Mads Pedersen in der Traumfabrik.
Profis | 24. August 2026 um 18:00 Uhr

„Jetzt war das richtige Timing“

Zu seinem ersten Interview als Herthaner wird Mads Pedersen von seiner Frau und seiner kleinen Tochter begleitet. Unser neuer Linksverteidiger platziert den Kinderwagen mit seiner Partnerin umsichtig in der Traumfabrik, ehe er sich dem ausführlichen Gespräch widmet. Im Austausch mit Redakteur Konstantin Keller spricht der Däne über seinen Wechsel an die Spree, erste Eindrücke vom Team, alte Bekannte und für ihn wichtige Werte.

Mads, willkommen in Berlin, willkommen bei Hertha! Kannst du uns zum Einstieg verraten, was dir durch den Kopf ging, als du von der Möglichkeit zum Wechsel zu unseren Blau-Weißen erfahren hast?
Pedersen: Danke! Das Interesse war schon für längere Zeit da, wir hatten bereits in der Vergangenheit mehrfach gesprochen. Jetzt war es einfach das richtige Timing. Ich freue mich sehr, dass so ein riesengroßer Verein so ein Interesse an mir gezeigt hat. Deshalb war für mich keine Frage, dass ich das machen möchte, als zwischen den Clubs alles geklärt war. Meine Frau und ich sind schnell hergekommen und jetzt hat es zum Glück geklappt!

Was waren die wichtigsten Gründe für deine Unterschrift?
Pedersen: Ich stand in den vergangenen zwei, drei Jahren verletzungsbedingt nicht so viel auf dem Platz und habe einfach Bock, Fußball zu spielen! Als das Interesse konkreter wurde, habe ich Herthas Spiele natürlich noch aufmerksamer verfolgt, gegen Heidenheim waren wir dann auch erstmals zusammen im Olympiastadion und haben die Stimmung hier gespürt. Außerdem war das 4:1 auch einfach ein geiles Spiel, die Mannschaft hat stark gespielt und es war zu spüren, wieviel Bock sie auf Fußball hat. Alle geben Gas für den Verein. Ich habe mich auch umgehört und immer wieder das gleiche gesagt bekommen: Dass es eine sehr gute Mannschaft ist – in der Kabine und auf dem Platz. Alle spielen füreinander, das ist wichtig für mich. Deswegen war die Entscheidung leicht.

Neuzugang Mads Pedersen im Interview.

Was hast du dir mit Hertha vorgenommen? Was sind deine Ziele mit dem Club?
Pedersen: Ich muss nicht über die erste oder die zweite Bundesliga oder Geld reden, für meine Familie und mich ist jetzt das erste Ziel, wieder den Spaß am Spiel zurückzugewinnen. Im ersten Training habe ich direkt die Intensität gemerkt und den Spaß, den die bringt. Was Ziele angeht: Ich will gar nicht so weit vorausblicken, habe von der Mannschaft und dem Trainer auch schon gehört, dass wir lieber von Woche zu Woche, von Spiel zu Spiel schauen. Das passt gut zu mir und meinen Zielen: Ich will jeden Tag auf dem Platz stehen und der Mannschaft mit meinen Erfahrungen so gut wie möglich helfen. Ich möchte Verantwortung übernehmen und freue mich jetzt schon wieder darauf, mit den Jungs auf den Platz zu gehen.

Wie würdest du dich unseren Fans als Spielertyp selbst beschreiben?
Pedersen: Über die Jahre haben mich andere immer wieder als aggressiven Spieler beschrieben, kleiner Terrier habe ich oft gehört (lacht). Sehr offensiv, ich laufe viel, gehe die Seite rauf und runter, mag Kombinationsspiel und freue mich auch schon darauf, mit Josip Brekalo zusammenzuspielen – ein Topfußballer! Ich komme aus der Schule des FC Nordsjælland, wir zocken alle einfach gerne.

Du wirst unser dritter Däne! In Sebastian Grønning und Gustav Christensen stehen zwei Landsleute von dir bereits im Kader. Kennst du die Jungs schon?
Pedersen: Gustav ist ein bisschen zu jung dafür, Sebastian und ich kennen uns schon ein bisschen, haben in den U-Mannschaften gegeneinander gespielt. In den vergangenen Jahren hatten wir keinen Kontakt, aber wir sind ein kleines Land, so viele Dänen gibt es nicht (schmunzelt). Ich habe ihm deshalb vorher ein paar Fragen über den Verein gestellt und er hat mir nur Positives berichtet. Gespielt habe ich gegen ihn zuletzt in Testspielen, als er in Ingolstadt war – er ist eine Maschine. Dabei habe ich gelernt, dass er auch ein großer Kaffeefan ist. Damit haben wir neben dem Fußball noch einige weitere Themen, über die wir länger reden können.

