und Javi Martínez. Wie sind deine Erinnerungen an dieses Turnier?
Lustenberger: Unglaublich positiv! Ich hatte vor kurzem ein Spiel bei meinem Heimatverein, wo ich meinen ehemaligen Mitspieler Innocent Emeghara getroffen habe. Wir haben auch ein bisschen über diese Zeit gefachsimpelt und uns zusammen erinnert, was das für ein cooles Erlebnis war und wie viele Spieler aus unserer Truppe wirklich gute Karrieren hingelegt haben. Wir waren eine echte Einheit und sind so als kleine Schweiz ohne Gegentor bis ins Finale gekommen. Spanien war dann zu gut, das muss man so klar sagen. Die haben eigentlich durchweg Weltkarrieren hingelegt…

Spektakulär waren auch einige deiner Tore für unseren Verein. Du hast zugegebenermaßen nicht so oft für Hertha getroffen, aber wenn, dann blieben diese Tore oft in Erinnerung. Viele Fans denken bestimmt noch gerne an dein Siegtor gegen Stuttgart 2015 zurück…
Lustenberger: … das war auch ein besonderer Moment! Es stand 1:1, und mein Gegenspieler hatte zuvor für den VfB getroffen. Dann kurz vor der Pause so ein Tor zu schießen und diese ganzen Emotionen im Olympiastadion zu erleben – ein schöner Tag.

Du hast deine Kapitänsrolle schon angesprochen, zwischen 2013 und 2016 warst du Spielführer unserer Mannschaft. Wie hast du diese Rolle damals erlebt?
Lustenberger: Ich war zu diesem Zeitpunkt 25 und habe versucht, so zu bleiben wie ich bin, war nie ein Kapitän, der sich hingestellt und Monologe gehalten hat, sondern wollte durch Leistung auf dem Platz ein Vorbild sein. Das ist mir, denke ich, sowohl in Berlin, als auch in Bern, wo ich fünf Jahre Kapitän sein dürfte, ordentlich gelungen – auch, wenn ich im Rückblick das eine oder andere vielleicht anders machen würde. Es war aber in jedem Fall eine spannende und lehrreiche Zeit und ich habe gemerkt, wie wichtig es ist, sich selbst treu zu bleiben!

Die meisten Spiele deiner Karriere hast du Seite an Seite mit Salomon Kalou und Peter Pekarík bestritten. Haben sie auch den stärksten Eindruck bei dir hinterlassen? 
Lustenberger: Peka ist ja immer noch aktiv! Ich weiß nicht, ob er noch ein Jahr weitermacht, aber der Typ ist der Wahnsinn. Er war damals schon ein Trainingsmonster, ist jetzt Rekordnationalspieler der Slowakei – unglaublich, wie er sich immer wieder motivieren kann und immer da war und ist, egal, ob er viel oder wenig spielt. Da können sich viele Jungs eine Scheibe abschneiden: Wie man sich verhält, wie man als Profi lebt. Und Sala ist Sala (schmunzelt). Wir hatten eine coole Zeit zusammen, sein Name fällt immer, wenn ich gefragt werde, wer der beste Spieler ist, mit dem ich zusammengespielt habe. Er konnte außergewöhnlich gut sein – wenn er Lust hatte! Dann war es im Training wie im Spiel unglaublich, er war der Unterschiedsspieler für uns, hat so viele Tore gemacht und vorbereitet. Er kam als Champions League-Sieger, als großer Star – aber hat sich null so verhalten, keine Allüren gehabt und sich ins Team eingegliedert. So war er bei uns allen unglaublich beliebt und das zeigt, was er für einen Charakter hat.

Salomon Kalou und Fabian Lustenberger.

