
„Vielleicht kommt das Glöckchen weniger zaghaft zum Einsatz“
Die erste blau-weiße Mitgliederversammlung des Jahres steht an: Am Sonntag (26.04.26) kommen die Herthanerinnen und Herthaner ab 11:00 Uhr im CityCube der Messe Berlin (Messedamm 26, 14055 Berlin) zusammen. Dr. Roland Kühne wird bei der Veranstaltung dann zum zweiten Mal als Versammlungsleiter fungieren. Der 42-Jährige hatte im vergangenen Herbst die Nachfolge von Dr. Dirk Lentfer angetreten. Im Interview mit Redakteur Erik Schmidt spricht der Jurist nun über sein Amt und die anstehende Veranstaltung.
Dr. Kühne, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen! Wie blicken Sie nach Ihrer geglückten Premiere auf das anstehende Ereignis voraus?
Dr. Roland Kühne: Mit Vorfreude, nicht ganz so viel Aufregung wie beim ersten Mal und Spannung, was die Wahlen sowie die Nutzung des neuen digitalen Abstimmungstools angeht.
Bei der vergangenen Veranstaltung haben Sie erstmals das Amt übernommen, nachdem zuvor Dr. Lentfer über viele Jahre ein Gesicht der MV gewesen ist. Können Sie uns noch einmal in ihre Gefühlswelt von damals mitnehmen?
Dr. Kühne: Ich wusste, dass Dr. Lentfer sehr beliebt war und sich über die Zeit einen tadellosen Ruf erarbeitet hat. Deswegen war meine Anspannung schon recht groß. Zumal ich damals – anders als diesmal – nur erahnen konnte, was mich vor Ort genau erwarten würde. Es hilft sehr, das alles einmal mitgemacht zu haben.
Verraten Sie uns doch bitte, wie Ihre Berufung eigentlich genau zustande gekommen war.
Dr. Kühne: Das Ganze lief über Dr. Lentfer. Ich habe früher als Rechtsanwalt in seiner Kanzlei gearbeitet, weswegen wir noch Kontakt zueinander haben. Er rief mich im vergangenen Herbst an und fragte unvermittelt, was ich denn am 15. November vorhätte. Ich habe kurz überlegt, weil ich noch nicht direkt wusste, worauf er hinauswill (lacht). Schließlich habe ich aber wahrheitsgemäß geantwortet, dass ich noch nichts vorhabe. Dann erzählte er mir, dass er eigentlich schon vor Corona angefangen hatte, darüber nachzudenken, als Versammlungsleiter aufzuhören. Während der Pandemie wollte er Hertha aber nicht im Stich lassen. Anschließend folgte die vorgezogene Präsidentschaftswahl, auch da wollte er den Verein wiederum nicht im Stich lassen. Deswegen hielt er den vergangenen Herbst für einen geeigneten Zeitpunkt zur Übergabe. Er bot mir an, mich vorzuschlagen, wenn ich interessiert wäre. So ist es dann auch gekommen.
Wie sahen Ihre blau-weißen Berührungspunkte vor der Übernahme des Versammlungsleiteramtes aus?
Dr. Kühne: Tatsächlich hatte ich die ersten davon direkt bei einem meiner ersten Mandate als Rechtsanwalt für die erwähnte Kanzlei. Ich fand das als junger Anwalt ungeheuer spannend und blieb in den knapp vier Jahren, die ich in dieser Kanzlei verbracht habe, immer auch mit für Hertha tätig. Dabei hat sich ein guter Kontakt zu einzelnen Mitarbeitern entwickelt und ich habe auch vermehrt das Olympiastadion besucht. Diese Bindung ist nie vollständig abgerissen. Mittlerweile bin ich natürlich auch Mitglied.

Sie konnten zum Start auch gleich das legendäre Glöckchen zum Einsatz bringen. Gab es Rückmeldungen zu Ihrer Vorstellung?
