Rebekka Kroenert am Spielfeldrand mit einer Hertha Fahne mit der Aufschrift 25 Jahre Mitgliedschaft.
Fans | 4. Oktober 2026 um 11:00 Uhr

Dieser Moment, als ich Herthanerin wurde

War es der erste Schal, den eure Eltern euch auf dem Weg zum Spiel gekauft haben? War es der erste durchs Olympiastadion hallende Hertha-Fangesang, der euch nachhaltig beeindruckt hat? Oder doch die Kunststücke einzelner Blau-Weißer auf dem grünen Rasen – von Ete Beer über Marcelinho bis hin zu Marko Pantelić? Jede Herthanerin und jeder Herthaner hat einen eigenen Weg in unsere blau-weiße Familie. Gemeinsam mit der Sparda-Bank Berlin sucht unser Hauptstadtclub genau diese Geschichten – diesen Moment, als ihr Herthanerinnen und Herthaner geworden seid.

25 Jahre Mitgliedschaft

Eine Feier zu Ehren der Mitglieder, die 25 Jahre unserem Club angehören, im Oktober des vergangenen Jahres: Zunächst dankte Präsident Fabian Drescher den Anwesenden für ihre lange Treue. Dann sollten sich die Geehrten aus den Katakomben des Olympiastadions zur in Kürze beginnenden Partie gegen Preußen Münster auf die Tartanbahn begeben. Auch Rebekka Kroenert machte sich für die Ehrenrunde entlang des Rasens bereit. Auf dem Weg muss sich die damals 25-Jährige allerdings erklären: Sie ist mit ihrem jungen Alter nicht einfach nur die Begleitung ihrer Mutter, sondern tatsächlich selbst ihr gesamtes Leben Mitglied bei Hertha BSC. Doch, dass Rebekka an diesem Tag für 25 Jahre Zugehörigkeit zu unserer Alten Dame geehrt werden würde, stand in dem vorangegangenen Vierteljahrhundert lange auf der Probe. Aber von vorne.

Das erste Fan-Leben

Bis heute erzählt Rebekkas Mutter gerne, wie sie direkt am Morgen nach der Geburt in der Geschäftsstelle anrief, um für ihre Tochter und sich selbst umgehend die Mitgliedschaft bei Hertha BSC abzuschließen. Denn Rebekka wuchs in einer waschechten blau-weißen Familie auf. Neben ihrer Mutter ist auch ihr Vater Herthaner durch und durch und war vor ihrer Geburt schon jahrzehntelang Mitglied. Noch vor ihrem ersten Geburtstag, im August 2001, wurde die Berlinerin zum allerersten Mal mit ins Olympiastadion genommen. Im wahrsten Sinne des Wortes war Hertha BSC von Tag eins ein fester Bestandteil der Kindheit des in Zehlendorf aufwachsenden Mädchens. Neben regelmäßigen Besuchen im weiten Rund, irgendwo zeitlich einzuordnen zwischen ihren damaligen Lieblingsspielern Marko Pantelić und Pierre-Michel Lasogga, nahm Rebekka an allerlei möglichen Veranstaltungen des damaligen Kids-Clubs teil. Trotz ängstlicher Gefühle vor Herthinho ging es mit dem brasilianischen Braunbären und rund 20 weiteren Kindern zu Auswärtsspielen nach Wolfsburg, Hamburg oder Paderborn. Sie erlebte Abstiege und Aufstiege live mit und hatte bei ihrer wohl präsentesten Erinnerung aus der Zeit die Ehre, 2010 gegen den HSV mit den Profis einzulaufen. Unglücklicherweise an der Hand des Siegtorschützen Marcell Jansen, der das damalige Spiel für die Hamburger mit seinem 1:0 entschied.

Rebekka als Kind mit ihrem damaligen Lieblingsspieler Pierre-Michel Lasogga.

