
„Ich habe Lust, die Reise anzugehen“
Obwohl Farid Alfa-Ruprecht gerade einmal 20 Jahre alt ist, hat unser Neuzugang schon einiges im Fußball erlebt. Der Flügelflitzer, der von Bayer 04 Leverkusen leihweise für eine Saison zur Alten Dame kommt, trainierte schon unter Pep Guardiola, kennt gleichzeitig aber auch die 2. Bundesliga bestens. Im Gespräch mit Redakteur Erik Schmidt erzählte unsere Nummer 20 von einem Austausch mit Ibrahim Maza, Erinnerungen an das Olympiastadion und dem eigenen Spielstil.
Farid, willkommen bei Hertha BSC! Die erste Einheit liegt hinter dir. Wie war es, zusammen mit deinen neuen Teamkollegen auf dem Rasen zu stehen?
Alfa-Ruprecht: Sehr cool! Die Jungs machen einen top Eindruck. Sie haben mich direkt gut aufgenommen. Ich habe Lust, die Reise anzugehen.

Was löst es in dir aus, hier zu sein? Was sind deine Ziele?
Alfa-Ruprecht: Es bedeutet mir sehr viel. Hertha ist ein großer Club. Ich habe auch schon mitbekommen, was die Fans für eine Stimmung machen können. Deswegen freue ich mich extrem auf die Spiele – vor allem natürlich zu Hause im Olympiastadion. Dabei will ich der Mannschaft so gut wie möglich mit Toren und Assists helfen.
Welche Gründe haben für dich den Ausschlag gegeben, zu unserer Alten Dame zu wechseln?
Alfa-Ruprecht: Die Verantwortlichen haben mir ein sehr, sehr gutes Gefühl gegeben. Sie haben mir erklärt, was sie mit mir vorhaben. Dabei haben wir festgestellt, dass wir auf einer Wellenlänge liegen. Das hat mich sehr gefreut. Danach war für mich schnell klar, dass ich zu Hertha will. Ich habe auch mit Ibo Maza ein bisschen über den Verein und die Stadt gequatscht. Er hat mir viel Positives erzählt und gemeint, dass es mir sehr gefallen wird.
Du hast unsere Fans schon angesprochen. In der Saison 2025/26 warst du als Gegner im weiten Rund und durftest für den VfL Bochum knapp 70 Minuten ran. Welche Erinnerungen hast du an dieses Spiel?
Alfa-Ruprecht: Man hat schon bei der Anreise gemerkt, welche Aura das Stadion hat (grinst). Das hat sich auch nicht geändert, als wir bei Flutlicht aufgelaufen sind. Ein sehr cooles Erlebnis! Ich kann es kaum erwarten, nun ein Teil davon zu sein.
Die vergangene Spielzeit war deine erste richtige im Erwachsenenbereich. Welche wichtigen Erfahrungen konntest du in der 2. Bundesliga sammeln?
Alfa-Ruprecht: Ich war zufrieden mit meiner ersten Profisaison und habe sie sehr genossen. Es war natürlich etwas anderes als U21-Fußball in der Premier League 2. Auf dem Platz geht es sehr körperlich und schnell zur Sache. Man muss zu jeder Zeit wach und da sein. Ich bin zum Ende auch immer mehr reingekommen – in die Mannschaft und in die Liga. Es hat sich dann viel besser angefühlt. Daran will ich anknüpfen.

