Dr. Peter Görlich, Ralf Huschen und Fabian Drescher auf der Mitgliederversammlung
Club | 26. April 2026 um 18:22 Uhr

„Stellschrauben, die wir in die richtige Richtung drehen müssen“

Im CityCube der Messe Berlin eröffnete Präsident Fabian Drescher vor insgesamt 1.184 Mitgliedern die Versammlung. Zunächst bat unser Cluboberhaupt nach einigen einläutenden Worten die anwesenden Profis auf die Bühne. Kapitän Fabian Reese richtete einige Sätze an die Anwesenden. „Ich möchte mich im Namen der Mannschaft für die Unterstützung in dieser Saison bedanken. Ihr und wir haben uns diese Spielzeit anders vorgestellt. Wir hoffen, dass ihr uns auch in Zukunft so zahlreich unterstützt. Gleich gehen wir trainieren und hoffen, dass ihr hier eine gute Mitgliederversammlung abhalten werdet!“

Gesagt, getan: Drescher übergab das Wort an unseren Versammlungsleiter Dr. Roland Kühne, der die formalen Rahmenbedingungen und Abläufe der Versammlung erläuterte und dabei auch über die elektronischen Stimmabgaben sprach. Nach dem Absegnen der Tagesordnung durch die anwesenden Mitglieder erfolgte das Gedenken an unsere verstorbenen Mitglieder.

Drescher: „Die richtigen Schlüsse ziehen, die richtigen Entscheidungen treffen“

Danach war es an der Zeit für den Bericht des Präsidiums. Drescher blickte zunächst auf die Spielzeit der Profis zurück. „Wir sind unseren eigenen Ambitionen über weite Strecken hinterhergelaufen. Unsere sportliche Führung und die Geschäftsführung haben bereits intensiv damit begonnen, die Ursachen dafür im Detail zu analysieren. Es geht darum, die richtigen Schlüsse zu ziehen – und die richtigen Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.“ Unser Präsident blickte auch auf die allgemeine Situation unseres Vereins. „Unsere wirtschaftliche Situation ist weiterhin angespannt – aber wir sind auf einem klaren Weg der Stabilisierung. Wir brauchen vor allem eines: Geduld. Geduld in der Entwicklung. Geduld mit jungen Spielern. Geduld mit Prozessen. Und genau um diese Geduld bitte ich euch!“

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Hertha hat aktuell 60.493 Mitglieder

Nachdem Drescher bereits in seiner Rede verkündet hatte, dass unser Hauptstadtclub aktuell 60.493 Mitglieder aufweist, zeigte unsere stellvertretende Präsidentin Anne Noske in ihrem Bericht auf, wie diese sich eigentlich aufteilen: 59.946 im Fußball, 348 im Boxen, 137 im Tischtennis sowie 62 beim Kegeln. Es folgte eine Talkrunde mit den Abteilungsleitern Boxen, Kegeln, Fußball und Tischtennis: Hagen Doering, Andreas Ziebarth (der Thomas Prill vertrat), Andreas Quirin und Thomas Segler sprachen über die Ereignisse und Erfolge in ihren Bereichen. Es folgten die Berichte des Aufsichtsrates durch Dr. Torsten-Jörn Klein sowie des Ältestenrates durch Wilhelm Hennig.

Aufsichtsrat: Kauermann zum Vorsitzenden, Rotter zum Stellvertreter gewählt

Der nächste Tagesordnungspunkt führte die Versammlung zur Aussprache zu den verschiedenen Berichten des Hertha BSC e. V.., ehe die Wahlen zum Aufsichtsrat anstanden. Beim Vorsitz setzte sich Tim Kauermann durch, der 733 der 1.063 abgegeben Stimmen auf sich vereinen konnte. Dr. Torsten-Jörn Klein hatte 216 Stimmen erhalten, Andreas Kurth 82. Stellvertretender Vorsitzender wurde Niklas Rotter, der 568 der 1.000 abgegebenen Stimmen der Mitglieder erhielt. Scott Körber bekam 216, Rebecca Zenner 180 Stimmen. Als einfache Mitglieder wählten die Angehörigen unserer Alten Dame in zwei Wahlgängen Andreas Schmidt und Zenner, die sich auch für dieses Amt hatte aufstellen lassen.

Umsatzsteigerung, Plus im operativen Ergebnis – und frühzeitige Lizenz

Beim Bericht der Geschäftsführung konnte Ralf Huschen eine Umsatzsteigerung von 5,5 Mio. Euro (auf 50,7 Mio. Euro) vermelden. Auch in Bereichen wie Ticketing, Merchandising, Sponsoring und Transfers verzeichnete unser Verein teils deutliche Zuwächse. Das operative Ergebnis erhöhte sich um 9,2 Mio. Euro auf ein Plus von 4,1 Mio. Euro! „Hier waren die Umsatzsteigerungen, aber auch eine deutliche Kostenreduktion in allen Bereichen verantwortlich. Kostendisziplin wird auch weiterhin das Gebot der Stunde bleiben“, unterstrich Huschen, der zum Abschluss eine weitere positive Nachricht für die Mitglieder hatte. „Ich bin sehr stolz, euch mitteilen zu können, dass wir im Gegensatz zum Vorjahr bereits frühzeitig die Lizenz zur kommenden Saison sichern konnten“, verkündete er unter Applaus.

Transformation? „Grundlegender Wandel von Strukturen, Prozessen und Zuständen“

Sein Kollege Dr. Peter Görlich sprach über die kommenden blau-weißen Herausforderungen.„Unsere Transformation bezeichnet einen grundlegenden Wandel von Strukturen, Prozessen und Zuständen in unserem Verein. Wir brauchen mehr Konsequenz und Führung von innen heraus. Ich glaube fest daran, dass wir diese Dinge als Team für die Zukunft gestalten können“, sagte er. „Uns fehlen nicht die Größe oder Anspruch, sondern strukturelle Schärfe. Das ist harte Arbeit, und deshalb spreche ich von der größten Transformation.“ Auf den Sport übertragen hieße das, dass Hertha Qualität verlieren dürfe, aber keinesfalls Struktur. „Wir wissen noch nicht, was in diesem Transfersommer passieren wird. Aber wir sind in den Planungen, wir sind in den Diskussionen, wir bereiten Dinge vor. Nicht erst seit gestern.“

In einer anschließenden Talkrunde ging es auch noch um die 1. Frauen, die Akademie und die allgemeinen Rahmenbedingungen auf dem Olympiagelände. „Wir müssen Rahmenbedingungen stellen, in denen die Spieler sich entwickeln können. Die Zukunft Herthas entscheidet sich nicht daran, ob der Club Erfolg fordert. Die Zukunft Herthas entscheidet sich daran, ob der Club die Voraussetzungen dafür endlich konsequent herstellt“, unterstrich Dr. Görlich hierbei. Eine Maxime für den zukünftigen Weg unserer Alten Dame nannte sein Kollege: „Es braucht Zeit und ganz viele Stellschrauben, die wir in die richtigen Richtungen drehen müssen. Wir müssen lernen, aus wenig viel zu machen – und nicht aus viel wenig“, erklärte Huschen. Der Bericht des Beirates und die ausführliche Aussprache zu den Berichten der GmbH & Co. KGaA rundeten die blau-weiße Versammlung ab, die nach rund sieben Stunden und 14 Minuten schließlich endete.

von Konstantin Keller