Hans-Georg Felder im Olympiastadion.
Club | 12. Januar 2026, 00:01 Uhr

Zum 60. Geburtstag: ‚Hansi‘ Felder im Porträt

„Rund um die Uhr“ ist rückblickend eine durchaus zutreffende Aussage in puncto Arbeitszeit von Hans-Georg ‚Hansi‘ Felder, der von 1998 bis 2009 in einer der aufregendsten und erfolgreichsten Epochen der jüngeren Vereinsgeschichte als Pressesprecher für Hertha BSC gewirkt hat.

Felder beginnt zunächst ein Studium der Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Sportjournalismus an der renommierten Universität Deutsche Sporthochschule in seiner Heimatstadt Köln. Dieses bricht er nach dem bestandenen Vordiplom ab und beginnt ein Volontariat bei einer in der Automobilbranche tätigen Agentur. Parallel zum Studium bzw. zum Volontariat arbeitet er an den Wochenenden für den SID (Sport-Informations-Dienst), wo er den dortigen Redakteur Gerd Graus kennenlernt. Es ist eine Begegnung, die für den späteren Berufsweg von Felder von maßgeblicher Bedeutung sein wird, denn ab Juli 1997 wird Graus Pressesprecher von Hertha BSC und stellt Felder eine Assistenzstelle in Berlin in Aussicht.

Der Jubilar erinnert sich: „Am Anfang ist gar nichts passiert und es dauerte dann ungefähr ein Jahr, bis mich Gerd Graus wieder angerufen und gesagt hat: Pass auf, Hansi, ich höre bei Hertha BSC auf und habe dich bei Dieter Hoeneß als meinen Nachfolger empfohlen.“ Es schließen sich diverse Besuche in Berlin an. Zunächst spricht Felder mit Martin Bader, dem damaligen Assistenten von Dieter Hoeneß. Es folgt ein sehr angenehmes Gespräch mit dem Manager selbst sowie abschließend auch eine Vorstellung bei Präsident Manfred Zemaitat.

„Ich weiß gar nicht, ob es überhaupt viele Bewerbungen gegeben hat. Ich glaube, dass sich Dieter Hoeneß nicht unbedingt 50 Kandidaten anschauen wollte. Ich hatte ehrlicherweise wenig Ahnung von dem, was mich da erwarten würde. Es war letztendlich die Empfehlung von Gerd Graus, dem ich diesbezüglich einiges zu verdanken habe. Und natürlich auch Martin Bader nach dem Vorgespräch, was dazu geführt hat, dass ich im Juli 1998 bei Hertha BSC angefangen habe. Das war dann tatsächlich der Beginn eines großen Abenteuers, einer elfjährigen Reise mit ganz, ganz vielen Erlebnissen, mit vielen Höhen, aber natürlich auch einigen Tiefen“, beschreibt Felder die damaligen Ereignisse.

Europacup und Wechselbäder der Gefühle

Die Höhen der Amtszeit von Felder, in der Hertha acht Mal eine Platzierung unter den Top 6 der Bundesliga gelingt und in der die Alte Dame Dauergast in den internationalen Wettbewerben ist, beginnen 1998 mit einem sensationellen dritten Tabellenrang und der damit verbundenen Qualifikation für die UEFA Champions League. Ein Wechselbad der Gefühle ist die Spielzeit 2003/04, in der Hertha erst am vorletzten Spieltag einen Abstieg aus der Bundesliga abwenden kann. Auch die Saison 2004/05, in der man am letzten Spieltag gegen Hannover im heimischen Olympiastadion vor ausverkaufter Kulisse nicht über ein torloses Remis hinauskommt und noch die Qualifikation für die UEFA Champions League verspielt, sorgt für Emotionen. 2009 endet die Ära mit einer Saison, in der bis zwei Spieltage vor Schluss sogar der erste deutsche Meistertitel seit 1931 oder zumindest die erneute Teilnahme an der Königsklasse in greifbarer Nähe ist – letztendlich verpassen die Blau-Weißen aber beide Ziele denkbar knapp.

Andrej Voronin, Sofian Chahed und Hansi Felder bei einer Hertha-Feier.

Besonders die damalige Anfangszeit ist Felder in Erinnerung geblieben. „Jürgen Röber war mein erster Trainer und mit ihm habe ich lange und intensiv zusammengearbeitet. Das Erreichen der Champions League war das blau-weiße Wunder. Das wurde medial auch so wiedergegeben, zum Beispiel mit den Schlagzeilen „Der schlafende Riese“ oder „Fußball-Hauptstadt“. Die Superlative schossen damals in den Himmel. Und das hatte natürlich zur Folge, dass die öffentliche und mediale Aufmerksamkeit anstieg“, erklärt er. „Wir haben natürlich viele nationale, aber auch internationale Anfragen erhalten, insbesondere von den Medien der Spielorte, beispielsweise aus Mailand, London, Barcelona oder Prag.“

