Collage mitgereister Herthanerinnen und Herthaner.
Fans | 26. Juli 2026 um 13:00 Uhr

Kitzbühler Kiebitze

Es ist eine Frage, die häufig vorkommt, wenn es um die Trainingslager unserer Alten Dame und die dorthin mitreisenden Fans geht: Was motiviert die Herthanerinnen und Herthaner, Urlaubstage und Freizeit zu investieren, um unseren Profis in diesen entscheidenden Vorbereitungsphasen nahe zu sein? Wer könnte diese Frage besser beantworten als unsere treuen Anhängerinnen und Anhänger selbst! Redakteur Konstantin Keller ging am Trainingsplatz in Kitzbühel auf Stimmenfang.

Die Herthaner Dylan und Steffen.

Steffen (49) & Dylan (17)

Für Vater und Sohn ist das blau-weiße Sommercamp in den vergangenen Jahren zur gemeinsamen Tradition geworden. „Es ist unser viertes Trainingslager: Zell am See, Walchsee, Kitzbühel und jetzt wieder hier. Besonders die Fanabende sind uns in Erinnerung geblieben: Mit den Spielern zusammen essen, sich zu unterhalten und im ersten Jahr zum Beispiel Marten Winkler am Tisch sitzen zu haben“, berichtet Dylan. „So hautnah in Kontakt mit den Spielern zu kommen, ist schon einmalig“, pflichtet sein Vater Steffen ihm bei. Was macht den Besuch für die beiden darüber hinaus noch so spannend? „Das Erlebnis insgesamt! Was die Fanbetreuung für uns macht, die Rafting-Touren beispielsweise. Es geht nicht nur darum, beim Training zuzuschauen“, erzählt der 49-Jährige lächelnd.

Dabei entstehen auch Verbindungen, die die Vorbereitung überdauern. „Man spricht sich hier immer wieder und erkennt sich dann natürlich in Berlin auch mal im Stadion“, sagt der 17-Jährige, der nicht nur auf den Rängen Bekanntschaften gemacht hat. „Ich habe mal ein Praktikum in einem Fitnessstudio absolviert, wo ich Linus Gechter öfter getroffen habe – da sagt man sich dann auch hier Hallo.“ Unser Verteidiger und seine Kollegen hinterlassen bei den beiden Herthanern auch mit ihrer Arbeit in Österreich Eindruck. „Das ist eine gute Truppe“, sagt Dylan. „Ich finde es gut, den Jungs eine Chance zu geben und Spieler in meinem Alter ranzulassen. Vielleicht entstehen ja wieder so Geschichten wie die von Kennet Eichhorn“, hofft der Teenager auf weitere Talentdurchbrüche.

Die Herthanerin Uta.

Uta (63)

Ihr Markenzeichen ist der Fotoapparat. „Seit ich hier bin, habe ich schon wieder so viele Bilder gemacht. Ich mache immer Zehnerserien, da kommt schnell einiges zusammen“, berichtet die Herthanerin lachend. Ihre Sammlung ist durch jahrelange Treue bereits riesig. „15 bis 20 Trainingslager habe ich seit dem ersten Mal im Jahr 2006 bestimmt schon besucht. Schön waren eigentlich alle, vor allem, weil man so eben auch mal unseren Spielern nahe ist und gemeinsame Fotos machen kann. Da müssen alle durch – und im kommenden Jahr, wenn ich die Bilder ausgedruckt habe, lasse ich sie unterschreiben“, grinst die 63-Jährige.

Außerdem genießt Uta die Gemeinschaft vor Ort. „Mit anderen Fans zusammen zu sein, sich auszutauschen, das ist schön. 20 oder 30 sind gefühlt wirklich immer dabei“, erzählt sie. Und welchen Eindruck hat sie von den bisherigen Trainingssessions gewonnen? „So viel Ahnung habe ich ja jetzt auch nicht, ich beobachte und fotografiere lieber“, sagt sie zwinkernd. „Die Jungs wirken aber alle sehr motiviert!“

Die Herthaner Beate und Bernd.

Beate (62) & Bernd (69)

Beate und Bernd gerieten eher zufällig in ihr erstes Trainingslager, als sich die Wege mit dem Berliner Reisetross im Jahr 2004 erstmals kreuzten. „Wir verbringen hier in der Region in der Regel unseren Urlaub. So haben wir damals noch die letzten Tage mitbekommen und sind auf den Geschmack gekommen“, lacht die Herthanerin. „Wenn Hertha dann in der Ecke ist, fahren wir dementsprechend mit. Zählt man das erste mit, waren es so dreieinhalb Trainingslager.“ Das Ehepaar kam wieder – weil das Gesamtpaket überzeugt.

„Die Nähe macht es aus: Man spricht mit allen, hat hier auch noch so eine schöne Anlage, wo täglich trainiert wird“, fasst der 69-Jährige zusammen. Für ihn ist die tägliche Möglichkeit, bei der Arbeit der Jungs ganz genau hinzuschauen, wichtiger Bestandteil der Faszination. „Die Spieler beim Training zu beobachten, ist unheimlich interessant: Wie sie Spaß haben, gleichzeitig aber extrem konzentriert arbeiten. Die Einheiten sind ja teilweise gar nicht so unkompliziert!“ Und nach getaner Arbeit gibt es ja auch noch genug zu sehen. „Das Karaokesingen der neuen Spieler beim letzten Fanabend war ein schönes Erlebnis, davon mussten wir zu Hause anschließend allen berichten“, lacht seine Frau.

Gemeinschaft, Begegnungen und Nähe: Es gibt viele gute Gründe, warum Fans wie Dylan, Steffen, Uta, Beate und Bernd immer wieder in die Trainingslager reisen – und so ihren Teil zu besonderen Tagen in dieser wichtigen Phase der Spielzeiten beitragen.

von Konstantin Keller