Du bist in Hamburger Fußballkäfigen groß geworden. Auch Berlin steht für die Bolzplatzmentalität. Wieso passt du darüber hinaus zu Hertha BSC?
Alfa-Ruprecht: Ich glaube einfach, dass es mit Hertha und mir ein gutes Match ist. Der Spielstil der Mannschaft passt perfekt zu mir. Tatsächlich bin ich ein Straßenfußballer, der gerne versucht, Lösungen in engen Räumen zu finden. Ich mag es, den Ball am Fuß zu haben, ins Dribbling zu gehen und suche auch viel mit Skills und Wucht das Eins-gegen-eins. Darüber hinaus kann ich auch recht schnell laufen, wenn sich der Platz bietet (lacht). Dabei fühle ich mich sowohl rechts als auch links wohl. Wo auch immer der Trainer mich aufstellt, bin ich happy.
Mit 36,42 km/h hast du in der Vorsaison einen Speedrekord in der 2. Bundesliga aufgestellt. Wie viele Extraschichten sind nötig, um solche Geschwindigkeiten zu erreichen und wie sehr freust du dich schon auf den internen Vergleich mit Seun Adewumi, der in Belgien sogar 37,9 km/h gelaufen ist?
Alfa-Ruprecht: Ich war schon von klein auf immer einer der schnellsten. Es liegt einfach in meinen Genen. Ich bin glücklich, über solch eine Waffe zu verfügen und versuche, sie so gut wie möglich einzusetzen. Natürlich macht es mir auch Spaß, mich mit anderen zu messen. Wir werden im Training bestimmt das eine oder andere Mal gegeneinander antreten. In England bin ich tatsächlich auch schon 37,6 km/h gelaufen… (lächelt)
Apropos England: Im Alter von 16 Jahren hast du den Schritt aus Hamburg nach Manchester gewagt. Wie blickst du auf diesen Wechsel zurück?
Alfa-Ruprecht: Ich bin nach wie vor sehr glücklich, dass ich diesen Schritt gemacht habe. Die Zeit hat mich sehr geprägt, vorangebracht und meinen Blick auf den Fußball enorm erweitert.

Du hast sowohl mit der U18 als auch mit der U21 von City einige Titel gesammelt, dazu zahlreiche Tore und Vorlagen beigetragen sowie unter Pep Guardiola trainiert. Welche Höhepunkte dieser Zeit würdest du selbst herausheben?
Alfa-Ruprecht: Es war schon sehr krass, unter Pep zu trainieren – allein, ihn Tag für Tag zu erleben und zu sehen, wie er mit seinen Spielern umgeht. Das größte Highlight für mich war aber, als ich gegen Tottenham im Carabao Cup auf der Bank saß. Wir haben zwar leider verloren, dennoch war das sehr geil (strahlt). Während dieser Zeit habe ich versucht, mir vor allem von Jérémy Doku etwas abzuschauen. Er war im Training sehr auffällig – mit seinen Tempowechseln oder wie er immer ins Eins-gegen-eins gegangen ist. Diesen Optimismus möchte ich auch in mein Spiel implementieren.
Kommen wir zur Gegenwart: Während die 2. Bundesliga schon gestartet ist, kommst du aus der laufenden Vorbereitung mit Leverkusen. Wie intensiv waren die vergangenen Wochen für dich?
Alfa-Ruprecht: Die Vorbereitungen sind immer intensiv und anstrengend. Egal, wo man ist. Aber da muss man durch, damit man für die Saison gut vorbereitet ist. Das lief auch in Leverkusen sehr gut, ich bin fit.
Abgesehen von den beiden Partien in der zurückliegenden Spielzeit: Welche Berührungspunkte hattest du schon mit Hertha BSC und unserer Hauptstadt?
Alfa-Ruprecht: Ich war mit Pascal Klemens bei der U20-Nationalmannschaft und kenne auch Bobo Mamuzah Lum etwas. In der Stadt war ich zwar schon öfter, aber meist nur zum Fußball. Deswegen kenne ich sie noch nicht richtig. Ich habe viel Gutes von Berlin gehört und bin gespannt, mehr kennenzulernen. Meine Frau wird mich dabei begleiten.
Zum Abschluss: Wie nennen dich deine Freunde und Teamkollegen?
Alfa-Ruprecht: Ich habe eigentlich keinen Spitznamen. In England wurde ich ‚Faz‘ genannt, aber in Deutschland passt auch einfach ‚Farid‘ (grinst).