
Lehren, Premieren & gemeinsame Ziele
Den Raum im Mannschaftshotel, in dem das Interview stattfindet, kennen Jerome Diallo, Mayson Grothe und Jelani Ndi bereits. Denn die wenige Freizeit, die die drei Youngster bei ihrem ersten Profitrainingslager in Kitzbühel haben, verbringen sie mit den zahlreichen Teamkollegen in ihrem Alter auch dort, um zusammen Spiele wie das bereits bekannte Werwolf zu spielen. Doch viel Zeit bleibt dafür nicht: Schließlich gilt es, möglichst viel aufzusaugen, jede Trainingseinheit zu nutzen und nicht zuletzt hart zu arbeiten. Im Interview mit Redakteur Konstantin Keller spricht das Trio über seine Eindrücke, neue Erfahrungen und Lehren sowie prägende Trainer und Mitspieler auf dem eigenen Berliner Weg.
Jungs, für euch alle ist es das erste Trainingslager bei den Profis. Wie sind eure bisherigen Eindrücke?
Grothe: Jede Minute ist perfekt organisiert! Das ist gerade für uns am Anfang hilfreich, durch diese Taktung wissen wir immer, was als nächstes ansteht und noch zu tun ist.
Diallo: Alles läuft extrem professionell ab. Auch das Hotel, das Gym, die Trainingsplätze – die Bedingungen sind schon krass.
Ndi: Und abends schläft man auf jeden Fall sehr gut (alle lachen).
Ihr durftet alle drei bereits seit Start der Vorbereitung bei den Profis mittrainieren, sodass sich eure Chance, mit nach Kitzbühel zu reisen, schnell abzeichnete. Hattet ihr ursprünglich andere Sommerpläne?
Diallo: In den vergangenen Jahren war ich im Sommer immer im Urlaub, das ging jetzt natürlich nicht – aber das hier ist besser!
Grothe: Ich habe meinen ursprünglich geplanten Urlaub auch abgesagt, aber für so eine Chance macht man das natürlich gerne.
Ndi: Ich war lange verletzt und habe nur auf dieses Comeback hingearbeitet – und dann wollte ich für alles offen sein, was kommt.
Wie erlebt ihr das Training hier in Österreich, gerade im Vergleich zu euren bisherigen Erfahrungen?
Ndi: Das ist kaum zu vergleichen und schon ein Riesenunterschied. Die Jungs sind alle fit, wir selber werden auch immer fitter, müssen und wollen gemeinsam Gas geben. Es fühlt sich gut an!
Grothe: Würde ich mich anschließen. Die Läufe sind viel anstrengender und umfangreicher und man merkt, wie man dadurch besser wird.
Diallo: Ich finde, es sind auch nicht nur die Läufe – sondern das gesamte Training. Es ist anstrengend, auch für den Kopf, und kaum noch mit Jugendfußball vergleichbar.
Grothe: Ja, einige Dinge sind am Anfang komplizierter. Wobei man schnell in die Abläufe reinkommt, wenn man die Übungen ein, zwei Mal gemacht hat.

Wo liegen bei der täglichen Arbeit bei den Profis die größten Unterschiede?
Diallo: Im Tempo und der Passqualität: Schärfe, Genauigkeit…
Grothe: … man muss wissen, was man als nächstes tun wird.
Ndi: In der Jugend waren die Leistungsunterschiede stellenweise größer. Hier ist alles sehr viel dichter beieinander. Alle sind Profis, alle waren in ihren Jugendmannschaften die besten.
Hohes Level bedeutet hohe Intensität: Wie schwer sind die Beine gerade?
Diallo: Gerade so kurz nach dem Training und den zwei Testspielen schon ein bisschen. Aber: Da geht noch was (grinst).
Du sprichst die Tests an – Jelani, du hast gegen die WSG Tirol ein sehenswertes Tor geschossen. Wie hat sich das angefühlt, nach dem Comeback in einem Profi-Testspiel zu knipsen?
Ndi: Sehr befreiend! Ich hatte vorher auch andere Aktionen, in denen ich schon hätte treffen können, aber es war in dem Moment ein sehr, sehr schönes Gefühl. Ich hoffe, ich kann noch weitere Tore folgen lassen!
Jerome, Mayson, wie erlebt ihr als Defensivspieler die Zweikämpfe in solchen Tests gegen einen österreichischen Erstligisten und einen afrikanischen Champions Leauge-Sieger?
Grothe: Viel härter! Die Gegenspieler auf dem Flügel sind wesentlich energischer und schneller wieder auf den Füßen. Auf den ersten Metern, beim Antritt, merkt man auch den Unterschied. Das ist schon eklig.
Diallo: In der Innenverteidigung ist es ähnlich. Ich finde, gerade wenn man gegen Vereine von anderen Kontinenten spielt, spürt man auch Unterschiede in der Genetik. Meine Gegenspieler waren stabil, groß und hatten auch spürbar schon ihre Erfahrungen gesammelt. Aber: Das ist eine gute Übung!
Gab es etwas, das euch hier vor Ort im Trainingslager überrascht hat?
Ndi: Das Level der Organisation insgesamt. Ich wusste, dass wir klare Abläufe und ein schönes Hotel haben werden, aber das ist echt beeindruckend.
Grothe: Die Zimmer sind schon extrem groß, das ist absolut perfekt.
Diese Räume teilt ihr euch dabei – Jelani, du bist mit jemand auf dem Zimmer, den du schon eine ganze Weile kennst…
Ndi: … ja, Bobo und ich sind sehr, sehr gute Freunde, spielen auch schon seit der U12 zusammen.
Jerome, Mayson, ihr teilt euch ein Zimmer – wie klappt das?
Grothe: Das passt (beide grinsen).
Diallo: Wir kennen uns ja auch schon eine Weile, spielen schon seit der U10 zusammen.

