
„Ich möchte zeigen, dass ich besser geworden bin“
Boris Mamuzah Lum hat bereits einen aufregenden Sommer hinter sich. Nachdem eine Knieverletzung die vorangegangene Spielzeit für unser Eigengewächs vorzeitig beendet hatte, lag der volle Fokus auf dem Fitwerden. Schließlich stand vor der Vorbereitung mit unseren Profis noch die U19-Europameisterschaft mit dem DFB-Team an, auf die der Berliner hingefiebert hatte. Der Sprung in den deutschen Kader gelang, mit den Teamkollegen kämpfte sich Mamuzah Lum als Stammspieler bis ins Endspiel des Turniers in Wales. Danach ging es im Anschluss an eine kurze Verschnaufpause mit den Herthanern nach Kitzbühel. „Ich freue mich sehr, dass Bobo da ist. Wir bringen ihn peu à peu wieder an die Mannschaft ran“, sagte Cheftrainer Stefan Leitl zum Start des Trainingslagers. Dort waren bereits einige Einheiten absolviert, als Bobo unseren Redakteur Konstantin Keller zum Gespräch im Teamhotel traf. Dabei ging es unter anderem um das geglückte Comeback, Eindrücke aus Tirol – und die Ziele für eine neue Saison mit der Fahne auf der Brust.
Bobo, für dich ging es im Anschluss an die U19-EM nach einigen Tagen Verschnaufpause direkt hier im Trainingslager weiter. Das Wichtigste zuerst: Wie geht es dir körperlich?
Boris Mamuzah Lum: Ich fühle mich topfit, es geht mir super, danke! Auch mit der Intensität im Training komme ich sehr gut klar, es ist alles gut.
Bevor wir über die Arbeit in Kitzbühel sprechen, möchten wir mit dir einmal auf die vergangenen Wochen und Monate zurückblicken. Ende April war die Saison 2025/26 für dich aufgrund einer beim U23-Spiel in Halle erlittenen Knieverletzung vorzeitig beendet. Danach bist du aber mit fokussierter Arbeit noch auf den EM-Zug aufgesprungen. Kannst du uns über diese Wochen ein wenig berichten?
Mamuzah Lum: Der Unfalltag war ja der 26. April, am nächsten Tag war ich direkt bei den Ärzten. Sie sagten mir, dass ich mit sechs bis acht Wochen Ausfallzeit rechnen müsse, dementsprechend war klar, dass das mit der EM recht knapp werden würde. Genau das war auch meine erste Sorge, außerdem hatte ich befürchtet, dann nicht berücksichtigt zu werden, da so ein Ausfall vor dem Turnier natürlich auch nicht optimal ist. Aber dann habe ich mit Christian Wörns (U19-Trainer des DFB, Anm. d. Red.) telefoniert – er hat mir direkt gesagt, dass ich fit werden soll und er mich auf jeden Fall mitnehmen würde. Das war dann das große Ziel, das mich in acht Wochen Reha angetrieben hat! Und da ich es dann geschafft habe, gab es auch ein Happy End (lächelt).

Weißt du noch, was dir durch den Kopf ging, als du von der Nominierung durch den DFB erfahren hast?
Mamuzah Lum: Ich habe mich sehr gefreut und gesehen, dass sich die harte Arbeit auch auszahlt! Die Wochen in der Reha waren schon sehr anstrengend – zumal ich ja parallel noch mein Abitur gemacht habe. Ich wusste ja, dass ich nominiert werde, wenn ich fit bin – aber als ich die Liste per Mail bekommen habe und mein Name draufstand, war das schon noch einmal etwas anderes.
Ihr habt in Wales das Endspiel erreicht. Du bist dabei zunächst als Einwechselspieler ins Turnier gestartet. Wie hast du den Auftakt in die EM erlebt?
Mamuzah Lum: Einen Tag vor dem ersten Spiel kam der Trainer auf mich zu und sagte mir, dass ich nicht in der Startelf stehen werde. Das fand ich in dem Moment natürlich schade, kann es aber im Nachhinein total nachvollziehen, zumal ich dann ja in den folgenden vier Spielen in der ersten Elf stehen durfte. Ein paar Tage Abstand tun auch immer gut, um solche Entscheidungen besser einordnen zu können: Es wäre unfair gegenüber meinen Mitspielern gewesen, die acht Wochen im Training und topfit waren. Es gibt als junger Spieler viel zu lernen – und das war ein gutes Beispiel dafür.