Dr. Kühne: Die lustigste Rückmeldung kam tatsächlich von einem Kollegen, der mir den Screenshot eines Livetickers zugeschickt hat. Darin hieß es: „Erster Glöckcheneinsatz noch etwas zaghaft.“ Da musste ich schmunzeln. Als Versammlungsleiter bin ich grundsätzlich in der Rolle, dass ich die Leute einerseits ausreden lassen möchte, andererseits aber auch den Gesamtzeitplan im Blick behalten sollte. Gerade bei den Vorstellungsrunden, wie sie auch jetzt wegen der Wahlen anstehen, hilft es, wenn sich alle an die zeitlichen Vorgaben halten. Und falls nicht, kommt das Glöckchen diesmal vielleicht etwas weniger zaghaft zum Einsatz (lacht).
Stand denn nach der Auftaktveranstaltung für Sie direkt fest, dass Sie wieder auf dem Podium Platz nehmen wollen?
Dr. Kühne: Der Verein hat mir gleich signalisiert, an einer längerfristigen Übernahme des Amtes interessiert zu sein. Insofern habe ich mir das vor meiner ersten Zusage gut überlegt und war mir sicher, dass ich erneut zur Verfügung stehen würde, wenn man mit mir zufrieden ist – und den Eindruck hatte ich. Zumal man mit der Erfahrung in seinem Job auch immer besser wird.
Die nächste Veranstaltung rückt näher. Was wird anders laufen als bei Ihrer persönlichen Premiere?
Dr. Kühne: Der größte Unterschied besteht darin, dass sich der Verein dazu entschieden hat, erstmals das digitale Abstimmungstool zu nutzen. Das kann anfänglich vielleicht auch etwas ruckeln. Ich glaube aber, dass es langfristig eine deutliche Vereinfachung für alle Beteiligten darstellt.
Inwiefern?
Dr. Kühne: Zum einen ist die Methode umweltschonend, weil deutlich weniger Papier benutzt wird – zum anderen auch personalschonend, weil es nicht mehr die vielen freiwilligen Helfer braucht, um die Stimmzettel auszuzählen. Das Tool beschleunigt den Vorgang als solchen, so dass ich wenige Momente nach Ende der Abstimmung schon das Ergebnis übermittelt bekommen werde. Es kommt dann eben nicht mehr zu längeren Zählpausen wie bei der letzten Präsidentschaftswahl, als Dr. Lentfer zur Überbrückung schon etwas singen wollte (grinst).
Wie sieht Ihre ganz persönliche Vorbereitung auf die Veranstaltung aus?
Dr. Kühne: Das geht damit los, dass mich Hertha über die Terminfindung auf dem Laufenden hält. In dem aktuellen Fall war es ja länger unklar, ob es ein Samstag oder ein Sonntag wird, weil der Spielplan schlichtweg noch nicht feststand. Als Mitglied bekomme ich dann natürlich auch automatisch die Tagesordnung auf meinen privaten Mailaccount. Drei, vier Wochen vorher beginnt die konkrete Abstimmung mit der Geschäftsstelle. Zuletzt war ich beispielsweise anwesend bei der Auslosung der Reihenfolge, in der sich die Kandidaten für die Wahl des Aufsichtsrates vorstellen werden. Ich selbst habe zudem schon frühzeitig einen Rohentwurf des Protokolls erstellt. Dadurch hat es zum einen der Protokollant einfacher, zum anderen dient es mir als Leitfaden für die Versammlung.
Gibt es darüber hinaus etwas, auf das Sie sich besonders freuen?
Dr. Kühne: Ich bin natürlich aus reiner Neugierde darauf gespannt, wer sich bei den Aufsichtsratswahlen durchsetzen wird.
Abschließend: Wie muss diese MV laufen, damit sie im Anschluss zufrieden nach Hause gehen?
Dr. Kühne: Aus meiner Sicht ist die Versammlung gut, wenn ich nicht groß in Erscheinung trete, stattdessen alles in geordneten Bahnen abläuft und das Glöckchen nicht zum Einsatz kommen muss.