
„Wir haben bewiesen, dass wir überraschen können“
Rückhalt und Routine – Inga Lux hütet seit inzwischen mehr als einem Jahr verlässlich den Kasten unserer 1. Frauen. Die 29-Jährige erlebte in ihrer bisherigen Laufbahn schon so einiges. Und trotzdem eilt die Torhüterin mit unserem Hauptstadtclub momentan von einem weiteren Highlight zum nächsten. Mit Redakteur Erik Schmidt sprach die Nummer 1 über ihre Anfänge, über eine längere Auszeit vom Fußball, über den aktuellen Lauf unserer Herthanerinnen und natürlich auch über das anstehende Duell mit dem 1. FC Köln am Samstag (26.09.26, 14:00 Uhr, Tickets hier) im DFB-Pokal.
Inga, seit wenigen Monaten heißt du nicht mehr Buchholz, sondern Lux. Was gefällt dir an deinem neuen Nachnamen am besten?
Lux: Ich mag ihn generell ganz gerne und vermisse den alten auch nicht. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, ich musste mich nicht überreden lassen. Er ist auf jeden Fall schön kurz (lacht). Ich habe tatsächlich eine Menge positive Resonanz bekommen. Viele Leute haben mich darauf angesprochen und gemeint, dass es ein sehr cooler Nachname ist. Deswegen bin ich ganz happy.
Welche kreativen Wortspiele hast du denn schon so zu hören bekommen?
Lux: Eigentlich nur Luchs direkt. Aber das ist ja die falsche Schreibweise. Deswegen muss ich das dann immer korrigieren: Lux mit x wie Luxus (grinst).
Neben deiner Hochzeit hielten die vergangenen Monate auch einige sportliche Highlights parat. Wie fällt dein Resümee zum zurückliegenden Sommer aus?
Lux: Es ist einfach super viel passiert. Die Saison zog sich irgendwie und dann kam am Ende ein Highlight nach dem nächsten – sowohl sportlich als auch privat. In einem relativ kurzen Zeitraum sind wir Meister geworden, waren in Saarbrücken, sind aufgestiegen, danach habe ich geheiratet, bin im Urlaub gewesen und zwei Wochen später standen wir alle schon wieder auf dem Trainingsplatz. Das war schon sehr intensiv und hat sich eher nach einem spielfreien Wochenende angefühlt.

Du bist zur Saison 2025/26 nach einer mehrmonatigen Pause zu unserem Hauptstadtclub gekommen – mit welchen Erwartungen und Hoffnungen?
Lux: Ich wollte eigentlich nur wieder Fußball spielen – das hat hier gut gepasst und war ausschlaggebend für mich. Natürlich war mir bewusst, dass wir oben mitspielen können. Aber die Meisterschaft und der Aufstieg waren trotzdem vor allem schöne Zugaben. Grundsätzlich hatte ich einfach Lust, wieder Teil einer Mannschaft zu sein, ein Teamgefüge um mich herum zu haben, gemeinsam zu trainieren und Zeit zu verbringen – darauf ist es mir angekommen.
Wie blickst du auf deine persönliche Auszeit zuvor zurück?
Lux: Ich war die gesamte Rückrunde der Saison 2024/25 raus und hatte in dem Sinne eine schöne lange Winterpause (grinst). Zuvor hatte ich mich entschlossen, bei Viktoria aufzuhören. Dann musste ich mir überlegen, wie es weitergehen soll. Dafür habe ich mir etwas Zeit genommen. In der fußballfreien Phase habe ich gesehen, was man noch alles machen kann. Ich habe viele andere Sportarten ausprobiert, bin einen Halbmarathon gelaufen und habe mir andere Projekte gesucht. Das war alles sehr schön. Trotzdem habe ich mich dazu entschieden, wieder zu spielen – ganz bewusst und nicht aus irgendeinem Trott heraus. Hertha war dafür genau der richtige Verein. Im Prinzip wusste ich die ganze Zeit, dass ich definitiv nicht gänzlich mit dem Fußball aufhören will. Ein Karriereende war nie ein Thema, genauso wie anfangs ein Wechsel zu Hertha. Das hat sich dann erst entwickelt. Ich habe während der Auszeit festgestellt, dass man so etwas wie im Fußball sonst nicht so leicht findet. Dass man sich als Gruppe unterstützt und gemeinsam auf ein Ziel hinarbeitet. Das hat mir schon gefehlt.