Welche Mitspieler bei Hertha stechen noch hervor?
Lustenberger: Per Skjelbred ist jemand, zu dem ich auch einen guten Draht hatte. Sebastian Langkamp und Sami Allagui fallen mir ein, Vali Stocker ist ein guter Freund und wir haben immer noch regelmäßig Kontakt, Davie Selke könnte ich auch noch nennen. Es ist generell schön, wenn man alte Weggefährten verfolgt, mal wieder was von demjenigen hört – und wenn man sich dann sieht, dauert es fünf Minuten und es ist wie früher in der Kabine (lächelt)

Hast du aus dieser Zeit vielleicht eine kleine Anekdote, die du uns hier erzählen kannst?
Lustenberger: Wir waren eine besondere Gruppe, oft gut und gerne zehn Spieler, die viel zusammen war. Unsere Frauen haben sich untereinander auch super verstanden, so waren wir dann nach erfolgreichen Spielen auch mal zusammen essen oder ein wenig in Berlin unterwegs. Da konnte es auch mal ein bisschen später werden… Dass sich so viele so gut verstehen, ist nicht selbstverständlich. Das wusste ich immer zu schätzen und deshalb ist der Kontakt auch noch da. Das war wirklich eine coole Truppe mit guten Leuten und einem guten Umfeld. Ich erinnere mich auch sehr gerne daran, wie viele Leute dann zu meinem Abschiedsfest gekommen sind. Auch ehemalige Mitspieler, ehemalige Mitglieder des Staff und weitere alte Weggefährten. Es war insgesamt eine sehr coole Zeit!

Du sprichst deinen Abschied schon an. Bis 2019 bist du in Berlin geblieben und damals sehr emotional verabschiedet worden. Welche Erinnerungen hast du an den letzten Auftritt im Olympiastadion und die letzten Tage als Hertha-Profi?
Lustenberger: Nur schöne! Ich muss ehrlich zugeben, dass das Spiel im Rückblick gar nicht mehr wichtig ist – vermutlich auch, weil wir 1:5 auf den Sack gekriegt haben (schmunzelt). Gut für mich war, dass ich schon im Januar wusste, dass es zurück in die Schweiz geht. So konnte ich mich darauf einstellen, Dinge vorbereiten und erledigen. Am Abend vor der Partie habe ich von den Mitspielern im Hotel ein Abschiedsgeschenk bekommen. Die Wertschätzung, die mir dann rund um das Spiel entgegengebracht wurde, war extrem hoch. Ich spüre die bis heute, wenn ich in Berlin bin. Das zeigt mir, dass ich in den zwölf Jahren menschlich nicht so viel falsch gemacht habe.

Fabian Lustenberger beim Abschied in der Ostkurve.

Danach ging es weiter nach Bern. Vier Meisterschaften, zwei Cupsiege, all das als Kapitän. Der perfekte Abschluss deiner Laufbahn?
Lustenberger: Kann man so sagen, das hätte ich vorher so unterschrieben (lacht). Ich hätte sehr gerne auch mit Hertha etwas gewonnen, zumindest haben wir die beiden Zweitligameisterschaften geholt, in denen wir jeweils ziemlich durchmarschiert sind. Aber ein Nationaltitel ist eine andere Hausnummer. Der erste Titel war trotz Corona fast der emotionalste. Young Boys war vorher zwei Mal Meister geworden und es war die klare Erwartung, dass das auch zum dritten Mal klappen muss. Ich bin in einer Umbruchsphase gekommen und neuer Kapitän geworden – als wir es dann geschafft hatten, ist mir ein riesiger Stein vom Herzen gefallen, auch, wenn leider keine Fans im Stadion sein konnten. Danach ging die Erfolgsgeschichte nahtlos weiter und es gab damit verbunden viele Erlebnisse, die ich nicht vergessen werde und auf die ich auch gerne zurückblicke. 