Sieben Jahre Pause

Rebekkas erstes Fan-Leben als Herthanerin endete, als sie aus dem Alter für den Kids-Club herauswuchs. Nach und nach suchte sich die Teenagerin neue Interessen wie Musik und Literatur, in denen sie sich als heranwachsende Frau ernster genommen fühlte. Als 2015 auch familiäre Angelegenheiten die Lebensumstände veränderten, brach die Bindung zu Hertha BSC zunächst vollkommen ab. Sieben Jahre lang sollte Rebekka kein Spiel mehr im Olympiastadion besuchen. Zumindest einigte sie sich damals darauf, die Mitgliedschaft weiterlaufen zu lassen. Ihre Mutter hatte ihr geraten, daran festzuhalten, während der Profifußball in ihrem Alltag kaum noch eine Rolle spielte.

Zittrige Beine zur Rückkehr

Auch ihr Bruder Lucas hatte eine ähnliche Pause als Fußballfan und fand um 2021 herum Stück für Stück wieder zur Alten Dame. Gemeinsam mit seiner Mutter legte er sich zur Saison 2022/23 erneut eine Dauerkarte zu. Rebekka blieb zunächst noch fern – bis zum Oktober 2022. Als ihre Mutter verhindert war, bot sie ihrer Tochter kurzerhand an, mal wieder mit ins Stadion zu gehen. Nach kurzem Zögern nahm Rebekka das Angebot an: „Ich gehe einfach mal wieder hin und schaue mir an, wie es für mich ist“, dachte sie sich.

Mit zittrigen Beinen stand die damals 22-Jährige nach sieben Jahren wieder auf den Rängen des Olympiastadions. Sie fragte sich, ob sie die Hymne noch mitsingen könne. Doch als Frank Zanders Stimme durch das weite Rund hallte, merkte sie schnell, dass aus ihrer Kindheit doch einiges hängen geblieben war. Der Stadionbesuch beim Duellt mit dem SC Freiburg, das 2:2 endete, entfachte das Feuer für die Alte Dame neu. Im Verlauf der Saison kam sie zu weiteren Spielen mit, aus den sporadischen Besuchen wurde Routine. Im Sommer 2023 stand für Rebekka schließlich fest: „Ich gucke wieder jedes Spiel, ich möchte wieder richtig drinstecken. Ich hole mir eine Dauerkarte, ich kann nicht anders.“

Rebekka mit ihrem Bruder und ihrer Mutter auf ihrem Stammplatz im Olympiastadion.

Ein neues Bild von Hertha

Darüber hinaus ermöglichten die damaligen Entwicklungen im Verein Rebekka eine zuvor nicht dagewesene Identifikation mit unserem Hauptstadtclub. Entscheidende Momente dafür waren für sie die Wahl von Anne Noske zur ersten weiblichen stellvertretenden Präsidentin unseres Vereins bei der Mitgliederversammlung im November 2024, sowie die Eingliederung der Frauen- und Mädchenteams im Jahr zuvor. Für die in Schöneberg ansässige Herthanerin steht dies für ein konträres Bild zu dem Verein, den sie in ihrer Kindheit noch als stark männlich dominiert kennengelernt hatte.

Aufs Mannschaftsfoto

Neben der Mitgliederehrung gegen Münster im vergangenen Jahr durfte Rebekka auch bei einer weiteren besonderen Aktion für Mitglieder dabei sein. Die Studentin für Kunstgeschichte und Filmwissenschaften wurde mit einigen anderen treuen Herthanerinnen und Herthanern dafür ausgewählt, sich beim diesjährigen Media Day für das Mannschaftsfoto neben unsere Profis und den einst von ihr so gefürchteten Herthinho zu stellen. Die Freude über das finale Ergebnis war riesig. Die dazugehörige Führung durch den Olympiapark und die Räumlichkeiten der Geschäftsstelle rundeten das Erlebnis ab. „Ein wirklich unfassbar cooles Erlebnis“, resümierte das Mitglied den vorläufigen Höhepunkt des zweiten Fan-Lebens.

von Helio Heiser