Grafik: Dieser Moment als ich Herthaner wurde von Daniel ,Gojko' Meier.
Fans | 30. August 2026 um 11:00 Uhr

Dieser Moment, als ich Herthaner wurde

War es der erste Schal, den eure Eltern euch auf dem Weg zum Spiel gekauft haben? War es der erste durchs Olympiastadion hallende Hertha-Fangesang, der euch nachhaltig beeindruckt hat? Oder doch die Kunststücke einzelner Blau-Weißer auf dem grünen Rasen – von Ete Beer über Marcelinho bis hin zu Marko Pantelić? Jede Herthanerin und jeder Herthaner hat einen eigenen Weg in unsere blau-weiße Familie. Gemeinsam mit der Sparda-Bank Berlin sucht unser Hauptstadtclub genau diese Geschichten – diesen Moment, als ihr Herthaner geworden seid.

Aus Paderborn über Hip-Hop in die Hauptstadt

Berlin in den 2000er-Jahren: Hip-Hop-Interpreten von Musiklabels wie Aggro Berlin und Royal Bunker oder aus Kollektiven wie Westberlin Maskulin prägen die Szene und füllen die Hallen der Stadt. Berlin wird zum Zentrum einer Musikbewegung – und erreicht Jugendliche in ganz Deutschland. So auch Daniel aus Paderborn. Er ist Anfang zwanzig, macht zu dieser Zeit selbst Musik und kommt regelmäßig für Auftritte seiner Lieblings-Hip-Hop-Künstler wie Kool Savas, Prinz Pi, Die Atzen oder Harris nach Berlin. Und dann ist da noch der Fußball – die andere große Leidenschaft des damals jugendlichen Ostwestfalen. Der gebürtige Krefelder interessiert sich von klein auf für das runde Leder. Immer wieder gibt es Mannschaften, die er über einen gewissen Zeitraum gerne verfolgt. Doch diesen einen Verein, der ihn wirklich packt, kann er in seiner Heimat einfach nicht finden. Bei Daniels Besuchen in der Hauptstadt wird er dann fündiger. Künstler wie Harris oder Die Atzen, die sich in ihren Texten zu unserer Alten Dame bekennen, lenken seinen Blick auf unseren Verein. „Die Verbindung zwischen Hip-Hop und Fußball gab es für mich bei keinem anderen Verein so authentisch wie bei Hertha“, beschreibt der gelernte Sicherheitsdienstler heute diese Zeit. Der Lifestyle zwischen Hip-Hop und einem Verein mit einer so eindrucksvollen Fankultur, mit der Daniel sich sofort identifizieren kann, begeistert ihn und prägt sein Leben von da an.

Sein erstes Hertha-Spiel im Stadion besucht der Paderborner 2008 auswärts im Westfalenstadion. Beim 1:1 gegen den BVB erlebt er die Alte Dame erstmals live vor Ort. Die Saison fesselt ihn endgültig an unseren blau-weißen Verein: Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre spielt mit Akteuren wie Marko Pantelić und Andrij Voronin lange um die Meisterschaft mit und verwandelt den Ostwestfalen in einen waschechten Herthaner. Daniel kauft sich in dieser Zeit ein Trikot von einem seiner absoluten Lieblingsspieler: Mittelfeldakteur Gojko Kačar. Eine Wahl, die für ihn noch folgenreich sein sollte.

Das Trikot von Gojko Kačar mit der Nummer 44, das sich Daniel damals gekauft hat.

Die Geburt eines Spitznamens

Das Trikot mit der Nummer 44 trägt Daniel auch, als er einen engen Freund kennenlernt. Dieser, selbst serbischer Herkunft, spricht Daniel kurzerhand als ,Gojko‘ an. In Daniels Bekanntenkreis gibt es bereits einige Menschen mit seinem bürgerlichen Vornamen, sodass der spontane Spitzname seines Freundes schnell hängen bleibt und sich bis heute hält. Selbst für Freunde und Bekannte, die mit Fußball nichts anfangen können und weder Kačar noch den Ursprung des Spitznamens kennen, ist der heute 41-Jährige einfach nur ,Gojko‘.

Exilherthaner in Ostwestfalen

Auch in seiner ostwestfälischen Heimat lebt der Vater einer 19-jährigen Tochter seine Leidenschaft für Hertha offen aus. In seinem Umfeld gibt es zahlreiche Fans anderer Vereine, zwischen denen der Ostwestfale seine blau-weiße Verbundenheit ganz offen nach außen trägt. Regelmäßig läuft er im Hertha-Trikot durch seine Heimatstadt und kommt dadurch schnell mit anderen Fußballfans ins Gespräch. Gerade weil die Duelle mit dem SC Paderborn in den vergangenen Jahren häufiger auf dem Programm standen, ergeben sich immer wieder Begegnungen und Gespräche rund um die Alte Dame. Dabei berichtet Daniel stets von positive Erfahrungen: „Es ist immer sehr sympathisch, und die Leute sind begeistert davon, welchen Stellenwert Hertha in meinem Leben hat“, erzählt er. Doch das Leben als Herthaner im Fan-Exil bringt auch schwierige Momente mit sich. Als ihn Bekannte in diesem Sommer fragten, ob er gemeinsam mit ihnen den Aufstieg des SC Paderborn feiern wolle, musste „Gojko“ eine klare Kante zeigen und entschieden ablehnen. Ganz allein ist er mit seiner Leidenschaft in Ostwestfalen aber nicht. In Bielefeld hat Daniel einen Freud- und Leidensgenossen gefunden, der seine Liebe zu Hertha teilt. Gemeinsam fahren sie regelmäßig zu Heim- und Auswärtsspielen und können über unsere Alte Dame fachsimpeln.

Was einmal mit Konzertbesuchen begann, bleibt bis heute über den Fußball fest im Leben des Paderborners verankert – der Ruf aus der Hauptstadt.

von Helio Heiser