
Kapellenjubiläum im Olympiastadion
Ein Ort zum Nachdenken und zum Innehalten, zum Zusammenkommen und Singen, zum Teilen von Freude – und manchmal auch von gemeinsamem Leid. Die Stadionkapelle im Berliner Olympiastadion steht seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 Besucherinnen und Besuchern sowie Sportlerinnen und Sportlern aus aller Welt offen. In einem Oval aus purem Gold und versehen mit Bibelversen in 18 verschiedenen Sprachen stellen die Räumlichkeiten für nicht wenige Expertinnen und Experten eine der schönsten Stadionkapellen der Welt dar.Die Räumlichkeiten, die im Bereich der Haupttribüne und nur einige Meter vom Spielfeld entfernt zwischen Players Lounge und dem Spielertunnel liegen, sind seit der Saison 2006/07 auch bei jedem Hertha-Heimspiel für Andachten geöffnet. „Als das Ganze anfing, hätte ich gar nicht gedacht, dass daraus einmal 20 Jahre werden. Aber es ist toll, dass der liebe Gott bei solchen Dingen die Finger draufhat“, sagt Diakon Gregor Bellin lächelnd. Der katholische Geistliche führt gemeinsam mit Dr. Bernhard Felmberg durch die Versammlungen.
Was ist für den evangelischen Sportpfarrer am Jubiläum am schönsten? „Dass wir als Kapellenteam zusammen so viele Menschen erreicht haben, wie ich es mir kaum hätte vorstellen können – und so ein Teil von Hertha BSC geworden sind. Taufen, auch schwere Momente, die wir mit den Menschen und dem Verein geteilt haben. Für die ganzheitliche Begleitung des Vereins mit vielen Begegnungen und die Menschen, die wertschätzen, was wir tun, sind wir sehr dankbar“, unterstreicht Dr. Felmberg. Vor dem Heimspiel unserer Herthaner gegen Holstein Kiel begingen die Anwesenden dann gemeinsam mit den beiden Geistlichen das Jubiläum. „Die Kapelle war sehr gut gefüllt, der gemeinsame Rückblick mit Bernhard Felmberg auf 20 Jahre war angenehm“, erinnert sich Bellin. Zu dem besonderen Anlass waren neben zahlreichen Herthanerinnen und Herthanern auch Präsident Fabian Drescher, die stellvertretende Präsidentin Anne Noske und unser Geschäftsführer Dr. Peter Görlich anwesend. Gemeinsam mit den beiden Geistlichen hielten die versammelten Blau-Weißen inne, sangen Lieder und verbrachten gemeinsam Zeit. Eine Zeit, die auch durch gegenseitige Wertschätzung für die Arbeit aller Beteiligten möglich wird. „Wichtig ist mir: Bernhard und ich sind diejenigen, die vorne in der Kapelle sichtbar sind – aber ohne Christoph Schumacher und Anja Hammer, die als Musiker und Küsterin im Hintergrund mitwirken, wäre all das nicht möglich. Es sind immer Teamleistungen“, unterstreicht der Diakon.
Schöne & traurige Momente
So werden auch in Zukunft weitere Momente des Zusammenkommens in einer Räumlichkeit möglich, die ebenso viele andächtige wie schöne und auch traurige Momente erlebt hat. „Es sind oft zwei Seiten einer Medaille. Ich kann behaupten, als vielleicht letzter Herthaner die Schale berührt zu haben – Arjen Robben hat sie uns 2010 nach der Meisterschaft des FC Bayern im Olympiastadion für einen Moment überlassen. Persönliche Erlebnisse mit Hertha-Spielern sind auch immer schön, zum Beispiel hat mir Marko Pantelić das Trikot geschenkt, mit dem er zum letzten Mal im Olympiastadion aufgelaufen ist“, erinnert sich Bellin. Auch Zeit für Flachs muss sein. „Manche Fans fragen bei Niederlagen auch mal, ob wir etwa nicht genug gebetet haben“, lacht Dr. Felmberg. Selbstverständlich kamen aber auch ernstere Augenblicke vor. „Es gab Ereignisse, die sehr emotional waren, aber auf die wir alle auch gerne verzichtet hätten – beispielsweise die Trauerfeier für Kay Bernstein. Wobei ich glaube, dass es sehr gut und wichtig war, dass wir den Fans diese Möglichkeit zur Trauerarbeit geben konnten“, sagt Bellin.
Offen für jeden Menschen
Diese Möglichkeit wird auch weiterhin bestehen – und nicht nur für Christinnen und Christen, Protestantinnen und Protestanten oder Katholikinnen und Katholiken. „Es ist kein Neben- sondern ein Miteinander“, betont der Herthaner, der sich auch im blau-weißen Revisionsausschuss engagiert. „Bernhard und ich sind inzwischen befreundet und haben unsere Arbeit in den 20 Jahren immer als ökumenische Gemeinsamkeit verstanden.“ Dr. Felmberg bekräftigt: „Wir sind beide Hertha-Fans und ein Team, machen die Gottesdienste jedes Mal zusammen, wenn wir können. Wir leben Ökumene intensiv und freuen uns über die Menschen, die kommen.“ Dabei ist jeder willkommen. „Es kommen Christen zusammen, es kommen Fußballfans zusammen – und es stellt sich nicht die Frage, ob man evangelisch, katholisch oder etwas anderes ist. Wer kommen möchte, kann gerne kommen – wir fragen nicht nach dem Taufschein“, lächelt Bellin. So bleibt die Kapelle im Olympiastadion ein besonderer Ort – der auch in Zukunft allen offen steht, die ihn suchen.