Lucas Tousart feuert seine Mitspieler an.
Profis | 17. März 2023, 13:10 Uhr

„In den direkten Duellen die richtigen Antworten parat haben“

Manche Zufälle sind zu schön, um ein Gespräch nicht damit einzuleiten. So auch der Fakt, dass Lucas Tousart vor ziemlich genau einem Jahr sein erstes Heimtor für unsere Herthaner erzielte. Der Gegner damals? Die sich auf Europapokal-Kurs befindende TSG Hoffenheim. 363 Tage später kreuzen sich die Wege erneut – doch nicht nur aufgrund der Tatsache, dass unsere Alte Dame diesmal nach Sinsheim reist, sind die Vorzeichen andere. „Gerade wegen der Tabellenkonstellation dürfte es eine sehr enge, sehr umkämpfte Begegnung werden“, ahnt Tousart. „Für uns wird wichtig, von Anfang an unser Spiel, unseren Rhythmus auf dem Feld durchzusetzen. Dafür müssen wir in den direkten Duellen die richtigen Antworten parat haben. Dort drei Zähler mitzunehmen – das wäre für unsere Moral sehr wertvoll!“ Bevor unsere Blau-Weißen dieses Vorhaben am Samstag (18.03.23, 15:30 Uhr) angehen, hat der Franzose mit herthabsc.com über das Kräftemessen im Kraichgau, seine persönliche Entwicklung und die neue Rollenverteilung im Berliner Mittelfeld gesprochen.

herthabsc.com: Lucas, kannst du dich noch an den 19. März 2022 erinnern?
Tousart: Oh ja, da haben wir mit einer richtig guten Vorstellung einen ganz wichtigen Sieg gegen Hoffenheim eingefahren – und ich habe dabei auch getroffen, es war mein erstes Tor im Olympiastadion!

herthabsc.com: So ist es! Fast auf den Tag genau war die TSG vor einem Jahr ebenfalls der Gegner, du hast mit deinem Premierentreffer zum 3:0-Endstand den Deckel auf die Begegnung gemacht. Ein ganz besonderer Moment?
Tousart: Auf jeden Fall, das war ein spezielles und schönes Gefühl – auch, wenn die Aktion an sich ein wenig bizarr aussah (lacht). Ich habe geschossen, war mir in dem Moment aber nicht mal sicher, ob ich am Ende wirklich der Torschütze bin, weil ein Gegenspieler den Ball auch noch abgefälscht hatte. Eine schöne Erinnerung ist es aber allemal.

herthabsc.com: Nun geht es erneut gegen die Kraichgauer, diesmal aber auswärts. Auf fremdem Platz könnt ihr in dieser Saison noch nicht so regelmäßig punkten wie an der Spree. Worauf führst du diese Unterschiede zurück?
Tousart: Das ist schwer zu erklären. Es ist in jedem Fall schade, dass wir uns auswärts bisher nicht öfter mit Zählbarem belohnen konnten, obwohl wir in einigen Spielen dicht dran waren, den einen oder anderen zusätzlichen Punkt mitzunehmen. Umso besser stünde uns ein Sieg am Samstag im Duell mit einem direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt zu Gesicht!

Lucas Tousart bejubelt sein Anschlusstor in Dortmund.
„Möchte noch ausschlaggebender agieren“: Zuletzt traf Tousart beim BVB.

herthabsc.com: Bevor wir uns über dieses Match austauschen, lass uns noch kurz über deine persönliche Saison sprechen. Deine Ziele aus unserem Gespräch im Sommer – viel Spielzeit bekommen, mehr Verantwortung übernehmen und die Mannschaft stärker tragen – hast du bislang erreicht. Wie zufrieden bist du mit der Entwicklung? Wo siehst du noch Steigerungsmöglichkeiten?
Tousart: Ich möchte gerne noch weiter in der Rolle als Leader wachsen und auf dem Feld ausschlaggebender agieren, auch im Hinblick auf eigene Tore und Vorlagen. Für mich war es bislang eine Saison, in der ich dem Team mehr geben und stärker zu unserem Spiel beitragen konnte, effektiver agiert habe. Das freut mich, aber ich sehe meine Leistungen immer nur als Teil unseres Kollektivs und unseres Clubs. Das wird immer wichtiger sein als persönliche Ziele. Als Team sind wir nach einem ordentlichen ersten Saisonteil nach der WM-Pause nicht gut aus den Startlöchern gekommen und mussten uns in der Tabelle erst einmal wieder zurückkämpfen. Jetzt wollen wir dranbleiben und unser Ziel, den Klassenerhalt in der Bundesliga, erreichen.