Inzwischen bist du zurück in der 2. Frauen-Bundesliga. Ihr habt als Team von den ersten sieben Spielen beeindruckende sechs gewonnen. Was ist das Erfolgsgeheimnis dafür, dass euer Lauf auch eine Spielklasse höher anhält?
Lux: Wir machen einfach so weiter, wie wir aufgehört haben. Es gab ja auch wenig Veränderungen. Ein paar Zugänge, ein paar Abgänge – aber im Großen und Ganzen ist die Mannschaft zusammengeblieben. Kein anderer Trainer, keine andere Spielidee. So war es für die wenigen Neuen leicht, sich in das bestehende Konstrukt einzufinden. Außerdem haben wir uns in der vergangenen Saison dank der Testspiele gegen Jungs oder auch höherklassige Mannschaften schon an ein stärkeres Niveau herangetastet. So hat die 2. Bundesliga nun auch keinen Schock für uns dargestellt.

Du zählst zu den älteren Spielerinnen im Kader. Inwiefern lässt du deine Teamkolleginnen an deinen Erfahrungen teilhaben?
Lux: Das passiert im Prinzip ganz automatisch. Ich bin niemand, der sich hinstellt und irgendwelche Ansagen macht. Das finde ich auch nicht gerechtfertigt, weil wir alle erwachsen sind und schon lange Fußball spielen. Aber ich glaube, man beobachtet sich trotzdem immer gegenseitig und die jüngeren Mädels sehen dann, wie Spielerinnen, die vielleicht schon länger dabei sind, mit bestimmten Situationen umgehen. Ansonsten kann man anderen auch immer in Gesprächen, die man so nebenbei führt, etwas mitgeben. Grundsätzlich finde ich einen Mix aus älteren und jüngeren Spielerinnen sehr gut.
Und wie ist das während des laufenden Spiels, wenn du im Tor stehst – wie kannst du da Einfluss nehmen?
Lux: Als Torhüterin habe ich natürlich einen guten Blick auf das gesamte Spielfeld, kann viel beobachten und entsprechenden Input geben. Deswegen versuche ich immer – speziell die Kette vor mir – zu coachen. Was ich bei uns sehr beeindruckend finde: Dinge, die wir auf dem Feld kommunizieren, werden immer direkt umgesetzt. Das kenne ich aus anderen Mannschaften nicht unbedingt so. Es funktioniert sehr gut, wie wir einander vertrauen.
Lass uns doch einmal etwas zurückblicken. Bereits 2013 hast du deine Premiere im Erwachsenenfußball gegeben. Was fällt dir als erstes ein, wenn du an die Anfänge deiner Laufbahn in Havelse zurückdenkst?
Lux: Das ist schon so lange her (lacht). Wir hatten damals auf jeden Fall eine richtig gute Mannschaft. Und diese hat mir einen super Einstieg auf einem relativ hohen Niveau im Frauenbereich ermöglicht. Ich konnte total viel lernen und mitnehmen, weil ich einfach reichlich Einsatzzeit bekommen habe – mit 16 Jahren direkt in der Regionalliga. Das hat dann irgendwie auch meinen Weg geebnet.
Wie hat sich der Frauenfußball seitdem entwickelt?
Lux: Extrem. Wir haben damals in Havelse auf irgendeinem hinteren Platz in fragwürdigem Zustand gespielt – und das als gutes Regionalliga-Team. Es kamen vielleicht 15 Leute zum Zuschauen, das waren dann größtenteils auch noch die Eltern der Spielerinnen. Das sieht mittlerweile natürlich ganz anders aus. Es wird überall Werbung gemacht, das Interesse ist viel größer und die Leute haben richtig Bock.
Und wie sehr hast du dich selbst in dieser Zeit verändert?
