Sofian Chahed im Porträt.
Frauen | 30. August 2025, 11:00 Uhr

„Der Schlüssel liegt in der Konstanz”

Ereignisreiche Wochen liegen hinter Sofian Chahed und seinem Team, der Start in die Saison 2025/26 steht kurz bevor – am Sonntag (31.08.25, 14:00 Uhr) geht es auswärts bei Türkiyemspor los. Zuvor spricht unser Leiter Frauenfußball über die Entwicklungen der vergangenen Monate und das, was noch kommen soll. Sportliche Weiterentwicklung, struktureller Aufbau und nachhaltige Professionalisierung stehen im Fokus. Mit einem neuen Cheftrainer, spannenden Neuzugängen und kurz- wie langfristigen Ambitionen soll Hertha BSC im Frauenfußball auf dem Weg nach oben bleiben und weiter wachsen. „Der Schlüssel liegt in der Konstanz: In der Leistung, im Training, in der Entwicklung. Wir hatten in der Vergangenheit Spiele, in denen wir klar besser waren, aber keine Punkte mitgenommen haben. Wir wollen in dieser Saison konstanter abliefern – sportlich wie strukturell”, unterstreicht der gebürtige Berliner. Im Interview berichtet Chahed außerdem über das steigende Interesse der Fans, die blau-weiße Philosophie und kommende Schritte.

Sofian, zum Einstieg: Wie groß ist die Vorfreude auf die neue Saison?
Chahed: Die Vorfreude ist riesig. Nach einer langen Pause mit vielen Veränderungen - einem neuen Trainer, neuen Spielerinnen, aber auch einigen Abgängen - freuen wir uns, dass es endlich wieder losgeht. Jetzt wollen wir die ersten drei Punkte holen!

Wie zufrieden bist du mit der Vorbereitung? Was lief gut, wo gibt es noch Luft nach oben?
Chahed: Es gibt immer Potenzial zur Weiterentwicklung. Insgesamt hat das neue Trainerteam frischen Input reingebracht und man merkt, dass die Mannschaft richtig heiß auf den Saisonstart ist. Natürlich gibt es auch strukturell Dinge, an denen wir weiter arbeiten wollen, etwa die Trainingszeiten. Wenn wir perspektivisch früher am Tag trainieren könnten, wäre das ein weiterer Schritt in Richtung Professionalisierung. Das braucht aber Zeit und entsprechende Rahmenbedingungen.

Wie gut haben sich Mannschaft und Trainer bereits aufeinander eingestellt? Warum ist Tobias Kurbjuweit der Richtige für den Job?
Chahed: Trainer und Team sind inzwischen zu einer Einheit geworden. Der Spielstil ist offensiver, intensiver und das liegt unseren Spielerinnen. Gegen Jena hatten wir viele Chancen und haben einem Erstligisten das Leben schwer gemacht, obwohl wir 0:4 verloren haben. Unsere Spielerinnen haben die Spielidee bereits gut verinnerlicht. Tobias bringt klare Strukturen mit, coacht sehr aktiv und hat das Ziel, jede von ihnen auch individuell besser zu machen. Er passt menschlich wie sportlich hervorragend zur Mannschaft. Wir sind froh, dass wir ihn für unsere Frauenmannschaft gewinnen konnten.

Wie haben sich die Neuzugänge eingefügt und was bringen sie mit?
Chahed: Die Neuen haben sich super eingefunden – sowohl sportlich als auch menschlich. Im Trainingslager war schnell spürbar, dass das Team eine geschlossene Einheit bildet. Mit Mona Sarr und Jennifer Cramer haben wir endlich Linksfüße in der Mannschaft, was uns auf der linken Seite deutlich variabler macht. Inga Buchholz bringt Stabilität und Erfahrung auf der Torhüterinnen-Position mit, Elly Böttcher verstärkt unsere Offensive und Tania Komarovskiy, die aktuell leider verletzt ist, hat großes Potenzial für die Defensive. Die Mischung stimmt, und im Frauenfußball kennen sich die Spielerinnen ohnehin oft schon untereinander. Das erleichtert vieles.

Sofian Chahed im Interview.

Was ist der nächste Schritt für diese noch junge Mannschaft?
Chahed: Der Schlüssel liegt in der Konstanz: In der Leistung, im Training, in der Entwicklung. Wir hatten in der Vergangenheit Spiele, in denen wir klar besser waren, aber keine Punkte mitgenommen haben. Das wollen wir in dieser Saison ändern und konstanter abliefern – sportlich wie strukturell.

Welche Philosophie verfolgt ihr dabei? Wo soll die Reise hingehen?
Chahed: Langfristig wollen wir mit Hertha BSC im professionellen Frauenfußball Fuß fassen, das bedeutet für uns ganz klar die erste Liga. Dafür müssen wir schrittweise immer professioneller werden, etwa bei den Trainingszeiten oder der Infrastruktur. Die eigene Kabine war hierbei ein wichtiger Schritt, aber es gibt noch viel zu tun. Wichtig ist uns auch die Nachwuchsarbeit, wir wollen eine durchgängige Spielphilosophie von der U13 bis zu den 1. Frauen etablieren. Ziel ist es, dass wir junge Spielerinnen schon früh ausbilden und dabei behutsam auf die erste Mannschaft vorbereiten. Getreu dem „Berliner Weg“, den wir nicht nur kommunizieren, sondern auch vollends leben.

Wie erlebst du das Interesse der Fans am Frauenfußball bei Hertha BSC?
Chahed: Die Unterstützung ist groß und wächst stetig. Mit den „Westend Girls“ und „Donna Hertha“ haben wir zwei engagierte Fanclubs, die uns sogar auf Auswärtsfahrten begleiten – zuletzt bis nach Polen gegen Jena. Das ist großartig! Aber auch da ist noch mehr möglich – und wir wollen durch attraktiven, offensiven Fußball auch weitere Fans für uns begeistern. Ich bin sicher, dass in dieser Saison viele Spiele dabei sein werden, bei denen sich der Weg ins Stadion lohnt!

Wie blickst du auf die Entwicklung der letzten zwei Jahre zurück? Was macht dich besonders stolz?
Chahed: Die war rasant. Es war eine echte Achterbahnfahrt – mit großen Highlights, aber auch kleineren Rückschlägen. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir trotz der Dynamik gesund gewachsen sind. Wir haben die Zahl unserer Mannschaften reduziert, um uns stärker auf den Leistungsbereich zu konzentrieren. Auch das Team hinter dem Team entwickelt sich Schritt für Schritt weiter, mit vielen Learnings, aus denen wir für die Zukunft profitieren.

Welche Wünsche hättest du, um den Frauenfußball in unserer Stadt weiter voranzubringen?
Chahed: Die Bedingungen sollten gleichwertig sein – das betrifft die Infrastruktur, Plätze und Trainingsmöglichkeiten. In Berlin fehlt es generell an Sportstätten, für Mädchen wie für Jungs. Der Zulauf bei den Mädchen wächst, nicht zuletzt durch die erfolgreiche EM und WM. Um das Potenzial zu nutzen, müssen wir gemeinsam Lösungen finden, damit Mädchen in Berlin bestmöglich gefördert werden können.

Ein Satz zum Abschluss: Die Saison 2025/26 wird für Herthas Frauen besonders, weil...
Chahed: …wir zu den Favoritinnen gehören, um den Aufstieg mitspielen – und dabei hoffentlich viele neue Fans für uns gewinnen werden.

von Sophie Dreier