
Jestatten: Jerome Diallo & Malte Brumm
Dass Jerome Diallo und Malte Brumm in der Goldrunde der DFB-Nachwuchsliga ein verlässliches Gespann im Defensivverbund unserer U17 bilden würden, war zu Beginn dieser Spielzeit nicht unbedingt zu erwarten. Denn die Saison hielt für die zwei Talente bereits die eine oder andere Herausforderung parat. Beide spielen zwar auf derselben Position, sind aber ganz unterschiedliche Typen mit total besonderen Veranlagungen. Der Weg ins Abwehrzentrum unseres blau-weißen Nachwuchsteams verlief für die Innenverteidiger allerdings durchaus andersartig. Doch von vorn.

Ur-Herthaner mit fußballerischen Finessen
Der in Berlin geborene Jerome machte früh beim SC Siemensstadt auf sich aufmerksam, empfahl sich anschließend über Herthas Vision und wechselte letztlich schon 2017 zu unserer Alten Dame. Von der U9 an durchlief das aus Charlottenburg stammende Eigengewächs in der Folge sämtliche Altersstufen unserer Akademie – und beeindruckte mit seinen speziellen Fähigkeiten: Diallo verfügt über eine hohe Spielintelligenz und gute Technik. Von hinten heraus kreiert der Berliner viele Angriff mit dem Ziel, den Gegner schnell zu überspielen. Natürlich zählen auch die für einen Defensivakteur klassischen Skills wie Durchsetzungsstärke und Antizipation zum Repertoire des inzwischen 16-Jährigen, der außerdem auch schon als Sechser sowie als Außenverteidiger zum Zuge kam. Der Herthaner unterstreicht derweil seine Lernbereitschaft und sagt: „Ich will noch erwachsener spielen, kann in den Zweikämpfen etwas ekliger und bissiger werden – aber natürlich mit Auge.“ Daran arbeitet der Rechtsfuß akribisch. Ebenfalls weit oben auf dem fußballerischen Stundenplan des Elftklässlers steht: Persönlichkeitsentwicklung. „Jerome ist ein intelligenter Junge, aber eher ein ruhigerer Typ. Deswegen wollten wir ihm mit dem Kapitänsamt bewusst noch mehr Verantwortung übergeben – das macht er gut, das tut ihm auch gut“, betont Coach Kostas Kotsifakis, der Diallo erstmals in der U10 unter seinen Fittichen hatte.

In der Gefühlsachterbahn
Mit der Binde am Arm und damit – sowohl auf als auch neben dem Rasen – in neuer Rolle startete Jerome in die laufende Saison. „Das ist für mich eine besondere Sache, die mir ein sehr gutes Gefühl gibt“, erklärt die Nummer 3, die sich als Kind aufgrund der guineischen Wurzeln für Paul Pogba begeisterte und deren Eltern mit zu den meisten Auswärtsspielen reisen. Im September geriet Diallo dann jedoch in die Gefühlsachterbahn: Auf das Länderspieldebüt für die U17 des DFB folgte die erste schwerwiegende Verletzung. Mit einer Sehnen- und Muskelblessur fiel der Nachwuchsnationalspieler gleich mehrere Wochen aus.
Frühreifer Aufsteiger
Daher rückte der in Nauen geborene und auch im Havelland nordwestlich unserer Hauptstadt aufgewachsene Malte nach. Der 15-Jährige war 2023 nach einer starken letzten Kleinfeldsaison vom SC Staaken in unsere U13 gekommen. Die Verantwortlichen hatten zügig großes Förderungspotenzial in ihm erkannt. So ergab es sich, dass Brumm immer wieder bei älteren Jahrgängen mitmischen durfte. Vergangene Saison lief der Youngster als U14-Junior bei der U15 auf. Zu Beginn der aktuellen Spielzeit zählte der U15-Akteur nicht nur zum Stammpersonal der U16, sondern trug dort auch die Spielführerbinde – allerdings nur bis Ende Oktober, ehe nämlich der Aufstieg in die von Ausfällen gebeutelte U17 anstand. „Wir wollten ihm schnell den nächsten Schritt ermöglichen. Es ergab in dieser Situation total Sinn und war nicht nur aus der Not heraus geboren. Einsätze auf allerhöchstem U17-Niveau sind für ihn einfach Gold wert“, erklärt Kotsifakis, der seitdem konsequent auf die Dienste des Talents setzt.

Leidenschaft für Verteidigen und Zweikämpfe
Malte, der einst ein Faible für Virgil van Dijk hegte, besticht dabei vor allem durch rigorose Defensivarbeit. Die Nummer 30 liebt das Verteidigen und geht keinem Zweikampf aus dem Weg. Aber auch in Sachen Spielverständnis muss sich der Blau-Weiße keinesfalls verstecken. Brumm selbst zeigt sich ehrgeizig: „Ich will weiter an meinem Körper und meinem schwachen Fuß arbeiten.“ Zusätzliche Vorzüge lassen sich in der Persönlichkeit des Neuntklässlers, den seine Eltern ebenfalls zu allen möglichen Spielen begleiten verorten: Trotz seines Alters zählt der Nauener im Team zu den Führungsspielern, geht voran und macht den Mund auf. Außerdem bescheinigen Weggefährten Malte eine gewisse Reife, ein gesundes Selbstbewusstsein und eine Selbstverständlichkeit in allem, was er tut.