Mads Pedersen in der Traumfabrik.

Gibt es sonst Mitspieler, denen du bereits begegnet bist? Hast du neben Seba noch weitere Kollegen über unsere Alte Dame befragt?
Pedersen: Gegen Paul Seguin und Josip Brekalo habe ich schon einige Spiele gemacht, sonst kannte ich aber noch niemanden im Team. Aber in Augsburg habe ich natürlich den guten Arne Maier gesprochen, der nur Gutes über Hertha gesagt hat! Man merkt, dass es sein Herzensverein ist. Mit Marius Wolf habe ich mich auch kurz ausgetauscht. Alle waren der gleichen Meinung: Großer Verein, geile Stadt, man kann dort gut arbeiten und leben. Ich freue mich auch deshalb total, diesen Schritt jetzt zu machen!

Du hast bereits erstmals mit der Mannschaft trainiert. Wie sind deine Eindrücke vom Team?
Pedersen: Super! Es war ein geiles Training mit guter Intensität nur zwei Tage nach dem Spiel. Natürlich deshalb auch ein bisschen aufgeteilt, die Jungs, die viel gespielt haben, haben nach dem Warmup Läufe gemacht, wir haben Sechs-gegen-Sechs gespielt, dabei hat man den Spaß gespürt, trotzdem war die nötige Intensität da. So kann es weitergehen.

Du hast – abgesehen von einer halbjährigen Leihe nach Zürich im Jahr 2020 – in deiner gesamten Profikarriere bisher für zwei Vereine gespielt. Den FCA – und den FC Nordsjælland, wo du zum Profi geworden bist. Wie wichtig sind dir Kontinuität und Loyalität?
Pedersen: Beides hat einen großen Stellenwert für mich, auch außerhalb des Fußballs. Ich habe einen engen Zirkel von Menschen um mich herum. Es ist sehr schwer, in den hineinzukommen, aber die Leute bleiben dann für immer, für die gehe ich durchs Feuer. Im Sport ist es natürlich ein komisches Gefühl, einen Verein nach sieben Jahren zu verlassen. Aber es ist der richtige Moment und ich freue mich jetzt auf ein neues Kapitel. Das gehört zum Leben dazu, auch wenn es diesmal mit der Familie natürlich noch einmal etwas anderes ist, meine neun Monate alte Tochter und meine Frau müssen schließlich mit mir umziehen. Mit 22 aus Dänemark alleine nach Deutschland zu kommen, war etwas anderes. Die beiden müssen genauso bereit für diesen Schritt sein und ich habe ihre volle Unterstützung, auch, wenn die Kleine noch nicht so viel sagt (lächelt).

Neuzugang Mads Pedersen im Interview.

Jetzt wartet eine neue Aufgabe – und eine neue Stadt: Was verbindest du mit Berlin? Kennst du die Hauptstadt bereits?
Pedersen: Noch nicht so gut, das letzte Mal war ich in der siebten Klasse hier! Aber alle, die ich gefragt habe, haben mir gesagt, wie toll es hier ist. Marcus Ingvartsen kenne ich schon ewig, war auch sein Trauzeuge – er hat mir viel erzählt, gerade aus dänischer Sicht, Kopenhagen ist natürlich ein bisschen heimeliger. Berlin ist total groß und wirkt wie eine krasse Stadt, ich bin sehr gespannt.

Hast du einen Spitznamen? Wie nennen dich deine Teamkollegen üblicherweise?
Pedersen: In Dänemark bin ich früher mal Mini gerufen worden. Als ich jünger war, standen sechs Spieler im Team, die alle Mads hießen, ich war der kleinste – daher kam das. Ich hatte es früher sogar mal auf dem Trikot. Aber seit ich in Deutschland bin, bin ich einfach Mads, das ist mir auch am liebsten.

Und wenn du mal nicht auf dem Rasen stehst – wie verbringst du dann deine Freizeit am liebsten?
Pedersen: Mit meiner Frau und meinem Kind! Ansonsten spiele ich auch gerne mal Golf, ein Handicap habe ich nicht, da ich kein Mitglied in einem Club bin. Neben dem Platz interessiere ich mich für Investments, zum Beispiel im Immobilienbereich. Und wie erwähnt: Wenn dann noch Zeit ist, trinken meine Frau und ich sehr gerne Kaffee! So gibt es immer etwas zu tun – ich bin nicht gut darin, einfach rumzusitzen (lacht).

von Konstantin Keller