Lux: Ich würde sagen, dass ich meinem Spielcharakter treu geblieben bin. Als Torhüterin bin ich schon immer relativ ruhig gewesen auf dem Platz. Trotzdem habe ich natürlich inzwischen auch ein bisschen Erfahrung gesammelt und kann dadurch noch gelassener mit bestimmten Situationen umgehen – sei es auf dem Platz, sei es neben dem Platz.
Die Erfahrung hilft dir mit Sicherheit auch im Alltag. Zusätzlich zum Zweitligafußball und zahlreichen Trainingseinheiten arbeitest du nämlich als Ärztin. Wie gelingt dir diese Doppelbelastung?
Lux: Ich bin da so ein bisschen reingewachsen, habe das nie hinterfragt oder mich bewusst dafür entschieden – das hat sich alles so ergeben. Nach meinem Abi habe ich mit dem Studium angefangen. Irgendwann war ich damit fertig, dann musste ich eben arbeiten und der Fußball lief nebenbei weiter. Ein Geheimnis habe ich dafür nicht (grinst). Ich kenne es nicht anders. Das Ganze funktioniert aber natürlich nur mit der Unterstützung von außen, alleine hätte ich das nicht hinbekommen.

Kommen wir zurück zum sportlichen Tagesgeschäft. Am Wochenende steht ein weiteres Highlight auf dem Programm: Ihr empfangt im DFB-Pokal den 1. FC Köln, also einen Erstligisten. Wie groß ist die Vorfreude auf dieses Duell?
Lux: Aktuell jagt immer noch ein Highlight das nächste. Denn gefühlt ist auch jedes Ligaspiel eins, weil wir permanent auf neue Gegner treffen. Diese Partie im DFB-Pokal haben wir uns einfach erarbeitet. Deswegen ist die Vorfreude schon sehr groß und von der Erwartungshaltung her irgendwie auch alles möglich. Wir haben jedenfalls schon bewiesen, dass wir andere Teams überraschen und ihnen ein Bein stellen können.
Als Torhüterin stehst du gegen den höherklassigen Favoriten möglicherweise vermehrt im Fokus. Wie bereitest du dich auf eine solche Begegnung vor?
Lux: Wir werden natürlich analysieren, welche Stärken oder Muster es beim Gegner gibt. Aber grundsätzlich ist die Vorbereitung keine komplett andere, nur weil Köln eine Liga höher spielt. Ich denke, dass wir trotzdem bei unserem Plan bleiben und höchstens kleine Anpassungen vornehmen werden. Alles andere wäre nicht der richtige Weg.
Du hast bereits zahlreiche Einsätze in diesem Wettbewerb absolviert. Welches Aufeinandertreffen ist dir besonders in Erinnerung geblieben und warum?
Lux: Das Viertelfinale in der Saison 2015/16 mit Lübars gegen den SC Freiburg. Wir haben erst ganz spät den entscheidenden Gegentreffer bekommen. Das hat trotzdem richtig Spaß gemacht, war im Mommsenstadion und auch so ein besonderes Highlight vor einer größeren Kulisse.
Was macht für dich denn den besonderen Reiz des DFB-Pokals aus?
Lux: Man trifft einfach auf Mannschaften, gegen die man sonst nicht spielt. Außerdem sind es immer irgendwie Bonusspiele. Das ist etwas anderes als ein Testspiel. Im Pokal kann man einfach andere Kräfte aufwenden, weil man weiß, dass es nur diese eine Möglichkeit gibt. Vielleicht würden wir in neun von zehn Spielen verlieren, aber eins können wir gewinnen und wenn dieses eine Spiel jetzt am Samstag ist, dann sind wir eine Runde weiter!
Abschließend: Welche Ziele habt ihr als Team für die kommenden Wochen und Monate im Blick?
Lux: Wir wollen natürlich im Flow bleiben und so weitermachen – mit unserem Charakter und unserer Diszipliniertheit. Denn so sind wir nicht so leicht zu stoppen. Aber natürlich gewinnt sich keine Partie von selbst. Deswegen müssen wir uns und unser Spiel immer auch weiterentwickeln. Und dann kommen mit Sicherheit weitere Punkte und Siege hinzu.