Üppiger Lohn für Geduld & harte Arbeit
Während Malte im Herbst des vergangenen Jahres also wichtige Wettkampfpraxis erhielt, sammelte Jerome so schmerzhafte wie wertvolle Erfahrungen abseits von Toren, Tabellen und Titeln. Der Herthaner verpasste nicht nur den Großteil der Liga-Vorrunde mit dem Verein, sondern auch die EM-Qualifikation mit dem Verband. „Die Verletzung war sehr ärgerlich. Ich habe so aber gelernt, dass man auch aus schlechten Dingen etwas Gutes machen kann. Immerhin achte ich nun noch viel mehr auf meinen Körper“, erzählt Diallo. Der Wiederaufbau des Defensivspezialisten mit der feinen Ballbehandlung erfolgte behutsam, Kotsifakis und Co. gaben dem Talent bewusst viel Zeit. Der Lohn für die Geduld und die harte Arbeit während der Rekonvaleszenz fiel umso üppiger aus: Die Berufung in den deutschen U17-Kader für den prestigeträchtigen Algarve-Cup. An der portugiesischen Atlantikküste wirkte der Blau-Weiße dann Mitte Februar bei allen drei Auftritten des DFB-Teams – gegen Finnland, Spanien und den Gastgeber – mit. „Es war sehr spannend, die Qualität der anderen Teams mit Spielern von Clubs wie Real Madrid, dem FC Barcelona oder Sporting Lissabon zu sehen. Ich konnte da natürlich viel mitnehmen“, schildert der Schlüsselspieler unserer Auswahl, der mit breiter Brust in die Hauptstadt zurückkam und über dessen Nominierung sich die gesamte Akademie gefreut hatte. Weitere Jungs sollen nun nach und nach ebenfalls an dieses Niveau herangeführt werden. Ein logischer Kandidat: Malte.
Von Adaptionsprozessen & wichtigen Fehlern
Der Abwehrspieler benötigte kaum Anlaufzeit für den neuen Auftrag und agiert längst auch gegen hünenhafte U17-Kontrahenten bei Vereinen wie dem VfL Wolfsburg, dem FC Schalke 04 oder dem SV Werder Bremen mit der erwähnten Selbstverständlichkeit. „Die Gegner sind im Vergleich zur U15 und U16 vor allem körperlich weiter, aber auch etwas reifer im Kopf. Sie erkennen bestimmte Situationen schneller und lösen sie teilweise auch einfacher“, beobachtete der Rechtsfuß, der sich zwar zunächst an das Tempo und Anlaufverhalten der Stürmer hatte gewöhnen müssen, aber insgesamt nicht viel Adaptionszeit benötigte. So machte Malte schnell große Schritte in seiner Entwicklung, wobei die Verantwortlichen ihm auch Fehler gestatten. Diese stellen für den Youngster wichtige Erfahrungswerte dar und werden im Nachgang ausführlich besprochen. Brumm saugt Ratschläge auf und setzt sie zügig um.

Gemeinsam gegen die Besten in Deutschland
Nach Jeromes Comeback stellte sich demzufolge auch gar nicht erst die Frage, ob es die Nummer 3 oder die Nummer 30 in die Startelf schaffen würde. Stattdessen tauchten die beiden Talente dort zusammen auf. Malte hält nach den ersten gemeinsamen Begegnungen fest: „Wir können uns gegenseitig schon ganz gut lesen. Der eine weiß, was der andere machen wird.“ Möglichst viele Partien sollen in dieser Saison noch folgen. Die Qualifikation für die Liga A stellte mit einer der jüngsten Mannschaften der U17 DFB-Nachwuchsliga bereits einen Achtungserfolg dar. Nun geht es schließlich gegen die Besten der Besten in Deutschland zur Sache. Der Auftakt in der Gruppe C glückte mit elf Zählern aus sechs Auftritten. Die Qualifikation für die K.o.-Runde um die deutsche Meisterschaft stellt ein realistisches Vorhaben dar. „Ich weiß, was in der Mannschaft steckt und bin guter Dinge, dass wir weiterkommen“, so Diallo.

Das große Ziel
Mit Blick auf die nächsten notwendigen Schritte in der persönlichen Entwicklung von Jerome und Malte, die beide die Poelchau-Schule im Olympiapark besuchen, betont Kotsifakis: „Der Schlüssel ist Konstanz. Sie müssen sich beständig verbessern und performen wollen. Du brauchst eines, wenn du oben ankommen willst: Verlässlichkeit.“ Auf jenem Weg nach oben liegt der Fokus in der Gegenwart zunächst auf Engagement und Wille. Vier bis fünf Trainingseinheiten mit der Mannschaft absolvieren die jungen Herthaner momentan pro Woche, Schul- und Krafttraining kommen obendrauf – alles für das große Ziel: Profibereich. „Ich bin bei Hertha aufgewachsen. Der Verein ist in meinem Herzen, deswegen will ich den Durchbruch hier unbedingt schaffen“, sagt Diallo. Brumm pflichtet bei: „Mir bedeutet es sehr viel, dieses Wappen tragen zu dürfen. Auch wenn ich nicht direkt aus Berlin komme, habe ich mir früher schon vorgestellt, wie es wäre, für Hertha zu spielen. Der Verein investiert eine Menge in den Nachwuchs – dafür bin ich sehr dankbar. Ich möchte etwas zurückgeben und es hier zum Profi schaffen.“ Wer weiß – vielleicht bilden die zwei Eigengewächse eines Tages ja auch im Olympiastadion ein Gespann mit der Fahne auf der Brust.