Teamgeist als Erfolgsrezept in der Anfangszeit

Sportlich war die damalige Mannschaft so kurz nach der Rückkehr in die Bundesliga im Jahre 1997 natürlich nicht immer die bessere. Die damaligen Erfolge basieren für Felder daher auf einem anderen Grund: „Wir waren einfach ein wirkliches Team – eine Mannschaft, in der jeder dem anderen geholfen hat. Und dazu zählte auch die Geschäftsstelle. Dieter Hoeneß hatte einfach ein Händchen dafür, Leute einzustellen, die mit voller Leidenschaft und mit voller Hingabe für Hertha BSC tätig waren. Wenn intern Hilfe vonnöten war, dann kamen Kolleginnen und Kollegen aus anderen Abteilungen und haben uns geholfen. Von der Anzahl der Mitarbeiter war das alles noch sehr überschaubar. Ich hatte mit Heike Schmidt, die damalige Lebensgefährtin und heutige Ehefrau von Andreas Schmidt, eine Assistentin. Später habe ich Robert Burkhardt für die Bearbeitung unserer Website eingestellt – das war unsere Pressestelle.“

Diese arbeitete mit sieben Tageszeitungen, darunter drei Boulevardblättern, die natürlich alle um die Geschichten und Informationen kämpften. „Das war immer ein Spagat, als Pressesprecher war ich das Verbindungsglied zwischen Mannschaft, Verein und den Medien. Ich musste eben auch manchmal die eine oder andere Seite beschwichtigen. Ich halte mir aber zugute, dass ich für jedes Anliegen rund um die Uhr zu erreichen gewesen bin, das war wohl für alle Seiten sehr angenehm. Alles in allem war es stets eine gute Zusammenarbeit“, fasst Felder sein Verhältnis zur Presse zusammen.

Joggen mit Röber um 03:00 Uhr morgens

Natürlich gibt es auch Anekdoten, die abseits der eigentlich beruflichen Arbeit als Pressesprecher auf der persönlichen Ebene in Erinnerung geblieben sind: „In der Champions League hatten wir Anfang November 1999 das letzte Gruppenspiel beim FC Chelsea verloren. Aber weil die AC Mailand zeitgleich bei Galatasaray Istanbul verloren hatte, sind wir dann überraschend in die zweite Gruppenphase eingezogen. Nach dem Spiel gab es im Hotel das obligatorische Dinner mit Sponsoren und Journalisten, bei dem ich den Erfolg auch mit dem einen oder anderen Glas Alkohol gefeiert habe“, erzählt der Herthaner. „Um 03:00 Uhr kam dann plötzlich Jürgen Röber zu mir und war der Meinung, dass wir beide Laufen gehen sollten. Und davon ließ er sich auch nicht abbringen. Ich habe dann meine Sportsachen geholt, wir sind vom Hotel bis zum Riesenrad London Eye und zurück zwei Stunden durch London gejoggt.“ 

Felders elfjährige Amtszeit, in der er neben Jürgen Röber auch mit den Trainern Huub Stevens, Falko Götz, Hans Meyer und Lucien Favre zusammengearbeitet hat, endet nach der Saison 2008/09 im Zuge der Trennung zwischen unserem Hauptstadtclub und Dieter Hoeneß: „Nach der Entlassung, die aber auch ein stückweit nachvollziehbar gewesen ist, habe ich schwer gelitten. Es hat richtig lange gedauert, bis ich das überwunden hatte und es hat noch länger gedauert, bis ich überhaupt wieder ins Stadion gegangen bin“, gibt Felder einen Einblick in seine damalige Gemütslage und resümiert: „Ich bin froh und dankbar, dass ich beziehungsweise wir das gemeinsam erleben konnten. Ich war bei allem dabei, wo die Mannschaft gewesen ist. Ich hatte meinen festen Platz im Mannschaftsbus, bin überall mit hingeflogen. In den elf Jahren habe ich nur ein Freundschaftsspiel verpasst, ansonsten war ich in dem gesamten Zeitraum nicht ein einziges Mal krank. Ich war bei jedem Auswärtsspiel, in allen Trainingslagern, bei allen internationalen Partien dabei. Es war sehr zeitaufwendig, fast immer eine Sieben-Tage-Woche, aber ich habe das stets sehr gerne gemacht.“

Marko Pantelić und Hansi Felder.

Nach Beendigung seines Engagements bei Hertha BSC arbeitet Felder von 2009 bis 2011 als Pressesprecher bei RB Leipzig und von 2013 bis 2017 als Direktor Medien & Kommunikation bei den Stuttgarter Kickers, bevor er im Juli 2017 als Public Relations-Manager für die Leichtathletik-EM 2018 in Berlin wirkt. Seit Oktober 2018 ist der 60-Jährige bei einer Fußball-Management-Agentur als Spielerberater tätig. Felder, der mit Ehefrau Vivi und Tochter Mia unweit des Olympiastadions residiert, ist berufsbedingt von Freitag bis Sonntag für seine Klienten in den deutschen Stadien unterwegs, während er an den anderen Tagen von seinem Zuhause aus administrative Aufgaben erledigt. Wenn es seine beruflichen Verpflichtungen terminlich zulassen, ist er regelmäßig zu Gast bei den Heimspielen unserer Profis.

Hertha BSC gratuliert Hans-Georg „Hansi“ Felder sehr herzlich zu seinem 60. Geburtstag und wünscht ihm einen unvergesslichen Ehrentag im Kreise seiner Liebsten sowie weiterhin alles erdenklich Gute in allen Lebensbereichen.

von Frank Schurmann