Im Sommer 2023 bist du nochmal im YB-Trikot auf Hertha getroffen. Welche Erinnerungen hast du an den Tag? Die mitgereisten Blau-Weißen haben dich gefeiert.
Lustenberger: Ich wusste ein bisschen früher als die meisten, dass dieses Spiel zustande kommen würde. Steve von Bergen, der ja auch mal bei Hertha gespielt hat, war unser Sportchef und hat mir irgendwann plötzlich bei WhatsApp einen Flyer weitergeleitet (lacht). Ich habe mich natürlich unglaublich gefreut, weil ich so viel mit Hertha verbinde. Gefühlt habe ich mein halbes bisheriges Leben in Berlin verbracht, meine Frau dort kennengelernt, meine beiden Jungs sind in der Stadt geboren. Die Verbindung wird immer extrem groß sein! Das Spiel lief dann auch noch erfolgreich, ich glaube, wir haben 4:2 gewonnen – und wenn man dann noch diese Anerkennung und Wertschätzung der Fans spürt, dann macht das einfach etwas mit einem. Zumal ich es Wahnsinn finde, dass so viele von ihnen zu so einem Spiel mitgekommen sind, das nicht gerade um die Ecke stattgefunden hat! Es war ein schöner Tag.

Fabian Lustenberger winkt als Bern-Profi den Hertha-Fans zu.

Auch nach dem Ende deiner Laufbahn bist du dem Fußball treu geblieben. Du bist im Sommer 2024 U21-Co-Trainer der Schweiz geworden…
Lustenberger: … ja, aber nur für ein halbes Jahr, danach habe ich das Amt wieder abgegeben. In den vergangenen Jahren war ich Defensivtrainer der Stufen U16 bis U21 bei YB, in diesem Sommer werde ich dort die U15 als Cheftrainer übernehmen und weiterhin an meiner Trainerlizenz arbeiten. Die B-Lizenz besitze ich bereits, die A-Lizenz ist der nächste Schritt.

Wo siehst du die größten Unterschiede zwischen diesen Rollen?
Lustenberger: In der bisherigen Rolle musste ich keine Verantwortung übernehmen (schmunzelt) – ich konnte Empfehlungen und Einschätzungen über die Jungs abgeben, aber musste nicht die endgültige Entscheidung treffen, wer spielt und wer nicht. In der Ausbildung zum Cheftrainer gehört es dann vielleicht auch dazu, den einen oder anderen Fehler zu begehen und daraus lernen zu können. Im Profibereich gibt es später nur noch schwarz und weiß und man muss liefern. Es sei aber mal dahingestellt, ob es wirklich bis dorthin geht. Grundsätzlich macht mir diese Arbeit aber großen Spaß. Ich freue mich darauf, wenn es wieder losgeht und ich die Jungs begleiten darf. Sie sind alle im Alter meines ältesten Sohns und es wird spannend, diese Gruppe als Trainer zu erleben!

Trainer als Stichwort: Lass uns noch einmal auf deine schauen. Du hast unter einigen großen Namen arbeiten dürfen. Am häufigsten unter Pál Dárdai, aber zum Beispiel auch unter Gerardo Seoane, Lucien Favre oder Ottmar Hitzfeld in der Schweizer Nationalmannschaft. Welche Coaches haben dich am meisten geprägt? 
Lustenberger: Anfangen muss ich in Luzern bei Ciriaco Sforza, der mich in die erste Mannschaft geholt hat und mir so die Gelegenheit gegeben hat, mich zu zeigen. So konnte Lucien Favre auf mich aufmerksam werden, der mich mit nach Berlin genommen hat. Jos Luhuhkay hat mir bei Hertha das Vertrauen geschenkt und mich zum Kapitän gemacht. Und nach meiner Rückkehr in die Schweiz muss ich Gerardo Seoane nennen. Er war 2006 in meiner ersten Saison in Luzern noch mein Mitspieler und hat mir als Trainer uneingeschränktes Vertrauen geschenkt, das ich zum Glück mit Leistungen zurückzahlen konnte.

Lucien Favre gibt Fabian Lustenberger Anweisungen.

