
„Das waren Tränen der Freude“
Der 17. August 2026 markierte für Armin Prill einen dramatischen Wendepunkt. Die Diagnose Leukämie sowie die damit verbundenen körperlichen und seelischen Belastungen haben sein Leben von einem Tag auf den anderen verändert. Prill war über zehn Jahre lang als Co-Trainer sowie Betreuer der Ama Zwee tätig und unterstützt unseren Verein darüber hinaus bis heute als engagierter Herthaner. Wir haben den 56-Jährigen in der Charité besucht, wo er behandelt wird, und mit ihm über die vergangenen Wochen, die große Solidarität aus der Fußballwelt und seine Hoffnungen für die Zukunft gesprochen.
Armin, erzähl mal: Wie geht es dir aktuell und wie blickst du auf die letzten Wochen zurück?
Prill: Die letzten zwei Tage geht es mir wieder etwas besser. Die Ärzte sagen, dass sich die Werte stabilisieren und in die richtige Richtung gehen. Das sind aufbauende Nachrichten und in so einer Phase absolut wichtig. Ich bin jetzt seit fünf Wochen im Krankenhaus. Natürlich gibt es hier Höhen und Tiefen. Glücklicherweise habe ich bisher mehr Höhen erlebt. Wenn mich hier ein Tiefschlag trifft, dann trifft er mich richtig. Der Körper hat keine Abwehrkräfte, man ist komplett ausgelaugt und hofft einfach, dass die Ärzte das Fieber oder mögliche Infektionen schnell in den Griff bekommen. Ich muss aber sagen, dass ich hier in der Charité-Mitte sehr gut aufgehoben und dafür sehr dankbar bin!
Was hat dir in den vergangenen Wochen besonders Kraft gegeben?
Prill: Sehr viel Kraft hat mir mein aktueller Verein, die SG Großziethen, gegeben. Dort wurde sofort eine Typisierungsaktion organisiert. Wenn man sieht, mit wie viel Herz Menschen für einen arbeiten und nur das Beste für einen wollen, dann ist das sehr bewegend und gibt unglaublich viel Mut. Darüber hinaus ist auch Hertha schnell mit ins Boot gesprungen. Was beim Spiel gegen Magdeburg auf die Beine gestellt wurde, hat mich sehr bewegt. Als ich gesehen habe, dass ich auf der Anzeigetafel zu sehen war oder Banner in der Ostkurve gezeigt wurden, kamen mir die Tränen. Das waren aber Tränen der Freude. Es war schön zu sehen, dass man nicht vergessen wird und diesen Zusammenhalt spürt. Und es geht dabei nicht nur um mich. Mit jeder Typisierung und jeder Spende wird Menschen geholfen und ihnen eine Chance gegeben.

Wie viel Freude und Ablenkung bereiten dir die Spiele unserer Profis aktuell?
Prill: Ich bin seit vielen Jahren Herthaner, habe die Höhen und Tiefen des Vereins miterlebt und werde immer Herthaner bleiben. Es macht gerade einfach Spaß zu sehen, mit wie viel Herzblut und Spielfreude die Mannschaft auftritt. Natürlich würde ich die Spiele lieber live im Stadion sehen, aber ich schaue sie mir hier im Fernsehen an. Es ist schön zu sehen, wie die Fans hinter dem Verein stehen. Das ist eine riesige Familie. Das baut einen auf und sorgt dafür, dass man nach einem Spieltag mit einem guten Gefühl in den Tag startet.
Warum ist es dir wichtig, deine Geschichte mit der Öffentlichkeit zu teilen?
Prill: Bei der DKMS-Aktion wurde ich gefragt, ob ich damit einverstanden bin, in die Öffentlichkeit zu gehen. Für mich war das kein Problem. Ich kann nicht ändern, was ich habe. Wenn ich durch diese Aktion Hilfe bekomme und vielleicht gleichzeitig anderen Menschen helfen kann, dann sollte man das machen. Nach den Berichten und den Bildern haben sich unglaublich viele Menschen bei mir gemeldet, auch Leute, zu denen ich jahrelang keinen Kontakt mehr hatte. Da sieht man, wie sehr der Fußball Menschen verbindet. Wenn man mir hilft, hilft man vielleicht auch noch vielen anderen. Wenn durch die Typisierungen, die jetzt gemacht wurden, am Ende drei oder vier Menschen geholfen werden kann, dann habe ich schon viel erreicht. Deshalb sage ich: Nehmt mein Bild, erzählt die Geschichte, das ist überhaupt nicht schlimm.
Was würdest du Menschen sagen, die überlegen, sich bei der DKMS registrieren zu lassen?
Prill: Eine Typisierung tut nicht weh. Viele wissen außerdem nicht, dass man nicht automatisch spenden muss, nur weil man registriert ist. Die DKMS meldet sich erst einmal, wenn man als möglicher Spender infrage kommt. Dann kann man sich immer noch entscheiden. Aber je mehr Menschen registriert sind, desto größer sind die Chancen für diejenigen, die eigentlich keine Chance mehr haben und auf genau diese eine Möglichkeit warten. Allein deshalb macht es Sinn, sich registrieren und typisieren zu lassen. Man kann damit sehr vielen Menschen helfen.
Worauf freust du dich am meisten, wenn du nach vorne blickst, und welche Schritte stehen als Nächstes an?
Prill: Vor kurzem wurde eine Rückenmarksprobe entnommen, die jetzt untersucht wird. Davon hängt ab, wie die nächsten Schritte aussehen werden. Sicher ist, dass die Behandlung weitergeht. Wie genau, wird sich nach den Ergebnissen zeigen. Am meisten freue ich mich aber auf den Tag, an dem ich wieder zu Hause in meinem eigenen Bett schlafen kann. Wichtig ist für mich auch, mich wieder frei bewegen zu können. Ich freue mich darauf, wieder Freunde zu treffen, einfach zusammenzusitzen und zu lachen. Außerdem möchte ich gerne wieder zur SG Großziethen zurückkehren, am Platz stehen, Training oder Spiele schauen und einfach Teil des Alltags sein. Genauso freue ich mich darauf, irgendwann wieder ein Hertha-Spiel live im Stadion zu sehen.
Anm. der Redaktion: Einen Tag nach dem Gespräch kontaktierte uns Armin mit einer hoffnungsvollen Nachricht. Für die notwendige Stammzelltransplantation kommt sein Bruder als Spender infrage. Voraussichtlich wird die Transplantation Mitte bis Ende November stattfinden. Armins Bruder wird ebenfalls vor Ort sein und über die nächsten Vorbereitungsschritte für die Spende informiert werden. Bis dahin wird Armin weitere Chemotherapien erhalten. Nach der Transplantation wird er voraussichtlich etwa sechs Wochen unter strengen Schutzmaßnahmen und Isolation verbringen müssen. Wir wünschen ihm für die kommende Zeit ganz viel Kraft und eine schnelle Genesung!