Nicolas Steiert in der Hertha-Grafik.
Fans | 24. Februar 2026, 15:03 Uhr

Dieser Moment, als ich Herthaner wurde

War es der erste Schal, den eure Eltern euch auf dem Weg zum Spiel gekauft haben? War es der erste durchs Olympiastadion hallende Hertha-Fangesang, der euch nachhaltig beeindruckt hat? Oder doch die Kunststücke einzelner Blau-Weißer auf dem grünen Rasen – von Ete Beer über Marcelinho bis hin zu Marko Pantelić? Jede Herthanerin und jeder Herthaner hat einen eigenen Weg in unsere blau-weiße Familie. Gemeinsam mit der Sparda-Bank Berlin sucht unser Hauptstadtclub genau diese Geschichten – diesen Moment, als ihr Herthaner geworden seid.

Nicolas Steiert kommt aus Gottmadingen, einem 10.000-Seelen-Städtchen an der Grenze zur Schweiz. Der 33-Jährige arbeitet als Sicherheitsingenieur und war vorher lange im Rettungsdienst tätig. Seine Mitschüler fieberten früher mit dem SC Freiburg, dem VfB Stuttgart oder dem FC Bayern. Doch Nicolas war schon damals anders: Fast 800 Kilometer vom Olympiastadion entfernt trug er die Hertha-Fahne im Herzen und tut es noch immer. Von seinem Weg zur Alten Dame erzählt er hier.

Alle Wege führen ins Olympiastadion

Steierts Vater wuchs ebenfalls in Gottmadingen auf. Fußballerisch ist er SC Freiburg-interessiert. Die Mutter des 33-Jährigen ist wiederum langjährige Sympathisantin von Hertha. Aufgewachsen im Westend blieb sie der blau-weißen Wolke nicht fern. Luftlinie zum Stadion: Drei Kilometer. Die Liebe zog sie jedoch in den Süden Deutschlands. Wenn aber früher die obligatorische Berlin-Reise im Herbst anstand, fuhr sie mit Nicolas und dessen kleiner Schwester zurück in die alte Wohnung, in der die Oma immer noch lebte. Bei einem der Heimatbesuche entstand die Idee, zu Hertha ins Olympiastadion zu gehen. Gesagt, getan. Steiert muss zwölf oder dreizehn Jahre alt gewesen sein. So genau weiß er das nicht mehr.

Ausgestattet mit Trikot und Schal ging es ins Stadion. An den Gegner oder das Ergebnis kann er sich ebenfalls nicht mehr erinnern. Etwas anderes ist ihm aber sehr deutlich im Kopf geblieben: „Ich weiß nur noch, dass es so eine geile Stimmung war, mit der Ostkurve, dem Stadion und der Atmosphäre. Mich hat das so nachhaltig beeindruckt, ich konnte nur Hertha-Fan werden.“ Auf das erste Stadionerlebnis vor rund 20 Jahren folgten viele weitere – auch in anderen Spielstätten. Keine hinterließ jedoch einen vergleichbaren Eindruck. „Es ist das Gesamtpaket, was den Stadionbesuch auch heute noch ausmacht: Allein der Moment, wenn man die Olympische Straße hochläuft und entlang des von blau-weißen Fans gesäumten Wegs dieses riesige Stadion sieht “, schwärmt der ehemalige Notfallsanitäter.

In der Kindheit war Nicolas im Exil mit seiner Hertha-Liebe meist allein. Ein besonderes Erlebnis blieb aber hängen: Eines normalen Tages lief Steiert nämlich mit voller Hertha-Montur durch seine Schule. Im Treppenhaus hielt ihn ein älterer Mitschüler an und fragte, ob er tatsächlich Fan der Alten Dame sei. Nachdem Steiert bejahte, outete sich sein Gegenüber ebenfalls als Hertha-Anhänger. Endlich hatte Nicolas eine Person gefunden, mit der er sich über seine Leidenschaft unterhalten konnte: „Das hat dann auch verbunden.“ Im Jahr 2023 entschied sich der blau-weiße Fan auch für eine Mitgliedschaft in unserem Verein. „Seitdem hat mein Trikotkonsum um ein vieles zugenommen“, erzählt er lachend.

Alle einsteigen bitte! Badener auf Umwegen

Ein ganz spezielles Auswärtsspiel mit einigen Hindernissen erlebte der Sicherheitsingenieur im August 2010: Gemeinsam mit 7.100 Zuschauerinnen und Zuschauern verfolgte der 33-Jährige rund 45 Minuten von seiner Heimat entfernt den Pokalauftritt unseres Hauptstadtclubs beim SC Pfullendorf. Durch Kontakte zum baden-württembergischen Verein kam der Gottmadinger an Karten für die Partie. In Hertha-Kluft versuchte der damals 18-Jährige, durch den Haupteingang zu den Tribünen zu gelangen. Dabei stoppten ihn jedoch Sicherheitskräfte, die ihn mit gegnerischer Fankleidung nicht hereinlassen wollten. Dank eines Bekannten glückte der Zutritt doch noch. “Aber nur unter der Voraussetzung, dass mein Kumpel auf mich aufpasst“, erzählt Nicolas schmunzelnd. Das Spiel endete 2:0 für unsere Herthaner – nach Abpfiff fing das Abenteuer allerdings erst richtig an. Ein Freund aus Berlin war zufällig auch beim Spiel. Nach dem Match wollte sich Steiert mit ihm treffen, also bahnte sich der gebürtige Badener seinen Weg zu den Gästefans. Mitten im Gespräch wurden alle Anhängerinnen und Anhänger dann nach draußen geleitet. Nicolas schloss sich dem Tross an. Vor der Arena steckte man den Exilfan in einen der Hertha-Shuttlebusse, der für Steiert aber in die völlig falsche Richtung fuhr. Mit etwas Glück landete der Badener in der Folge aber doch bei seinem Auto und nicht in Berlin, seinem zweiten Zuhause.

von Lena Wrobel