Wo hast du dir möglicherweise auch etwas für deinen jetzigen Job abgeschaut?
Lustenberger: (überlegt kurz) Man nimmt von jedem Trainer ein bisschen etwas mit: Bestimmte Übungen beispielsweise, die man dann wieder herausholt, wenn man selbst mit Spielern arbeitet. Ich kann und möchte aber niemand herausheben und denke, es ist ein bisschen wie im normalen Berufsleben: Mit manchen Chefs kann man besonders gut, mit anderen vielleicht weniger, aber man muss immer bestmöglich zusammenarbeiten. Ich bin glücklich, in meiner Profizeit so vielen verschiedenen Menschen begegnet zu sein.

Seit 2024 arbeitest du neben deiner Trainertätigkeit als Experte beim SRF. Wie erlebst du diese Rolle?
Lustenberger: Als sehr spannend, mit einer anderen Sicht aufs Geschehen! Das Feedback ist bis jetzt gut. Es macht Spaß, im Studio dabei zu sein, jetzt mal die andere Seite zu sehen und dabei die eigenen Erfahrungen weitergeben zu können. Bei der WM war ich insgesamt drei Mal im Einsatz und werde auch im kommenden Jahr bei der Super League und im Europacup dabei sein. 

Kommst du dazu, die Fragen zu stellen, die du als Aktiver gerne gehört hättest?
Lustenberger: Es geht im Endeffekt natürlich schon oft um Standardfragen, zumal das Schweizer Fernsehen in seiner Berichterstattung generell sehr neutral auftritt. Es ist kein Boulevard, worüber ich ehrlich gesagt auch ganz froh bin (grinst). Aber natürlich versuche ich, auch mal eine Anekdote einfließen zu lassen, zum Beispiel, wenn beim Spiel Basel gegen Stuttgart Sebastian Hoeneß und Malik Fathi auf der VfB-Bank sitzen und Maxi Mittelstädt mitspielt – da gibt es dann einen konkreten Bezug, man kennt die Leute und kann das eine oder andere erzählen.

In deinem Job betrachtest du natürlich auch die Schweizer Nationalmannschaft und die laufende WM ganz genau. Wie ist dein Eindruck von der Nati und vom Turnier?
Lustenberger: Es ist ein spannendes Turnier, das nur ein bisschen Anlaufzeit gebraucht hat. Bei einer Reise zum anderen Ende der Welt ist das aber vermutlich normal. Ein Problem ist natürlich die Zeitverschiebung – ich stehe nicht um drei Uhr morgens auf, um eine Partie zu sehen, dazu ist mir mein Schlaf zu wichtig. Aber die WM ist in Fahrt gekommen, viele kleine Mannschaften haben sich sehr teuer verkauft und so sind alle auf ihre Kosten gekommen.

Fabian Lustenberger zu Besuch im Olympiastadion.

Auch Hertha verfolgst du offenbar noch ganz genau. Im April sowie im September 2025 warst du bei den Heimspielen gegen Darmstadt und Paderborn im Olympiastadion zu Besuch. Wie eng ist der Draht zur Alten Dame noch?
Lustenberger: Es waren sogar noch einige Male mehr, aber da war ich eher inkognito unterwegs… der Draht ist natürlich nicht mehr ganz so eng wie früher, ich bin ja auch schon ein paar Jahre weg. Regelmäßigen Kontakt habe ich noch zu Sami Allagui, mit Henrik Kuchno und einigen anderen Leuten aus dem Staff auch ab und zu. Und natürlich verfolge ich die Spiele noch so gut es geht. In der Tickerapp ist Hertha immer noch unter den Favoriten gespeichert. Und wenn ich in Berlin bin und die Chance habe, ein Spiel zu sehen, dann komme ich vorbei. Das gehört sich so. Es ist eine Verbundenheit von A bis Z da, die auch immer da sein wird!

von Konstantin Keller