Die Herthaner-Moment Grafik von Sam Vandenabeele.
Fans | 2. Januar 2026, 11:53 Uhr

Dieser Moment, als ich Herthaner wurde

War es der erste Schal, den eure Eltern euch auf dem Weg zum Spiel gekauft haben? War es der erste durchs Olympiastadion hallende Hertha-Fangesang, der euch nachhaltig beeindruckt hat? Oder doch die Kunststücke einzelner Blau-Weißer auf dem grünen Rasen – von Ete Beer über Marcelinho bis hin zu Marko Pantelić? Jede Herthanerin und jeder Herthaner hat einen eigenen Weg in unsere blau-weiße Familie. Gemeinsam mit der Sparda-Bank Berlin sucht unser Hauptstadtclub genau diese Geschichten – diesen Moment, als ihr Herthaner geworden seid.

Ein verzögerter Berlin-Aufenthalt

Die Redewendung „was lange währt, wird endlich gut“ trifft auf Sam Vandenabeeles Beziehung zur Stadt Berlin ziemlich gut zu. Viel länger als ursprünglich geplant wartete der Belgier auf den Aufenthalt in der Bundeshauptstadt. Eigentlich wollte der 27-Jährige nämlich ein Auslandssemester an der Spree verbringen. Dieser Plan fiel jedoch aufgrund der Corona-Pandemie ins Wasser. Dennoch ließ sich Vandenabeele nicht von seiner Idee abbringen, in der Stadt, die er bereits bei einigen kurzen Städtetrips besucht hatte, zu leben. Nach seinem Uniabschluss bereiste der Flame die deutsche Metropole auf eigene Faust und verbrachte drei Monate an der Spree, wo er eine durchweg positive Zeit erlebte. In Berlin lernte er seine Freundin Lisa kennen, die beiden sind immer noch ein Paar. Außerdem brachte dieser Aufenthalt die Liebe zu Hertha BSC hervor. Durch die Beziehung mit seiner Partnerin, die ein weiteres Jahr in Berlin blieb, festigte sich auch die Beziehung zur Alten Dame. Regelmäßige Wochenendbesuche in der Hauptstadt hatten auch regelmäßige Besuche im Olympiastadion zur Folge – es wurde eben alles gut.

Sam Vandenabeele posiert vor dem Olympiastadion.
Sam Vandenabeele posiert vor dem Olympiastadion.

Ein Landsmann als entscheidender Fanfaktor

Geboren und aufgewachsen ist Sam im belgischen Gent. Der 27-Jährige ist schon sein Leben lang sportbegeistert und spielte seit dem Kindergartenalter Fußball. Im vergangenen Jahr beendete er wegen einer schweren Knieverletzung seine aktive Zeit als Fußballer, im Kopf blieb er seinem Lieblingssport immer noch treu: „Es gibt keinen einzigen Tag, an dem ich nicht an Fußball denke.“ Aus der Begeisterung für den Sport konnte der Belgier seine Berufung machen. Sam ist nämlich Sportlehrer. Obwohl es mit dem KAA Gent einen großen Klub in seiner Heimatstadt gibt, wuchs Sam als Fan des RSC Anderlecht auf. Sein Lieblingsspieler ist Romelu Lukaku, der aus der Akademie des belgischen Rekordmeisters stammt. „Die Wucht, die mentale Stärke und sein Mindset sind einfach überragend. Er startet für die Nationalmannschaft seitdem er 16 ist und ist der zweitbeste Nationalmannschaftstorschütze in Europa“, schwärmt der Lehrer und fügt lachend hinzu: „Lukaku wird uns nächstes Jahr zum Weltmeistertitel schießen!“ Ein belgischer Spieler war für den Genter auf dem Weg zum Hertha-Fan ein entscheidender Faktor: Dodi Lukébakio wirbelte in Blau-Weiß, als der Belgier erstmals ein Heimspiel unserer Alten Dame besuchte. „Damals sind wir zu Hertha gegangen, weil Lukébakio dort spielte. Dann war es Liebe auf den ersten Blick. Das Olympiastadion hat mich umgehauen.“ Schon im Vorhinein hatte der Sportfanatiker das weite Rund als historisch außergewöhnliche Sportstätte auf dem Zettel. „Dieses Stadion hat etwas Besonderes – das ist der Boden auf dem Jesse Owens (ein afroamerikanischer Leichtathlet, der bei Hitlers propagandistisch genutzten Olympischen Spielen 1936 in Berlin die meisten Goldmedaillen gewann, Anm. d. Red.) lief“, schwärmt der Pädagoge.

Ein Sticker von Sam's Fanclub.

Hertha-Aktivismus

Auch dieser historische Eindruck verhalf also dabei, dass Sam zum Anhänger unseres Hauptstadtclubs wurde. Die erste Begegnung war am 24. Spieltag der Saison 2022/23: Gegen den 1. FSV Mainz 05 spielten unsere Blau-Weißen 1:1 (1:0). Nach dem früh verwandelten Foulelfmeter von Jessic Ngankam glichen die Rheinhessen im zweiten Abschnitt in Person von Ludovic Ajorque aus. Trotz des Abstieges am Ende der Spielzeit, blieb der Belgier Anhänger der Blau-Weißen. Die Liebe zur Alten Dame teilt Sam auch gerne mit anderen. Auf seinem Instagram-Kanal weist er auf Bezugspunkte zwischen unserer Alten Dame und dem belgischen Fußball hin – außerdem war der Herthaner Ende November in einem britischen Podcast zu Gast, um über seinen deutschen Herzensclub zu plaudern. Den Hertha-Aktivismus führte der Belgier bereits vor vier Monaten auf eine nächste Stufe: Da gründete Sam den ersten Offiziellen Hertha-Fanclub in Belgien. Dieser wuchs binnen vier Monate auf 15 Mitglieder an. „Bis jetzt sind es überwiegend Freunde und Familie. Gerne können es allerdings auch noch mehr werden. Einzige Voraussetzung ist, dass die Mitglieder aus Belgien kommen müssen“, erzählt der Blau-Weiße. Vielleicht gibt es ja mal einen Gruppenausflug in den Nordosten Deutschlands. Der Exil-Herthaner sollte allemal häufiger zu den Spielen unserer Blau-Weißen kommen. „Ich war mittlerweile bei circa zehn Spielen, keine dieser Partien haben wir verloren“, berichtet Sam mit einem Augenzwinkern.

von Tjard Häusling