Pascal Klemens im Porträt.
Profis | 10. Januar 2026, 12:08 Uhr

„Ich konnte persönlich wachsen und viel lernen“

Wohl kein Herthaner erfreut sich mehr am Trainingslager an der Algarveküste als Pascal Klemens – und zwar unabhängig vom portugiesischen Wetter. Hinter dem 20-jährigen Defensivakteur liegt nämlich eine äußerst herausfordernde Zeit. Aufgrund einer schweren Sprunggelenksverletzung hatte das Eigengewächs das blau-weiße Übungscamp im vergangenen Sommer verpasst. Nun befindet sich unsere Nummer 41 allerdings wieder mittendrin, wirkte beim Test gegen Standard Lüttich die gesamten 90 Minuten mit. „Das oberste Ziel ist es, gesund und topfit in die Rückrunde zu starten, Spaß und Leidenschaft zu fühlen und vor allem der Mannschaft zu helfen“, verriet der gebürtige Berliner im Gespräch mit Redakteur Erik Schmidt. Außerdem erzählte der U20-Nationalspieler von Herausforderungen, Hilfen und Lehren.

Passi, die wichtigste Frage vorweg: Wie geht es dir?
Pascal Klemens: Es wird Stück für Stück besser. Ich war lange raus. Da gilt es, sich wieder einzugrooven. Das braucht logischerweise ein bisschen Zeit. Aber ich bin auf einem sehr guten Weg.

Aufgrund zweier unterschiedlicher Blessuren hast du in 2025 über 20 Pflichtspiele verpasst. Wie froh bist du, dass du das Jahr endlich hinter dir lassen konntest?
Klemens: Sportlich war es nicht gerade mein Jahr. Das hatte ich mir alles ganz anders vorgestellt. Aber ich konnte trotzdem persönlich wachsen und viel lernen in dieser Zeit, die mental für mich nicht ganz so einfach war. Dennoch bin ich natürlich froh, dass das jetzt alles hinter mir liegt.

Pascal Klemens beim Training in Portugal.

Auf die Sprunggelenksverletzung, die du dir im vergangenen Juli zugezogen hattest, folgte eine lange und anstrengende Reha. Was waren rückblickend für dich die größten Herausforderungen währenddessen?
Klemens: Nach der ersten längeren Ausfallzeit hatte ich im Sommer viel dafür getan, dass ich topfit in die neue Saison starten und voll angreifen kann. Ich habe mich intensiv vorbereitet und hatte echt Bock. Dass dann so schnell und auch noch während des Warm-ups bei einem Testspiel der nächste Rückschlag gefolgt ist, war brutal. Der entscheidende Moment ist immer noch in meinem Kopf präsent. Danach war ich für einige Tage etwas gebrochen – speziell die Zeit im Krankenhaus ist mir nicht leichtgefallen. Besonders verrückt war es, meine nicht mehr vorhandene Muskulatur nach einigen Wochen am Bein zu sehen. Aber nach der OP ging es insgesamt bergauf. Du musst dann einfach daran glauben, dass es besser wird und alles dafür tun – was das anbelangt, war ich sehr diszipliniert. Es kamen aber auch Phasen, in denen ich zwar wollte, aber immer wieder auf unterschiedliche Weise gebremst wurde. Unter dem Strich war das ein schmaler Grat – ich durfte nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig machen. Selbst, als ich dann schon wieder auf dem Platz stand, gab es hin und wieder kleinere Rückschläge. Da dachte ich auch nur, dass das nicht sein kann, denn ich wollte einfach unbedingt zurück zu den anderen, die teilweise nebenan trainiert haben.

Wer hat dir auf dem Weg der Genesung besonders geholfen?
Klemens: Meine Familie war natürlich wichtig, aber auch mein gesamtes weiteres Umfeld hat mich währenddessen top unterstützt. Alle hatten immer ein offenes Ohr, aber auch Verständnis dafür, wenn ich mal nicht so gut gelaunt war. Ich habe viel mit ihnen über meine Probleme gesprochen. Manchmal dachte ich: Warum jetzt? Warum überhaupt ich? Das war nicht so einfach. Meine Leute haben mich getriezt, damit ich positiv bleibe. Das war extrem wertvoll. Wenn du ein gutes Mindset hast, heilst du auch besser. Ich konnte am Anfang beispielsweise auch kein Autofahren, da waren dann meine Mutter und mein Bruder beziehungsweise auch Freunde für mich da. Das ist nicht selbstverständlich, weswegen ich umso dankbarer bin!

Pascal Klemens im Gespräch.

Welche besonderen Maßnahmen hast du außerdem ergriffen?
Klemens: Ich habe immer wieder auf bestimmte Etappenziele vorausgeschaut – beispielsweise das Entfernen der Schraube, die ersten Schritte ohne Stützen, das erste Mal auf dem Laufband. Obwohl ich in den ersten sechs Wochen relativ bewegungseingeschränkt war, habe ich schnell wieder mit dem Krafttraining begonnen. Darüber hinaus war es mir extrem wichtig, unter Menschen zu kommen und nicht mitten im Sommer nur drinnen zu hocken. Der Schuh und die Krücken haben diesbezüglich einige Schwierigkeiten bereitet. Es ist mir aber ganz gut gelungen, mich nicht zu isolieren und abzukapseln. Eine große Rolle hat dabei die Physiopraxis, das Da Vinci, gespielt. Dort waren zur gleichen Zeit einige Jungs, mit denen ich im Nachwuchs zusammengespielt habe. Wir haben uns ausgetauscht, gemeinsam die Einheiten absolviert und sogar etwas Spaß gehabt.