Wie verbringt ihr die wenige Freizeit zwischen den Einheiten, dem Essen, Spielen und Medienterminen?
Diallo: Mit Spielen: Werwolf, Imposter, und so weiter. Manchmal auch hier, in diesem Raum.
Wer ist dabei am besten?
Diallo: Ich!
Ndi: Nein (alle lachen). Jerome macht einen wahnsinnig…
Diallo: Wir verbringen unsere Freizeit auf jeden Fall meistens zusammen. Den freien Nachmittag am Mittwoch haben wir zum Beispiel auch genutzt, um zusammen in die Stadt und zu dem Tennisturnier dort zu gehen.
Wir wollen mit euch noch ein bisschen auf euren Weg hierherschauen. Jelani, du hast einen langen Weg zum Comeback hinter dir. Wie fühlt es sich an, jetzt sogar bei den Profis mitmischen zu dürfen?
Ndi: So ganz habe ich es noch nicht realisiert. Es war eine sehr lange Leidenszeit, umso froher bin ich, zurück zu sein. Dann direkt bei den Profis einzusteigen, ist auch alles andere als selbstverständlich. Ich freue mich, dass mein Körper es mitmacht und ich so gut mithalten kann.
Welche Trainer haben euch auf eurem bisherigen fußballerischen Weg besonders geprägt? Und warum?
Diallo: Es gab viele gute, aber Kostas Kotsifakis, Ante Čović und Tunay Torun als Co-Trainer muss ich hervorheben. Kostas war ein sehr intelligenter Trainer, der uns individuell sehr weitergeholfen hat. Ante und Tunay konnten ihre eigenen Erfahrungen sehr gut weitergeben.
Grothe: Bei den dreien würde ich mich anschließen. Ich muss außerdem Patrick Lehmpuhl erwähnen, den ich schon seit elf Jahren kenne und der mich auch schon bei anderen Vereinen trainiert hat. Er hat mir sehr geholfen, gerade, als es darum ging, mit Druck umzugehen.
Ndi: Mir fällt es schwer, ich würde am liebsten alle nennen. Das ging schon bei Tennis Borussia los, wo ich bis zur U11 gespielt habe und wo die Trainer mir sehr bei meinen Entwicklungsschritten geholfen haben. Und bei Hertha hatte ich dann sowieso in jedem Jahrgang gute Trainer, habe von jedem wichtige Dinge mitgenommen.
Wie erlebt ihr nun die Arbeit mit Stefan Leitl und seinem Trainerteam?
Grothe: Alles ist insgesamt umfangreicher geworden. Der Staff ist größer, jeder und jede kennt sich in seinem Bereich aus, gibt gute Tipps und Hinweise und hilft uns so, uns zu verbessern.
Ndi: Es sind super Trainer, die einem wirklich weiterhelfen und auf jedes Detail achten. Und das ist wichtig, denn diese Details können im Profifußball Spiele entscheiden! Man hat hier definitiv gute Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln.

Gibt es Mitspieler, die euch dabei ebenfalls besonders gut unterstützen und Vorbilder sind?
Grothe: Man hält sich natürlich an Leute, die schon länger hier sind oder schon viel Erfahrung gesammelt haben. Segu (Paul Seguin, Anm. d. Red.) zum Beispiel! Er hilft uns sehr gut, spricht oft mit mir und gibt Hinweise, was man verbessern kann.
Diallo: Josip Brekalo ist auch ein sehr erfahrener Spieler und hat schon eine krasse Karriere gehabt bisher. Er nimmt sich immer wieder Zeit, um mit einem zu sprechen.
Ndi: Ich muss auch Josip nennen, wir haben ja auch die gleiche Position. Und Matte Winkler, der mir auch viele Tipps gibt. Generell sprechen einen aber alle an, wenn ihnen etwas auffällt, das finde ich gut.
Abschließend: Was sind eure persönlichen Ziele für die neue Saison?
Diallo: Ich möchte mein Profidebüt geben und ein fester Bestandteil des Profikaders von Hertha BSC werden! Und ich möchte Teil der Nationalmannschaft bleiben.
Grothe: Wir haben alle ähnliche Ziele, glaube ich (grinst). Generell möchte ich zu jeder Zeit mein Bestes geben und mich dann immer gut an meine Situation anpassen – je nachdem, wie es läuft.
Ndi: An allererster Stelle steht für mich, jetzt gesund zu bleiben! Und wenn das gelingt, möchte ich dem Team mit so vielen Toren und Vorlagen wie nur möglich weiterhelfen.
Was bedeutet es für euch, für Hertha BSC zu spielen?
Diallo: Es ist als Berliner, als Charlottenburger etwas sehr Schönes und Krasses. Für mich ist und bleibt es der größte Verein in Berlin.
Grothe: Ich bin sehr froh hier zu sein, ich bin sehr froh, für diesen Verein spielen zu dürfen und werde mein Bestes für ihn geben!
Ndi: Da kann ich mich nur anschließen. Es ist einfach eine große Ehre, für den coolsten Verein der Stadt zu spielen.