herthabsc.com: Deine starken läuferischen Leistungen können dabei helfen. Mit insgesamt fast 270 Kilometern bist du Spitzenreiter im internen Ranking und liegst ligaweit an zweiter Stelle. Hast du in deinem Training etwas verändert? Welchen Anteil haben Sandro Schwarz und sein Trainerteam an diesen beeindruckenden Zahlen?
Tousart: Nein, geändert habe ich eigentlich nicht viel (schmunzelt). Viel Laufarbeit und Einsatz waren schon immer wichtig für mein Spiel, aber in diesem Jahr ist einfach eine gewisse Kontinuität reingekommen: Ich stehe regelmäßig auf dem Platz, zudem haben wir mit dem Coach und seinem Team seit dem Sommer extrem viel im physischen Bereich gearbeitet. Da sieht man den Einfluss, diese gute Vorbereitung hilft uns allen immer noch. Sie ist die Basis und ein wichtiges Rüstzeug für unseren Fußball.

herthabsc.com: Eine Basis für euer regelmäßiges Punkten in den vergangenen Wochen stellt der Systemwechsel dar. In der neuen Grundordnung spielst du eine etwas offensivere Rolle. Wie wohl fühlst du dich darin? Was zeichnet euer Zusammenspiel im Mittelfeld in dieser Formation aus?
Tousart: Die neue Rolle gefällt mir, weil sie zu mir passt! Ich kann mich stärker ins Offensivspiel einklinken, mehr Räume besetzen und als Mannschaft haben wir gleichzeitig an Stabilität gewonnen. Durch die fünf Verteidiger klappt das kollektive Arbeiten gegen den Ball besser. Das verschafft mir gleichzeitig mehr Möglichkeiten, die beiden Angreifer zu unterstützen – auch, weil hinter uns jemand wie Tolga (Ciğerci, Anm. d. Red.) als zusätzliche Absicherung spielt. Die Aufteilung der Aufgaben gelingt so einfach gut.

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Die neue Rolle gefällt mir! Ich kann mich stärker ins Offensivspiel einklinken und als Mannschaft haben wir an Stabilität gewonnen. Das kollektive Arbeiten gegen den Ball klappt besser.
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-Lucas Tousart

herthabsc.com: Blicken wir abschließend noch einmal auf den Samstag. Beide Teams liegen im Tableau nicht weit auseinander. Was für ein Spiel erwartest du gegen die TSG?
Tousart: Gerade wegen der Tabellenkonstellation dürfte es eine sehr enge, sehr umkämpfte Begegnung werden. Die Hoffenheimer warten nun schon eine Weile auf einen Bundesliga-Sieg, umso motivierter werden sie sein, zu Hause eine gute Vorstellung zu zeigen und zu punkten.

herthabsc.com: Nicht nur deshalb deutet sich ein physisch intensiver Vergleich an. Wie könnt ihr die Begegnung für Hertha entscheiden?
Tousart: Für uns wird wichtig, von Anfang an unser Spiel, unseren Rhythmus auf dem Feld durchzusetzen. Wir müssen als Kollektiv körperlich dagegenhalten und alles abrufen, was in uns steckt, um dort ein gutes Resultat einzufahren. Dafür müssen wir auf dem Rasen die Ruhe und einen klaren Kopf bewahren, unnötige gelbe Karten vermeiden und in den direkten Duellen die richtigen Antworten parat haben. Dort drei Zähler mitzunehmen – das wäre auch für unsere Moral sehr wertvoll!

von Konstantin Keller