Im ersten Duell mit Spanien warst du dann Kapitän und hast im Halbfinale sowie im Endspiel über die volle Distanz auf dem Platz gestanden. Wie fällt dein Fazit mit etwas Abstand aus? Was nimmst du von der EM mit?
Mamuzah Lum: Dass die Teilnahme sehr viel Spaß gemacht hat und gleichzeitig einen enormen Ansporn darstellt, irgendwann auch einmal für die A-Nationalmannschaft bei einer EM oder WM zu spielen! Auf so einer großen Bühne wie einem Halbfinale oder einem Finale auftreten zu dürfen, fühlt sich schon anders an als ein Ligaspiel. Die Gegner waren auch sehr stark, beispielsweise die Ukraine im Halbfinale, die wir erst durch das späte Tor in der Nachspielzeit schlagen konnten.
Spanien war dann beim 0:2 im Endspiel leider eine Nummer zu groß, aber für dich geht es international weiter – mit dem Trainingslager in Österreich. Wie erlebst du die Bedingungen hier in Kitzbühel?
Mamuzah Lum: Die Zimmer sind im Vergleich zur EM in Wales auf jeden Fall sehr groß! Ich hatte dort zwar ein Einzelzimmer, aber der Raum war deutlich kleiner. Das ist top hier, ebenso der Platz. Und das Wetter spielt auch mit, dass es ab und zu regnet ist beim Fußball gar nicht schlimm. Beim Grätschen oder beim Torjubel kann es dann sogar mehr Spaß machen (schmunzelt).

Ihr habt Doppelzimmer, wie du schon angeteasert hast. Wer ist in Tirol dein Mitbewohner?
Mamuzah Lum: Jelani! Das läuft richtig gut, wir kennen uns, seit wir zwölf Jahre alt sind, entsprechend freut es mich, dass wir uns hier das Zimmer teilen.
Gibt es im Team weitere Kollegen, mit denen du besonders viel Zeit verbringst?
Mamuzah Lum: Wir sind eine recht junge Mannschaft und ich komme mit allen sehr gut klar, vor allem natürlich mit den Jungs in meinem Alter: Kian, Burak, Jerome, Mayson, Niklas, Janne, Eitschi… ich könnte gefühlt fast alle aufzählen (lächelt). Kian kenne ich zum Beispiel auch schon seit der U9, als wir acht Jahre alt waren.
Und jetzt seid ihr hier! Du hast trotz deiner gerade Mal 18 Jahre inzwischen bereits einige Trainingslager erlebt. Was hat sich am Erlebnis und deinen Abläufen in dieser Zeit möglicherweise verändert?
Mamuzah Lum: (überlegt kurz) Nicht unbedingt viel. Was ich schön finde, ist, dass der Ort des Trainingslagers in diesem Jahr wieder der Gleiche ist, man so zurückkommt und trotzdem eine andere, eine neue Rolle einnimmt. Ich denke, das ist die größte Veränderung. Im Vorjahr war ich ein Jahr jünger, dementsprechend sind die Ansprüche, die ich an mich selbst stelle, diesmal ein bisschen größer: Ich möchte noch mehr Leistung bringen und zeigen, dass ich besser geworden bin!
Auf welche Fortschritte bist du dabei stolz? Und in welchen Bereichen möchtest du zukünftig am eigenen Spiel arbeiten und dich weiter verbessern?
Mamuzah Lum: Gegen den Ball bin ich schon recht gut, dort liegen meine größten Stärken. Mit dem Ball kann ich noch ruhiger werden – das möchte ich erreichen, indem ich beispielsweise an meiner Vororientierung und an meinem ersten Kontakt weiterarbeite.
Wagen wir zum Abschluss noch einen Ausblick: Um mannschaftliche Ziele zu definieren, ist es noch zu früh. Was hast du dir persönlich für die neue Spielzeit vorgenommen?
Mamuzah Lum: Ich will so oft wie möglich auf dem Platz stehen, möglichst gut spielen, den Durchbruch schaffen und Stammspieler bei Hertha BSC werden!