Welche Lehren konntest du aus dieser Phase ziehen, nachdem dein Start im Profibereich zuvor relativ komplikationslos verlaufen war?
Klemens: Ich habe meinen Körper besser kennen- und Gesundheit zu schätzen gelernt, achte nun auch noch mehr auf bestimmte Dinge wie Regeneration. Mir ist außerdem bewusst geworden, wie sehr es auf Geduld ankommt. Es ging darum, nichts zu überstürzen. Ich glaube, dass ich mit den Ärzten, der Rehaabteilung und den Physios einen ordentlichen Weg gefunden habe. Gleichzeitig habe ich verstanden, dass sich immer wieder neue Chancen auftun – diese gilt es dann zu nutzen. Deswegen musst du fleißig sein und dich sowohl körperlich als auch mental in eine gute Verfassung bringen. Mehr kannst du nicht beeinflussen. Manchmal musst du im Leben erst unschöne Zeiten durchmachen, um stärker zu werden – und ich hatte definitiv keine schöne Zeit. Zum Glück ist sie vorbei. Dennoch glaube ich, dass ich das Beste daraus gemacht habe.

Maurice Krattenmacher und Pascal Klemens.

Um dich herum lief das Saisongeschehen normal weiter. Wie hast du die Auftritte deiner Teamkollegen verfolgt?
Klemens: Ich war immer im Stadion, bin auch nach Hannover mitgefahren. Du bist trotz der Verletzung weiterhin ein Teil der Mannschaft, fieberst demzufolge mit, kannst nur nicht helfen. Wenn es wie am Anfang nicht so gut läuft, leidest du natürlich genauso wie die anderen. Es hat mir aber definitiv gutgetan, zu den Spielen zu gehen und die Atmosphäre aufzusaugen. Gleichzeitig ist daraus eine Motivation entstanden, alles dafür zu geben, um auch wieder da unten zu stehen.

Voll dabei warst du aber eben trotzdem nicht. Wie wichtig war es dir, den Kontakt zur Mannschaft zu halten?
Klemens: Nachdem die Verletzung passiert ist, haben sich viele Jungs bei mir gemeldet. Ich habe mich wirklich über jede Nachricht gefreut. Zu Beginn der Reha habe ich die anderen nicht ganz so oft gesehen. Aber als ich im HerthaMed trainiert habe, war ich auch wieder näher am Team und habe regelmäßig in der Kabine vorbeigeschaut. Das war mir auch wichtig. Du fühlst dich dann automatisch zugehöriger.

Unmittelbar vor der Winterpause hattest du bei der U23 gegen Jena sowie im Duell der Profis mit Bielefeld noch etwas Spielpraxis sammeln können. Welchen Wert hatten diese Einsätze für dich?
Klemens: Es war einfach schön! Ich habe es doppelt und dreifach genossen. Endlich konnte ich wieder das machen, was ich liebe. Am Anfang habe ich vielleicht noch die eine oder andere Unsicherheit gespürt, aber das kam dann alles schnell zurück. Ich hatte es mir als Ziel gesetzt, noch in 2025 zu spielen, um diesen harten Weg hinter mir zu lassen und das Ganze abzuschließen. Entsprechend stolz hat es mich gemacht. Ich bin natürlich noch nicht auf dem Level, auf dem ich sein will. Jedoch spornt mich genau das an – dafür gebe ich Tag für Tag alles. Ich muss jetzt weitermachen, um zusätzliche Spielpraxis zu sammeln.

Pascal Klemens wird für Diego Demme eingewechselt.

Im Anschluss standen einige freie Tage auf dem Programm. Wie hast du die Zeit verbracht?
Klemens: Ich hatte schon während der Reha einmal die Möglichkeit, für ein Wochenende rauszukommen. Das war wichtig und tat gut – einfach mal Ruhe haben, das Handy zur Seite legen, abschalten und auf andere Gedanken kommen. Genauso jetzt in der kurzen Pause. Zwischen dem Bielefeld-Spiel und Weihnachten bin ich für ein paar Tage weggefahren. Anschließend habe ich die Zeit sowohl mit der Familie als auch mit Freunden verbracht und das total genossen. Dann ging es aber auch schnell schon wieder mit dem Laufplan los.

Auf den Jahreswechsel folgte der Abflug ins Trainingslager. Was gibt dir die Tatsache, nun wieder dabei zu sein, nachdem du das Übungscamp im vergangenen Sommer verpasst hattest?
Klemens: Ein tolles Gefühl! Ich habe im Sommer aus der Ferne draufgeschaut und alles verfolgt – da wäre ich sehr gerne dabei gewesen, obwohl so ein Trainingslager natürlich auch immer anstrengend ist. Es hat mir auch gefehlt, diesen normalen Alltag zu erleben. Diese Routinen waren während der Verletzung einfach weg. Die gibt es hier in Portugal. Obendrein haben wir hier top Bedingungen. Deswegen freut es mich, dass ich nun wieder Gas geben kann.

Lass uns zum Abschluss noch einen Blick in die Zukunft wagen. Welche Ziele hast du dir für 2026 vorgenommen?
Klemens: Das oberste Ziel ist es, gesund und topfit in die Rückrunde zu starten, Spaß und Leidenschaft zu fühlen und vor allem der Mannschaft zu helfen. Darüber hinaus will ich hart arbeiten und jeden Moment genießen. Außerdem hoffe ich natürlich, dass ich viel Einsatzzeit bekomme.

von Erik Schmidt